Foltergarten der Sinnlichkeit 2


Originaltitel:
Baba Yaga
Jahr:
1973
Eingetragen:
12.03.2012
IMDB-Wertung:
5,8/10

Fangen wir mal mit der eklatantesten Verfehlung des gesamten Films an: seinem (deutschen) Titel. Foltergarten der Sinnlichkeit ist ein für die Emanuelle-Reihe sehr ungewöhnlicher und sehr blutiger Rachethriller, mit dem dieser „zweite Teil“ rein gar nichts zu tun hat. Wieso kann man das so sicher sagen? Da der „erste Teil“ erst zwei Jahre später gedreht wurde! Ein neuer Tiefpunkt des Schwachsinns ist somit erreicht.

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Nachdem nun klar ist, womit Baba Yaga nichts zu tun hat, stellt sich natürlich die gegenteilige Frage: Was ist es überhaupt? Wenn man schon bei Vergleichen ist, dann könnte man am Ehesten Blut an den Lippen heranziehen: In beiden Filmen geht es um schlummernde, gewalttätige Sexualität, in beiden Filmen geraten junge Frauen in den Bann eventuell untoter oder mystischer Damen mittleren Alters, während die Männerwelt funktions-, rat- und verständnislos danebensteht.

Im Speziellen dreht es sich um die Fotografin Valentina (Isabelle De Funès), die eines abends fast von einer Limousine überfahren wird. Am Steuer sitzt eine elegante Dame (Carroll Baker), die sich als „Baba Yaga“ (wie aus dem russischen Märchen) vorstellt. Diese besucht im Folgenden Valentina, lädt sie im Gegenzug zu sich ein, macht ihr Geschenke – sie lässt nicht locker. Nach anfänglicher Distanz sieht Valentina schließlich die Chance, Baba Yagas für Villa spezielle Modeaufnahmen zu nutzen. Valentinas Verehrer Arno (George Eastman) gefällt das alles weniger: Sie solle sich lieber von der „alten Lesbe“ fernhalten.

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Valentina wird währenddessen immer mehr von bizarren Albträumen heimgesucht. Mehrere Modelle (Angela Covello), die sie ablichtet, fallen bei den „Shootings“ tot oder zumindest beinahe tot um. Auf ihrer Kamera tauchen Bilder von sadomasochistischen Sexpraktiken auf, deren Herkunft sie sich nicht erklären kann. Die Puppe, die Baba Yaga ihr geschenkt hat, scheint zum Leben zu erwachen (Ely Galleani). Valentina beginnt an ihrem Verstand zu zweifeln – da kommt ein weiterer Anruf von Baba Yaga, die sie im Befehlston sofort zu sich bestellt…

Die explizite Handlung ist also weniger wichtig, als vielmehr die impliziten Themen: Kontrolle, verkörpert durch den steigenden Einfluss Baba Yagas auf Valentina (reziprok: Hingabe); Voyeurismus verkörpert durch die allgegenwärtigen Kameras und Fotoapparate; mythologische Motive wie das stehlen/töten der Seele durch Einfangen in ebensolche Apparate. Dazu kommen die zwar etwas plakativen, aber insofern interessanten Träume, dass sich Valentinas sich verschiebende Perspektive in ihnen wiederspiegelt: Ist sie anfangs noch in der reinen Opferrolle, die sich für Nazis ausziehen muss, gehört sie nachher selbst zum Erschießungskommando, das die Befehle der Königin Baba Yaga ausführt.

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Rein dem verstörenden Effekt dienen dagegen Stilmittel wie das angeblich bodenlose Loch in der Villa und getragen wird das ganze durch gute schauspielerische Leistungen. Vor allen anderen ist dabei Carroll Baker zu nennen, die mit ihren graziösen Bewegungen und ihrer verträumten Intonation sowohl die verführerischen, als auch die geisterhaften Züge der Figur bestens verinnerlicht – doch auch die dominanten Züge nimmt man ihr gegen Ende absolut ab. Sie hält damit einen Film zusammen, der leicht zum völlig wirren Stückwerk hätte werden können. Sehr empfehlenswert!

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