Schön, nackt und liebestoll


Originaltitel:
Rivelazioni di un maniaco sessuale al capo della squadra mobile
Jahr:
1972
Eingetragen:
11.10.2011
Bearbeitet:
14.10.2011
IMDB-Wertung:
6/10

Eine Frau mit aufgeschlitzter Kehle, die Ehefrau eines hochrangigen Generals, wird tot aufgefunden. Am Tatort liegen Fotos von ihr mit ihrem Liebhaber, dessen Gesicht jedoch auf den Bildern unkenntlich gemacht wurde, verstreut. Das Muster wiederholt sich schon bald: Die Ehefrau (Femi Benussi) eines Politikers ist als Nächstes an der Reihe; sie wurde ebenfalls erstochen, sie hatte ebenfalls eine Affäre und wieder finden sich „Beweisfotos“ jener Affäre am Tatort. Inspektor Capuana (Farley Granger) hat sofort die üblichen Verdächtigen im Blick: Homosexuelle und impotente Männer – denn die hätten generell Angst vor Frauen! Ebenfalls verdächtig: Gastone (Luciano Rossi), der die Körper im Leichenschauhaus präpariert und offensichtlich nekrophile Neigungen hat.

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Unter den Damen der High Society Roms (u.A. Annabella Incontrera, Krista Nell und Nieves Navarro) macht sich langsam Panik breit, denn sie sehen sich alle als potentiell Bedrohte. Schließlich ist das bunte Umhersteigen in alle möglichen Betten (außer mit den jeweiligen Ehepartnern) akzeptierter Volkssport. Da die Ermittlungen jedoch auf der Stelle treten, greift Capuana schließlich zu einer List. Tatsächlich lockt diese den Täter aus der Reserve: Er meldet sich telefonisch und kündigt sein nächstes Opfer an. Capuana möchte seinen Ohren erst nicht trauen: Es soll seine eigene Frau Barbara (Sylva Koscina) sein. Dass auch diese ihm untreu ist, wusste er noch gar nicht!

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Kategorie „völlig schwachsinnige, aber letztlich nicht unpassende Titel“: schöne Frauen, hoher Nackanteil und viel (angedeuteter) Sex. Dabei schlägt jedoch die genretypische Doppelmoral in verstärkter Form und in gleich mehreren Belangen zu:

Erstens ist es natürlich, so urteilt der Film, nur „bestrafenswert“, wenn es verheiratete Frauen sind, die außerehelichen Sex haben. Deren Männer sind nicht direkt weniger diesbezüglich „aktiv“, aber bei denen ist das natürlich nur ein Kavaliersdelikt. Das sehen im Übrigen sogar größtenteils die betroffenen Frauen selbst so, die sich, mit dem moralisch motivierten Killer konfrontiert, passiv und einsichtig schlachten lassen.

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Zweitens wird zwar den ganzen Film hindurch der Mörder gesucht und auf das Gewaltmonopol des Staates gepocht, aber im der Schlussszene macht sich die positive Identifikationsfigur, der Inspektor, und damit auch der Film selbst, dessen Moral zu eigen: Die korrupte und hedonistische Welt der Schönen und Reichen sei verachtenswert und verdiene den Tod.

Was mit ironischem Blick betrachtet also absolut köstlich ist, denn gleichzeitig ergeht sich Schön, nackt und liebestoll natürlich selbst in offensichtlichstem Voyeurismus. Letztlich handelt es sich hierbei also um einen Selbstjustiz- und Rachethriller, wie er in Italien zu der Zeit ja durchaus nicht ungewöhnlich war, im Gewand eines Polizeifilms/Krimis. Einige Stilelemente des Giallos finden sich ebenfalls, jedoch aus reinem Selbstzweck und entkernt: Anders als beispielsweise bei Mario Bava oder Dario Argento werden hier solche Elemente nur eingesetzt, „weil es eben so muss“. Macht aber auch nichts, denn in jedem Genre muss es auch unterhaltsames Mittelmaß geben.

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