Die Kinder der Verdammten


Originaltitel:
Children of the Damned
Jahr:
1964
Eingetragen:
29.02.2012
Bearbeitet:
02.06.2012
IMDB-Wertung:
6,2/10

Das Dorf der Verdammten war so erfolgreich, dass ein Nachfolger her musste. Auf dem Papier, d.h. zwecks Marketing, nimmt Die Kinder der Verdammten diese Rolle ein. Viel weiter, als das wieder eine Gruppe telepatisch begabter Kinder auftaucht, geht die Ähnlichkeit jedoch nicht. Doch das ist auch gut so, denn wer bräuchte schon einen billigen Aufguss, der nochmal die gleiche Geschichte erzählt?

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Wirkt erstmal nicht so bedrohlich
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Hier wird es dann zumindest… fremd
Doch beginnen wir mit dieser einen Ähnlichkeit: Bei einem von der UNO organisierten, international standardisierten Test fallen genau sechs Kinder (Clive Powell, Frank Summerscale, Mahdu Mathen, Roberta Rex, Yoke-Moon Lee und Gerald Delsol) aus völlig unterschiedlichen Ländern auf – ihre Leistungen sprengen alle Rahmen und Messskalen. Das erregt die Aufmerksamkeit des Forscherduos Neville (Alan Badel) und Llewellyn (Ian Hendry), die genaueres herausfinden wollen. Tatsächlich haben alle sechs Kinder ein paar Gemeinsamkeiten: Keines hat einen Vater (eine Mutter behauptet sogar, immer noch Jungfrau zu sein) und sie alle scheinen die Fähigkeit zu besitzen, ihre (Pflege-)Eltern nach Belieben herumzukommandieren.

Nun sind auch die Regierungen der jeweiligen Staaten aufmerksam geworden und beautragen ihre Londoner Botschaften, „ihre“ Kinder jeweils von der Außenwelt abzuschotten. Während sich aber die Erwachsenen noch streiten, kommen die sechs Kinder zusammen (ihren Bewachern zu entfliehen, ist ihnen natürlich ein Leichtes) und verschanzen sich in einer verlassenen Kirche. Hier beginnen sie, eine Maschine mit unbekanntem Zweck zu bauen, während das Militär das Gebäude umstellt. Ein erster Versuch der Stürmung scheitert an den Kräften der Kinder. Währenddessen hat Professor Gruber (Martin Miller) das Blut eines der Kinder untersucht; das Ergebnis ist erstmal mehrdeutig: Entweder, es handelt sich um eine völlig neue Spezies, die nur menschlich aussieht, oder aber es sind Menschen, die eine Million Jahre weiterer Evolution hinter sich haben. Doch in jedem Fall: Zu welchem Zweck sind sie hier?

Trotz übernatürlich angehauchten vordergründigen Themas fällt Die Kinder der Verdammten weniger ins Horror- oder Science-Fiction-Genre, sondern vielmehr in den Bereich des politischen Gesellschaftsdramas. Die Weltsituation des Kalten Krieges wird im Londoner Mikrokosmos nachgestellt: Die Nationen misstrauen sich gegenseitig, sind immer auf den eigenen Vorteil bedacht, und das alles um jeden Preis. Die Szene, in der die Botschafter und Militärs erfahren, dass die Kinder telepatisch auch miteinander verbunden sind, also alles wissen, was einer von ihnen erfährt, und daraufhin plötzlich gar nicht mehr so dringend „ihr“ jeweiliges Kind in ihrer Botschaft haben möchten, spricht Bände.

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Die herrschende Ordnung weiß sich nicht anders zu helfen
Was die Kinder da bauen, interpretieren sie erstmal mangels eigenem technischen Verständnis als Waffe – die sich natürlich jede Seite selbst aneignen möchte. Währenddessen wird um die Kirche herum immer mehr „aufgerüstet“: Panzer rollen an, Maschinengewehre werden aufgestellt, Sprengladungen im Untergrund angebracht. Schließlich könne man, selbst wenn diese Kinder keine explizit feindlichen Ziele verfolgten, nicht mit ihnen leben: Wenn sich die „alten“ und „neuen“ Menschen über Generationen vermischten, wer würde dann wohl übrig bleiben? Was wohl genau der damaligen Argumentation entspricht, warum man nicht mit „den Kommunisten“/„den Kapitalisten“ einfach so zusammenleben könnte trotz „anderssein“.

So schaukelt sich die Sache immer mehr hoch, bis schließlich ein verzweifelter letzter Vermittlungsversuch dann doch noch den Erfolg zu bringen scheint. Doch es ist bereits zu spät: Versehentlich wird das Signal zum Angriff ausgelöst und das Töten und Zerstören, das einmal in Gang gesetzt nicht mehr zu stoppen ist, beginnt. Der militärische Aufrüstungsapparat hat sich verselbstständigt und ist nicht mehr beherrschbar. Man lese im vorigen Absatz einfach gedanklich noch „Atomwaffen“ (vielleicht an Stelle des Dynamits) und schon passt das Bild. Sehr düster, sehr gelungen – man darf nur eben kein zweites Dorf der Verdammten erwarten.

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