Despair - Eine Reise ins Licht


Originaltitel:
Despair - Eine Reise ins Licht
Jahr:
1977
Eingetragen:
21.12.2011
Bearbeitet:
08.01.2012
IMDB-Wertung:
7,2/10

Rainer Werner Fassbinder versucht seinen internationalen Durchbruch: Hermann Hermann (Dirk Bogarde), ein russischer Immigrant im Deutschland zur Zeit der Wirtschaftskrise, war schon immer ein Opportunist. So verschließt er auch die Augen vor dem aufkommenden Nazismus. Immerhin geht es ihm finanziell gut: Er hat eine gutgehende Schokoladenfabrik geerbt; doch das Geschäft langweilt ihn. Seine oberflächliche Frau Lydia (Andréa Ferréol) hat mehr oder weniger ihren „Cousin“ (d.h. Liebhaber) Ardalion (Volker Spengler) bei sich einquartiert. Hermann gleitet immer mehr in Fantasiewelten ab, glaubt überall sein eigenes Gesicht zu sehen.

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Verblüffende Ähnlichkeit

So ganz besonders im Fall des Landstreichers Felix Weber (Klaus Löwitsch). Trotz praktisch nicht vorhandener Ähnlichkeit sieht Hermann in ihm fast schon seinen eineiigen Zwilling. So reift ein verrückter Plan in ihm heran: Er bietet Felix Geld, sein „Double“ zu spielen und erschießt ihn. So glaubt er, den perfekten Mord/Selbstmord begangen zu haben. Er müsse schließlich nun als tot gelten und könne neu anfangen. Doch ganz so dumm, einen Menschen nur an Kleidung und Pass zu identifizieren, ist die Polizei natürlich nicht…

Zuerst müsste man sich fragen: Wie kann Hermann, der einerseits davon erzählt, als bereits Erwachsener noch in Russland gelebt zu haben, andererseits eine Fabrik in Berlin von seinen Eltern geerbt haben?. Mit solchen Details hätte man Fassbinder jedoch wohl nicht kommen dürfen. Gefallen lassen müsste er sich jedoch Fragen, wieso er den unzuverlässigen Erzähler der Romanvorlage filmisch nicht umsetzt bzw. dies noch nicht einmal versucht. Dass zwischen Hermann und Felix keinerlei Ähnlichkeit besteht, sieht der Zuschauer sofort. Man bekommt noch nicht einmal subjektive Blicke auf Felix, der dann ja hätte von Bogarde gespielt werden können, durchs Hermanns Augen zu sehen. Noch effektvoller wäre es gewesen, da Felix ohnehin immer nur zu sehen ist, wenn er mit Hermann interagiert, wäre er durchgängig von Bogarde verkörpert worden und dann erst bei den Ermittlungen der Polizei Löwitsch die Rolle der Leiche übernommen hätte.

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Da ist wohl Jemand neidisch auf den Nachtportier

So wirkt die Inszenierung leider sehr „verkopft“ ohne die erzählerischen Mittel des optischen Mediums richtig zu nutzen und zu Vieles auf der rein impliziten Ebene stehenbleibt. Dazu gesellen sich auch die übrigen typischen Fassbinder-Krankheiten: leicht als solche erkennbare Laiendarsteller, die eben alles andere als „authentisch“ wirken (sondern eben wie Laiendarsteller, die verzweifelt versuchen, authentisch zu wirken), lange Phasen absoluter Ereignislosigkeit und Ödnis und teilweise eben auch Dialoge, die zu sehr um „anspruchsvolle Mehrdeutigkeit“ bemüht sind.

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