Der Fan


Originaltitel:
Der Fan
Jahr:
1982
Eingetragen:
23.12.2011
Bearbeitet:
10.02.2012
IMDB-Wertung:
5,9/10

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Umschwärmt von Fans
Teenager Simone (Désirée Nosbusch) ist eigentlich recht normal: Eltern und Schule sind ihr zuwieder. Sie schwärmt lieber von dem Popsänger „R“ (Bodo Staiger, Sänger der NDW-Gruppe Rheingold). Nur geht ihre Besessenheit noch etwas weiter als die ihrer Altersgenossinnen. Sie schreibt „R“ seitenlange Liebesbriefe und läuft täglich auf Antwort hoffend zur Post. Während sie einerseits von der Erwiderung ihrer Liebe träumt, sorgt ihre Unsicherheit jedoch auch für Alpträume, in denen ihre Briefe ungelesen von Rs Sekretärin (Simone Brahmann) ungelesen entsorgt oder dem Star sogar absichtlich (aus Eifersucht) vorenthalten werden. Oder vielleicht werden auch nur Rs zweifellos ebenfalls leidenschaftliche Antworten von ihrer eigenen Mutter (Helga Tölle) unterschlagen. Ihren Frust lässt sie an dem armen Briefträger (Klaus Münster) aus (den Grundsatz „don't shoot the messenger“ hat sie wohl nicht verinnerlicht). Soweit gar nicht mal so unrealistisch (ich sage nur: eigens eingerichtete Selbstmordhotline nach der Trennung Take Thats).

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In Ermangelung eines Teddybären: Kusstraining am Spiegel
So sieht Simone nur noch ein Mittel, Rs Aufmerksamkeit zu bekommen: Sie schlägt sich per Anhalter nach München durch, ihr Idol in einer Fernsehsendung auftreten soll. Schließlich laufen sich die beiden tatsächlich über den Weg. Simone bekommt kein Wort heraus und wird sogar ohnmächtig. Doch gerade dadurch passt sie in Rs „Beuteschema“: Er findet sie ganz lecker und vernascht sie gleich mal in seinem geheimen Liebesnest. Danach soll sie natürlich sofort abserviert werden – doch das lässt sie sich nicht gefallen und kehrt den Spieß um: Sie erschlägt R, zersägt seinen Körper mit Küchenutensilien, isst sein Fleisch, zerkleinert die übrigen Knochen und verstreut das Mehl vor dem Fernsehstudio.

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Asymmetrischer Sex zwischen Reichskriegsflaggen
Puh… bis vor knapp zehn Jahren war dieses Machwerk noch indiziert (und das war – auf Basis der Kriterien der Bundesprüfstelle – auch absolut nachvollziehbar). Allen verfügbaren Quellen nach drehte sich der Sturm der Entrüstung bei Veröffentlichung allerdings hauptsächlich darum, dass es einige Nacktszenen mit Nosbusch zu sehen gibt. Dass die Hauptperson sich nekrophilem Sex hingibt und zur Kannibalin wird, schien scheint keinen Hund hinterm Ofen hervorgelockt zu haben. Dass die Hauptdarstellerin, damals erst 17, jedoch nackt zu sehen ist – Katastrophe, ruft die Sittenpolizei! Undenkbar, es ist doch allgemein bekannt, dass 17-jährige absolut asexuelle Geschöpfe sind (was sich dann, wie ebenfalls landläufig bekannt, über Nacht am 18. Geburtstag ändert)!

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Simone leckt Blut
Doch ist Der Fan diese Aufregung überhaupt wert? Zuerst muss man mal feststellen: Es ist ein sehr langsamer Film. Bevor Simone „R“ überhaupt trifft, ist schonmal die Hälfte der Laufzeit vergangen. Gleichzeitig ist es ein ziemlich stummer Film: Gesprochen (abgesehen von Selbstgesprächen, d.h. aus dem Off erschallenden Tagebucheinträgen) wird sehr wenig – im letzten Drittel fast noch weniger als vorher – was man schonmal als bewusstes Stilmittel interpretieren könnte (Kommunikationslosigkeit). Stilistisch ist schließlich die ach-so-böse Sexszene durchaus interessant: Äußerst kühl, ausschließlich einseitig emotional, extremst distanziert und mechanisch. Insofern muss man sagen: Gar nicht mal so übel. Das einführende Füllmaterial hätte man jedoch interessanter inszenieren (die Szene, in der sich Simone extra „schick anzieht“ und schminkt, um einen Fernsehauftritt Rs zu verfolgen, geht da in ihrer Irrationalität schon in die richtige Richtung), und sich die plumpe Nazisymbolik im Gegenzug sparen können.

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