Night Train - Der letzte Zug in die Nacht


Originaltitel:
L'Ultimo Treno della Notte
Alternativtitel:
Mädchen in den Krallen teuflischer Bestien / Night Train Murders
Jahr:
1975
Eingetragen:
08.03.2012
Bearbeitet:
17.05.2012
IMDB-Wertung:
6,2/10

Weihnachtszeit: Die Studentinnen Margarete Hoffenbach (Irene Miracle) und Lisa Stradi (Laura D'Angelo) wollen über die Feiertage Lisas Eltern (Enrico Maria Salerno und Marina Berti) besuchen. Dazu steigen sie in München in einen Zug Richtung Süden. Auch zwei Kleingauner (Flavio Bucci und Gianfranco De Grassi) sind an Bord. Wegen derer fehlender Fahrkarte lassen sich die beiden Mädchen noch hilfsbereit auf einen Trick ein. Als einer der beiden jedoch bei einem Zusammenstoß mit einem Grenzpolizisten ein Messer zückt und deshalb der gesamte Zug durchforstet werden muss (stundenlange Verspätung…), hoffen die beiden eigentlich nur noch auf eine ereignislose und schnelle Weiterfahrt.

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Abschied in München

Doch genau das Gegenteil ist der Fall: Die beiden Burschen sind immer noch im Zug; sie haben sich mittlerweile mit einer besonders sadistisch veranlagten anderen Passagierin (Macha Méril) zusammengetan und entern natürlich ausgerechnet das abgelegene Abteil der beiden Freundinnen. Es beginnen schnell die Zudringlichkeiten: Sie werden gezwungen, bei Sexspielchen zuzugucken und schließlich natürlich (?) auch selbst mit einbezogen; Margarete muss sogar noch eine Vergewaltigung durch einen weiteren zufällig vorbeikommenden Passagier (Franco Fabrizi) über sich ergehen lassen. Noch schlimmer trifft es jedoch Lisa: Als herauskommt, dass sie noch Jungfrau ist, beenden die Bösewichte diesen Zustand… mit einem Messer!

Margarete unternimmt schließlich einen Fluchtversuch, doch ihr verzweifelter Versuch, sich außen am Zug entlangzuhangeln endet mit einem tödlichen Sturz. Lisas verblutete Leiche werfen die Täter ebenfalls über Bord. Mit den Fahrkarten der beiden können sie nun gegenüber dem Schaffner als reguläre Fahrgäste auftreten und steigen in Lisas Heimatort aus.

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Heutzutage passt kaum eine Person in einen Waschraum!

Dort warten Lisas Eltern natürlich vergeblich auf die beiden Mädchen. Noch glauben sie an eine Verspätung, einen verpassten Anschlusszug (das Zeitalter vor Mobiltelefonen…). Als Arzt fühlt sich Dr. Stradi gleich verpflichtet, die Kniewunde der Mörderin seiner Tochter zu nähen und zu versorgen. Aufgrund des Feiertages geschieht das bei den Stradis zu Hause. Seine Frau fährt währenddessen eine Mahlzeit für die Mörder auf – immer noch unwissend, wer diese Leute sind. Doch wie das Schicksal so spielt: Nicht nur die Leichen Lisas und Margaretes werden gefunden, sondern auch der andere zumindest an der Vergewaltigung beteiligte Fahrgast hat sich anonym bei der Polizei gemeldet und eine Beschreibung der Täter abgegeben. Diese wird per Radio verbreitet und die Stradis durchschauen natürlich sofort alles – blutige Rache folgt.

Der letzte Zug in der Nacht folgt dem kurzlebigen 70er-Jahre-Trend der Vergewaltigungs- und Rachegeschichten Alles in Allem im vorhersehbarem Rahmen. Trotzdem gibt es inhaltliche und auch stilistische Merkmale, die beim genaueren Ansehen durchaus auffallen.

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Der Horror

Handlungstechnisch ist das der Einbau zweier seltsamer/ambivalenter Figuren: Sehr unklar (trotz ausführlicher Szenen) bleibt die Frau, die erst „den Verfall der gesellschaftlich-moralischen Werte“ predigt, die eigentlich das erste Vergewaltigungsopfer der beiden Männer werden soll, der das jedoch so sehr gefällt (italienisches Kino der 70er…), dass sie sich den beiden nicht nur anschließt, sondern langsam aber sicher die beiden als Werkzeuge zu ihrer eigenen Unterhaltung benutzt. Zweitens ist es der ältere Passagier, der erst eine offensichtliche Prostituierte im gleichen Zug verschmäht, bei einem ihm auf dem Silbertablett servierten, unfreiwilligen Vergewaltigungsopfer jedoch nicht nein sagt – dann aber nachher in einem Fall akuter Doppelmoral der Polizei einen anonymen Tipp gibt (ohne jedoch für seine eigene Tat Reuhe zu zeigen).

Filmtechnisch sind es gerade die Gewaltszenen: Die Vergewaltigungen kommen ohne ernsthafte Nacktszenen aus; stattdessen transportieren die Bilder neben der Brutalität eher eine große Jämmerlichkeit. Die Wirkung wird dadurch noch verstärkt, dass immer wieder Szenen von Lisas Eltern bei einer Party, im Clinch wegen (verhältnismäßigen) Nichtigkeiten usw. zwischengeschnitten werden. Der Kontrast der mehr oder weniger alltäglichen Probleme der Eltern mit der Situation, in der sich ihre Tochter befindet, lässt erstere besonders klein und nichtig erscheinen. Letztlich ist das – bei aller Plakativität des Themas – Suspense im Hitchcock'schen Sinne: Die Zuschauer haben mehr Informationen, als die Figuren; man möchte ihnen gerne etwas zurufen. Doch wie? Und vorher wird in quälender Langsamkeit dieser explizite Gewaltausbruch in albtraumhaften Szenen psychologischer Folter passend vorbereitet – was fast schwieriger anzusehen ist, als das, was folgt.

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Gastgeber für die Mörder der eigenen Tochter

Also ein Genrefilm, dem man so einige positive Seiten abgewinnen kann. Das muss erstmal Jemand nachmachen! Den Rachekram im letzten Drittel hätte man sich dagegen getrost sparen können: Nicht nur inhaltlich ist das langweilig, sondern auch völlig unspiriert abgedreht. Gehört zwar irgendwie zum Programm, aber wieso eigentlich?

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