La Orca - Gefangen, geschändet, erniedrigt


Originaltitel:
La Orca
Jahr:
1976
Eingetragen:
12.03.2012
IMDB-Wertung:
6,1/10

Alice (Rena Niehaus), Tochter reicher Eltern, wird direkt von ihrer Schule weg entführt. Auf dem abgelegenen und verlassenen Bauernhof, auf dem sie eingesperrt wird, wird sie primär von Michele (Michele Placido) bewacht. Die anderen beiden Täter (Flavio Bucci und Bruno Corazzari) sorgen für die Nahrungsmittelversorgung und den Kontakt mit den Auftraggebern der Entführung.

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Eigentlich soll alles schnell über die Bühne gehen, doch die Lösegeldzahlung lässt auf sich warten. So werden die drei Männer immer nervöser und da die Polizei auch nicht völlig untätig ist, wird einer nach dem anderen geschnappt. Michele weiß noch gar nicht, dass er als einziger übrig geblieben ist. Alice, mit der er sich in einem Anfall des umgedrehten Stockholm-Syndroms langsam angefreundet hat, versucht ihn zu überreden, sie freizulassen oder sogar gemeinsam mit ihr abzuhauen…

Was handlungstechnisch erstmal wie reine „Exploitation“ wirkt (natürlich gibt es zahlreiche Toiletten- und Badeszenen sowie mehrmaliges Begrapschen der Gefangenen, während sie schläft – von letzteren kann man die zweite Szene eigentlich nur als explizit pornographisch bezeichnen), beinhaltet dann schließlich doch einige relevante Themen. Im Zentrum steht natürlich die Dynamik zwischen der selbstbewussten „Tochter aus gutem Hause“ und dem „einfachen Fischerssohn“: Gerade durch die völlig unterschiedlichen Hintergründe entsteht zwischen den beiden eine (positive) Spannung. In der „normalen“ Welt hätten sie sich niemals kennengelernt, in dieser Zwangssituation (für beide) erkennen sie plötzlich die Anziehung des Fremden. Das manifestiert sich beispielsweise in dem seltsamen Traum Micheles, in der eben jene Lebenswelten symbolisch Eingang finden und Alice plötzlich zu einer bizarren Madonnenfigur mutiert.

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Kitsch wird dabei letztlich nicht nur vermieden, sondern in der Endszene explizit verneint: Während Michele sich immer mehr in die scheinbar aufblühende Liebe verfangen hat, hat Alice bei aller persönlichen Experimentierfreude den inneren Abstand gewahrt. Sogar noch mehr: Nach ihrer Befreiung könnte Michele ihrem gesellschaftlichen Stand selbst noch aus dem Gefängnis gefährlich werden. Das kann sie natürlich nicht zulassen und so endet alles damit, dass die „arme“ Alice plakativ weinend am starken Arm des zuständigen Polizisten aus ihrem Gefängnis geführt wird, während der „böse“ Michele unter Aufsicht, aber ohne Anstalten, ihm zu helfen, auf dem kalten Betonboden verblutet. Folgerichtig, wenn man in den vorigen 90 Minuten auch über die Nacktszenen hinaus aufgepasst hat.

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