Das Loch in der Tür


Originaltitel:
The Nightcomers
Jahr:
1971
Eingetragen:
08.10.2011
Bearbeitet:
23.10.2011
IMDB-Wertung:
6,1/10

Nach dem Tod ihrer Eltern soll nach dem Willen des neuen Vormunds (Harry Andrews) alles für Flora (Verna Harvey) und Miles (Christopher Ellis) beim alten bleiben (und er selbst möchte möglichst überhaupt nicht mit der Sache behelligt werden). Das ist deshalb denkbar, da die beiden praktisch ohnehin von der Gouvernante Miss Jessel (Stephanie Beacham) aufgezogen werden. Auch alle anderen Hausangestellten sollen ihren Pflichten weiter nachgehen. Kammerdiener Quint (Marlon Brando) ist allerdings mit dem Tod des Hausherren funktionslos geworden – er soll sich selbst eine neue Aufgabe (beispielsweise im Garten) suchen. Und das, obwohl die Haushälterin Mrs. Grose (Thora Hird) den Störenfried am liebsten los wäre.

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Kinderaugen bleibt nichts verborgen

Praktisch stellt es sich so dar, dass Quint viel Zeit mit den Kindern verbringt. Dabei erzählt er so Einiges, was eigentlich nicht für Kinderohren bestimmt ist. Doch unabsichtlich wird er auch in anderen Belangen zum Vorbild: Hinter verschlossenen Türen pflegt er eine sadomasochistische Beziehung mit Miss Jessel. Auch dies lässt sich natürlich nicht vollständig vor den neugierigen Heranwachsenden verheimlichen, wovon sie dann teilweise mangels Gesprächsmöglichkeit ganz eigene Interpretationen entwickeln. Miss Jessel entwickelt ein schlechtes Gewissen, kommt aber von Quint nicht los. Erst, als Mrs. Grose alles herausbekommt und die beiden beim fernen Hausherren verpfeifen will, will sie dann doch das Haus endgültig verlassen. Doch Flora und Miles wollen Miss Jessel und Quint für immer dabehalten und zusammen sehen – um jeden Preis.

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Doch der Sinn des Originals...

Was als Vorgeschichte zu Schloss des Schreckens gemeint ist, passt zwar mit dem zehn Jahre älteren Film nicht ganz zusammen; beispielsweise ist dort die Rede von weiteren Hausangestellten, die Quint sexuell belästigt haben sollte – im Loch in der Tür kommt er positiver weg. Dies ist dramaturgisch aber wohl nötig, denn mit Quint als reinen Bösewicht könnte die Tragik der Geschichte nicht so adäquat ausgespielt werden.

So ist Quint eben derjenige, der sich als Einziger zumindest ansatzweise mit den Kindern beschäftigt. Nun ist er ein recht simpler Mensch (Brando nuschelt sich etwas demotiviert durch den Film) und durchschaut nicht den Einfluss, den er insbesondere auf Miles entwickelt. Dass er letztendlich den beiden sogar unterlegen ist, erkennt er bis zu seinem Tod, der natürlich von vornherein feststeht, nicht. Miss Jessel (adäquat verkörpert von Beacham) durchschaut da schon etwas mehr, ist jedoch in ihrem eigenen Verlangen gefangen.

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...erschließt sich auch bei eigenen Experimenten nicht ganz.

Wahrscheinlich der Thematik geschuldet, jedoch teilweise etwas irritierend ist die Besetzung Miles' und Floras. Insbesondere Harvey ist eben doch mit ihren 18 oder 19 Jahren schon sichtbar recht alt für eine doch noch deutlich kindlich angelegte Rolle. In vielen Szenen schafft sie es, adäquat klein, naiv und unschuldig zu wirken. Manchmal klappt das aber dann doch nicht so, so dass einige der härteren Szenen ihre maximale Wirkung leider nicht vollständig entfalten können.

Was natürlich in der Beziehung zum Original auch zweifelhaft ist, ist, dass hier ein Mysterium aufgelöst wird, das vielleicht besser gar nicht aufgelöst werden sollte: Wie viele Geschichten sind einem schon dadurch verdorben worden, dass zu viel „erklärt“ wurde, anstatt etwas einfach zumindest teilweise offen zu lassen? Das kann man natürlich auch dem Loch in der Tür vorwerfen. So ist es wahrscheinlich besser, den Film eigenständig zu betrachten; und für sich ist er durchaus mutig und gelungen.

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