Schreie in der Nacht


Originaltitel:
Schreie in der Nacht
Jahr:
1969
Eingetragen:
31.12.2011
Bearbeitet:
08.01.2012
IMDB-Wertung:
6,8/10

Archibald Barrett (Giuliano Raffaelli), sein Anwalt Ben Taylor (Joachim Fuchsberger in einer ungewohnt unsympathischen Rolle, auch wenn ihn das Drehbuch am Ende immerhin noch als „relativ gesehen am sympathischsten“ Wegkommen lässt) und dessen Frau Vivian (Marianne Koch) verbindet ein düsteres Geheimnis: Vor ein paar Jahren hatten sie wegen eines Skandals aus London fliehen müssen. Nun sind sie zwar wieder zurück in England und leben von Barretts Geld zwar gut, aber unauffällig vor sich hin. Geheinsam mit Barretts junger Geliebter Margarete (Dominique Boschero) und Vivians Geliebtem Alfred (Claudio Camaso) bleiben sie mitten im Nirgendwo mit Motorschaden liegen.

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Das einzige Haus weit und breit ist ein Schloss, in dem ein gewisser Uriat (Luciano Pigozzi) mit seiner Mutter (Marianne Leibl) lebt. In einer Séance kommt langsam die Wahrheit heraus darüber, was damals passiert ist: Das Auftauchen der jungen und attraktiven Elisabeth (Helga Anders) hatte seinerzeit zu Eifersucht, Erpressung und schließlich Mord geführt – doch selbst einige der Beteiligten wussten noch gar nicht die volle Wahrheit. Und auch die Uriats sind in die Sache verwickelt gewesen, also gar nicht so uneigennützig und zufällig dabei…

Leider wird es in den zahlreichen Rückblenden etwas wirr. So werden auch einige Geschichten erzählt, die letztlich dann doch gar nichts mit der „eigentlichen Sache“ zu tun haben. Und es tauchen so viele Personen auf, dass man schnell den Überblick über die Rollen und Beziehungen verliert.

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Ausgeglichen werden soll das wohl dadurch, dass man die Ende der 60er Jahre gelockerten Zensurstandards bis auf letzte ausreizt: Nicht nur ist es integraler (impliziter) Bestandteil der Handlung, dass jeder mit jedem schläft (inklusive, man höre und staune, lesbischer Beziehungen), es wird auch in einigen Szenen nicht nur völlig offen geredet, sondern auch in einer Szene etwas nackte Haut gezeigt. Dabei werden diese Szenen, um es etwas aufregender zu machen, psychologisch unterfüttert mit Besessenheit, Abhängigkeit, Unterwerfung und Zwang. Natürlich jedoch in der üblichen Doppelmoral: Die älteren Herren bleiben zugeknöpft, die jungen Damen müssen für die optischen Reize sorgen.

Filmästhetisch befindet sich der Film dabei auf einem guten Niveau; insbesondere die visuelle Montage der Schlüsselszene – der Fuchsjagd der Männer auf der einen und der ersten „Begegnung“ der vernachlässigten Vivian und Elisabeths auf der anderen Seite – sowie einige originelle Aufnahmen, beispielweise bei dem großen Ball, den Regisseur Antonio Margheriti teilweise in verzerrenden Reflektionen zeigt, sind wirklich ganz sehenswert. Was allerdings ernsthaft gesehen nicht für eine Empfehlung reicht: Die letzte halbe Stunde allein hätte es auch getan und ist auch ohne die Szenen davor absurderweise sogar besser verständlich.

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