Frauen bis zum Wahnsinn gequält


Originaltitel:
Le foto proibite di una signora per bene
Alternativtitel:
The Forbidden Photos of a Lady Above Suspicion
Jahr:
1970
Eingetragen:
20.11.2011
Bearbeitet:
17.05.2012
IMDB-Wertung:
6,3/10

Bis auf den Plural steckt hier wirklich drin, was draufsteht: Ein Unbekannter (Simón Andreu) überfällt eines Abends Minou (Dagmar Lassander). Er macht Andeutungen über Peter (Pier Paolo Capponi): Dieser sei ein Mörder und er könne es beweisen. Körperlich bleibt die völlig verschreckte Minou jedoch erstmal unversehrt. Kurz darauf liest sie in der Zeitung vom Tod eines Geschäftspartners Peters. Bei diesem hatte er Schulden und die Umstände, unter denen er ums Leben gekommen ist, waren mehr als mysteriös. Der Angreifer meldet sich telefonisch wieder, spielt ihr eine Tonaufnahme vor, auf der Peter bei der Planung des Mordes zu hören ist.

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Der Erpresser bedient sich neuester Technologie

Geschockt, ihrem Mann aber trotzdem treu ergeben, begibt Minou sich in die Hände des Erpressers. An Geld hat der jedoch kein Interesse – er will Minou, und zwar „Körper und Seele“. Minou tut, was er verlangt, vertraut sich jedoch ihrer besten Freundin Dominique (Nieves Navarro) an. Die rät ihr, es nochmal mit mehr Geld zu versuchen, doch es hilft alles nichts: Der Bösewicht enthüllt Minou nun, dass das Tonband eine Fälschung war, Peter also gar nichts auf dem Kerbholz hat, und sie sich „umsonst geopfert“ hat. Mit Fotos von ihr selbst geht die Erpessung jedoch weiter.

Einen Anhaltspunkt gibt es dann schließlich doch: Der Mann ist auf einem pornografischen Foto, das Dominique in Dänemark von sich selbst hat machen lassen, zu sehen. Oder doch nicht? Denn jenes Foto ist plötzlich nicht mehr auffindbar, Dominique kann sich nicht mehr an die Begebenheit erinnern, über das Foto gesprochen zu haben und als Minou sich schließlich doch Peter und damit der Polizei anvertraut, ist auch die Wohnung, in der sie meint, gequält und vergewaltigt worden zu sein, leer. Hat sie sich alles nur eingebildet, um die Aufmerksamkeit Peters, der allzu häufig geschäftlich unterwegs ist, zu bekommen?

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Das ist er!

Wer auf viel nackte Haut, Vergewaltigungs- oder Folterszenen hofft, wird bitterlich enttäuscht: Die Umsetzung der Geschichte ist trotz der einschlägig bekannten Darstellerinnen und des reißerischen Titels schon fast bizarr altmodisch! Insbesondere Minou ist wohl die am wenigsten emanzipierte Frauenfigur der gesamten 70er Jahre, die permanent und ausschließlich darüber nachdenkt, wie sie ihrem Ehemann (trotz seiner offensichtlichen Affären) besser gefallen könnte. Höhepunkt: Sie macht sich Sorgen, ihr Mann könne sie „nicht mehr lieben“, wäre sie vergewaltigt worden! Und ihre Freundin Dominique erzählt ihr später allen Ernstes, sie solle doch mal die positive Seite sehen: Vergewaltigt zu werden, bedeute doch schließlich, dass man „begehrenswert“ sei.

Stattdessen wird einem hier praktisch die italienische Version (inklusive zeitbedingter modischer Geschmacksverirrungen) von Mitternachtsspitzen vorgeführt: vernachlässigte Ehefrau, die viel zu wenig über ihre Mann und dessen Geschäfte weiß, ein Erpresser/drohender Ganove, dessen Existenz niemand verifizieren kann und Polizeibeamte, die das alles für Einbildung halten. Die einzige kleine Abweichung ist, dass das Gesicht des Bösewichts von Anfang an bekannt ist (die Identität dieser Person jedoch nicht). Deshalb werden stattdessen routiniert andere Charaktere insofern verdächtig gemacht, dass sie mit ihm unter einer Decke stecken könnten. Ob es nun Dominique, die zu allem Überfluss eine Affäre mit Peter hat, Peters Geschäftspartner oder jener selbst ist – sie alle bieten im Laufe der Handlung Verdachtsmomente. Dramaturgisch ein kaum erwähnenswerter Gratunterschied.

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Besonders ekelerregend für Minou: Sie muss sich eingestehen, dass die Vergewaltigungen ihr gefallen (sonst wäre es ja wohl kein italienischer Film)

Etwas schwach dagegen einige Charaktere, die aus handlungstechnischen Gründen manchmal sehr seltsam handeln müssen. Mit Dominique, die ihrer besten Freundin erstmal ohne besonderen Anlass stolz ihre hochillegalen Pornofotos (wir erinnern uns: 1970), die sie von sich selbst hat machen lassen, zeigt, geht es los. Den Tiefpunkt findet es mit dem zuständigen Polizeikomissar, der Minou und Peter nach dem ersten Angriff rät, einfach mal abzuwarten, ob das nochmal passiert – dann könne man ja vielleicht überlegen, etwas zu unternehmen.

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