Wiegenlied für eine Leiche


Originaltitel:
Hush... Hush, Sweet Charlotte
Jahr:
1964
Eingetragen:
20.10.2011
IMDB-Wertung:
7,7/10

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Damit begann der Niedergang der Familie
1927: Charlottes (Bette Davis) Verehrer John Mayhew (Bruce Dern) kommt bei deren Vater (Victor Buono) nicht gut an, denn er ist bereits verheiratet mit Jewel (Mary Astor). John beendet die Affäre auf seinen Druck hin. Charlotte nimmt das nicht leicht und noch am gleichen Abend wird John mit einem Fleischerbeil ermordet. Charlotte ist die offensichtliche Verdächtige, aber ihr Vater lässt seinen gesamten politischen und gesellschaftlichen Einfluss spielen, so dass es zu keiner offiziellen Anklage kommt.

40 Jahre später lebt Charlotte allein in dem feudalen Anwesen. Große gesellschaftliche Ereignisse finden hier nicht mehr statt und von dem Heer an Bediensteten ist nur noch Teilzeithaushälterin Velma (Agnes Moorehead) übrig geblieben. Der nun lange zurückliegende Mordfall ist zur Legende unter den Kindern geworden und Charlotte gilt als „verrückte Alte“. Das Familienvermögen ist zwar noch vorhanden, doch der Staat plant auf dem Grundstück neue Straßen; die Baufahrzeuge (George Kennedy) rücken bereits an. Charlotte gibt noch die Widerspenstige.

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Alles zum Besten von Charlotte (?)
Ihre Cousine Miriam (Olivia de Havilland) und ihr letzter verbliebener Bekannter Dr. Drew Bayliss (Joseph Cotten) versuchen sie im Guten davon zu überzeugen, dass sie freiwillig gehen solle. Doch Charlotte hängt noch zu sehr ihrer Vergangenheit hinterher, kann sich von ihrem Elternhaus nicht trennen. Das geht sogar so weit, dass sie Wahnvorstellungen hat, wieder jung zu sein und auch John lebendig wiedertreffen zu können. Doch sind die Vorkommnisse, die sie langsam immer mehr in den Wahnsinn abgleiten lassen, wirklich nur Einbildungen? Die unzähligen Drohbriefe, die sie seit vielen Jahren erhält, sind auf jeden Fall sehr real. Wer steckt dann aber dahinter? Die geldgierige Velma? Oder doch die Jewel, die späte Rache nehmen möchte?

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Einbildung?
Ein „All Star“-Film, aber eben mit den Stars der vorigen Generation (im Fall von Mary Astor, die den Höhepunkt ihrer Karriere bereits zu Stummfilmzeiten hatte, könnte man wohl sogar schon von der vorletzten Generation sprechen): Sichtbar gealterte, aber trotzdem immer noch sehr bekannte Gesichter der 30er und 40er Jahre intrigieren hier gegeneinander, bis es schließlich zu weiteren Todesfällen kommt.

Doch selbst danach geht es in hohem Tempo wendungsreich weiter. Dies unterscheidet das Wiegenlied dann auch von den Thrillern und Horrorfilmen der 40er Jahre: Zwar ähneln sich Plot, Optik, Motivik und Charaktere, aber während solcherlei Filme damals noch deutlich zu den Billigproduktionen zählten, wird hier zumindest beim zeitlichen Umfang und eben mit bekannten Namen geklotzt. Wobei Ähnlichkeiten mit Was geschah wirklich mit Baby Jane? natürlich nicht ganz zufällig sind: Wieder geht es um die seelischen Wunden, die einfach nicht verheilen wollen, sondern nur seit Jahrzehnten unter den Teppich gekehrt werden und dort vor sich hin schwehlen...

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