Das Ding aus dem Sumpf


Originaltitel:
Swamp Thing
Jahr:
1990
Eingetragen:
04.12.2011
Bearbeitet:
08.01.2012
IMDB-Wertung:
6,4/10

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Die Hauptperson der ersten Folgen
Nach zwei jeweils auf ihre eigene Weise unangemessenen Spielfilmen, von denen zumindest der zweite auch noch finanziell relativ desaströs aufgenommen wurde, war das Interesse an der Comicserie Swamp Thing anscheinend immer noch groß genug, um direkt eine Fernsehserie anzuschließen. Zur allgemeinen Überraschung handelt es sich dabei nicht um eine Zeichentrickserie, sondern es dürfen wieder „echte“ Schauspieler in mehr oder weniger passenden Kostümen auftreten. Die gute Nachricht dabei: Das Swamp-Thing-Kostüm übertrifft die der beiden Filme um Längen – wirklich ansehnlich!

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Swamp Thing trifft auf einen bösen Doppelgänger
Ansonsten gibt es leider kaum noch etwas so eindeutig Positives zu vermelden, dafür aber umso mehr Ambivalentes und Zweifelhaftes. Alles dreht sich natürlich wieder um Dr. Alec Holland, der nach einem Laborunfall zu „Swamp Thing“ (Dick Durock), einem Pflanzenwesen humanoider Form, geworden ist. Swamp Thing lebt in den Sümpfen Louisianas, nahe einer Kleinstadt, in der „Tressa“ Kipp (Carrell Myers) und ihr kleiner Sohn Jim (Jesse Zeigler) leben. Jim läuft Swamp Thing über den Weg und die beiden freunden sich an.

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Arcane und Schneewittchen… ähm: Tatjana
Doch nicht alle Menschen sind so nett und freundlich. Eine große Rolle im Dorfleben spielt Dr. Anton Arcane (Mark Lindsay Chapman), ein typischer Früh-90er-Dressman mit schrecklicher Föhnfrisur und suspekt-britischem Akzent (in US-Produktionen immer ein Zeichen für Boshaftigkeit). Dieser hat immer wieder neue Pläne dafür, neue Mutanten zu erschaffen und auf die Welt loszulassen. Indirekt ist er auch für Alecs Verwandlung verantwortlich.

Soweit zur Grundsituation. Im Mittelpunkt steht erstmal Jim und entsprechend kindgerecht sind die Geschichten und Themen: Es geht darum, wie man Freunde gewinnen kann, dass man keine Vorurteile aufgrund jemandes Aussehens haben soll, was simple Menschlichkeit ausmacht usw. Manche Folgen kommen sogar völlig ohne nennswerte Handlung aus: 23 Minuten Nichtstun auf dem Bildschirm sind schon eine ziemliche Unverschämtheit!

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Arcane lässt seinen Charme bei Abigail spielen
Dann plötzlich das Unerwartete: Nach 12 Folgen wird Jim von Arcane an Kinderhändler verkauft und sein Tod vorgetäuscht. Eine mehr als seltsame Wendung in einer Serie, die sich bislang deutlich an Kinder richtete! Jim wird ersetzt durch seinen (vorher natürlich nie erwähnten) Halbbruder Will (Scott Garrison), so um die 20 Jahre alt. Ab Folge 14 ist Jim nicht nur nie mehr zu sehen, sondern wird auch nie mehr erwähnt: Selbst seine Mutter ist anscheinend sehr schnell über seinen Tod hinweggekommen. Darüber hinaus wird mit Abigail (Kari Wuhrer) eine weitere Hauptfigur eingeführt: Sie ist ein nicht näher spezifizierter „künstlich geschaffener“ Mensch und dient als Blickfang für Will (und die Zuschauer).

Generell werden die Geschichten damit gleichzeitig etwas düsterer und leicht gehaltvoller. Der aus den Comics bekannte General Sunderland (Jacob Witkin) wird als Verschwörungsfaktor hinter Arcane eingeführt. Arcane wiederum bekommt dadurch ein wenig Mad-Scientist-Motivation, dass seine Experimente bzgl. des ewig präsenten Unsterblichkeitsserums seine eigene Frau in ein Koma haben fallen lassen; immer wieder ist er an ihrem gläsernen Sarg zu sehen und schwört, sie irgendwann wiederzubeleben. Und während er anfangs noch aus einer unspezifizierten Höhle agierte, bekommt er jetzt einen hochtechnisierten Laborkomplex, was den Dualismus zwischen Swamp Thing – als Vertreter ungezügelter Natur – auf der einen Seite und Arcane – als kalter Wissenschaftler in seiner metallisch glänzenden Festung – viel besser hervorhebt.

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General Sunderland agiert aus dem Hintergrund
Soweit gar nicht mal so übel, aber die Qualität der einzelnen Geschichten ist immer noch sehr durchwachsen. Für die Comicfans: Sie sind in etwa vergleichbar mit den Heften, die ab 2004 erschienen – Swamp Thing ist ein sehr passiver Charakter, der eigentlich in Ruhe gelassen werden möchte und nie aus seinem Provinzmuff herauskommt. Auf Dauer ist das trotz ein paar weniger netter Ansätze nicht gerade aufregend. Dazu kommt, dass die meisten entscheidenden Szenen einfach überhaupt nicht gezeigt werden, sondern man sie immer wieder aus folgenden (wohl weniger aufwändig zu filmenden) erschließen soll (was sich mit dem im folgenden Absatz beschrieben Problem besonders schlecht macht). Und am Ende jeder Folge liefert Swamp Thing nun im besten/schlimmsten Stil des He-Man-Cartoons einen „Moralspruch“ – das rangiert zwischen tatsächlich ganz nachdenklichen (und somit angemessenen) Äußerungen und aber leider auch solchen Plattheiten wie „der Bedeutung von Geburtstagen“.

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Swamp Thing in Begrängnis
Überhaupt darf man nach Logik keinesfalls fragen. Das betrifft spezielle Fragen einzelner Folgen, wenn es einem beispielsweise ernsthaft als Problem verkauft wird, Jemandem mit einem Krankheitserreger Infiziertem nahekommen zu müssen, um ihm das Gegenmittel zu verabreichen – obwohl diese Person bei Bewusstsein, Verstand und normaler Kraft ist, also problemlos selbst an dem irgendwo abgestellten Einmachglas schnüffeln könnte. Andererseits geht es aber auch um globalere Fragen; so bleibt es ewig ungeklärt, wie Arcane eigentlich dauernd mit Explosionen, Schießereien und verschwundenen Personen davonkommt. Die Dorfpolizisten scheint er in der Tasche zu haben, aber bei solch gehäuften Fallzahlen müsste da ja wohl eigentlich mal eine übergeordnete Behörde eingreifen.

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Wieder mal einen von Arcanes Plänen durchkreuzt
Darüber hinaus leidet die Serie unter großen Konituitätsschwierigkeiten. Die vorliegende DVD-Sammlung behauptet von sich, die Folgen so zu sortieren, „wie sie gedacht waren“ (d.h. im Unterschied zur originalen Ausstrahlungsreihenfolge). Jedoch bringt diese Sortierung auch so einige Probleme mit sich: So wird die Vorgeschichte (und damit Einführung) der Hauptcharaktere erst ist Folge 12 gezeigt — vorher soll man wohl raten (oder sich auch extrinsisches Wissen aus den Filmen verlassen). Auch andere Charaktere werden ähnlich erst deutlich nach ihrem ersten Auftauchen überhaupt eingeführt. Andersrum tauchen jedoch in der TV-Reihenfolge dafür bereits tote Charaktere nochmal wieder auf (auch nicht ideal). Man muss wohl davon ausgehen, dass es eine wirklich sinnwährende Reihenfolge nicht gibt; die Fehler sind zu zahlreich und inhärent.

Ambivalenzen definieren also diese Serie: unklare Zielgruppe, wechselhafter erzählerischer Tonfall, sehr unterschiedliche schauspielerische Leistungen usw. usf. Empfehlen kann man das nicht, dazu spricht es einfach zu wenig für sich selbst und es gibt zu große Durststrecken zu überstehen. Aber, so sehr es auch weh tut das einzugestehen, im Vergleich zu den beiden Filmen ist es ein deutlicher Fortschritt.

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