Der Killer von Wien


Originaltitel:
Lo strano vizio della Signora Wardh
Alternativtitel:
The Strange Vice of Mrs. Wardh
Jahr:
1971
Eingetragen:
26.03.2012
Bearbeitet:
06.10.2012
IMDB-Wertung:
7/10

Als frischverheiratete Gattin des älteren Geschäftsmanns Neil (Alberto de Mendoza) kehrt Julie Wardh (Edwige Fenech) nach Wien zurück. Nun, da die Hochzeitsreise vorbei ist, widmet sich Neil jedoch wieder ganz seinen Geschäften, so dass sie sich schnell vernachlässigt fühlt. Aufmerksamkeit bekommt sie dafür von anderer Seite; manche erwünscht, manche weniger. So lernt sie auf der Party ihrer Freundin Carol (Conchita Airoldi) deren Cousin George (George Hilton) kennen (der sofort sehr offen und offensiv zu baggern anfängt). Auch Jean (Ivan Rassimov), Julies alte Sado-Maso-Flamme, von der sie eigentlich durch die Heirat mit dem bodenständigen Simon los kommen wollte, meldet sich wieder per entlarvender Blumenbotschaft.

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Auf Glasscherben gebettet, Kleid zerrissen – die Erinnerung an Jean ist ambivalent
Wegen Julies sich schnell entwickelnder Affäre mit George meldet sich schon bald telefonisch ein Erpresser, der 20000 Schilling fordert. Carol, überzeugt davon, dass dieser Anruf nur von Jean stammen könne, bietet an, selbst zum Übergabeort zu gehen, um dem Möchtegernerpresser ins Gesicht zu lachen. Doch sie hat sich verschätzt: Stattdessen taucht der mit einem Rasiermesser bewaffnete Frauenmörder auf, der bereits seit einigen Wochen die Stadt unsicher macht! Jean hat für diese Tat ein wasserdichtes Alibi (genießt jedoch augenscheinlich die Aufmerksamkeit). Nachdem sie auch selbst im Parkhaus angegriffen wurde und immer stärker unter Albträumen leidet, entschließt sich Julie schließlich, Simon zu verlassen und mit George wegzugehen. Im Urlaub in Spanien erreicht die beiden die Nachricht, dass der Mörder von seinem geplanten nächsten Opfer (Marella Corbi) in Notwehr erstochen wurde. Doch die Erleichterung währt nur kurz: Weiterhin erreichen Julie die bekannten Rosensträuße mit begleitenden Karten…

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Geldübergabe an einsamem Ort
Zur Abwechslung geht es hier mal nicht um irgendein plakatives Kindheitstrauma, sondern ganz klassisch um Habgier und einen vertrackten und verwobenen Plan, den es gilt zu verhindern/ihn aufzuklären. Trotz der eingesetzten filmischen Stilelemente fällt Der Killer von Wien inhaltlich somit sogar eher in das klassische deutsche oder britische Krimigenre (mit einen gehörigen Schuss Patricia Highsmith). Was einem aber natürlich erst gegen Ende wirklich klar wird.

Die Lösung und die dazugehörige Personenkonstellation sind dabei so komplex, die rückwirkende Re-Interpretation des vorher Gesehenen so umfangreich, dass man schon mherere Minuten und eventuell auch mehrere „Sehanläufe“ für diese finalen erklärenden Szenen braucht, um wirklich zu durchblicken, was da die ganze Zeit abgelaufen sein soll. Dabei hilft auch nicht, dass zwei sehr verdächtige Charaktere sich mehr als ähnlich sehen und ein zur Lösung essentielles Puzzlestück dem Zuschauer schlicht und einfach, bis es am Ende in einem Nebensatz beiläufig erwähnt wird, vorenthalten wird. Das ist zwar nicht fair, aber anders hätte die Geschichte nicht funktioniert.

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Abrechnung!
Jedoch ist die Krimihandlung natürlich nur eine Erzählebene. Daneben geht es um das im Originaltitel angesprochene „Laster“: Julie stellt fest, dass ihr langweiliger Ehemann, so nett und freundlich er auch sein mag, sie auch nicht von ihren Vorlieben „heilen“ kann. So stürzt sie sich in eine Affäre mit George, der interessanterweise Jean gar nicht mal so unähnlich ist. Anders als jener verprügelt er Julie zwar nicht physisch, aber vom bestimmenden Wesen her, wie er immer wieder Julies explizite Bitten zugunsten seiner eigenen Wünsche ignoriert, bestehen da durchaus mehr Parallelen, als sich Julie selbst wahrscheinlich klarmacht. Es stellt sich insofern die Frage, ob George nicht eine Art „Kompromiss“ zwischen Neil (der streng genommen der einzige Mann in der Handlung ist, der Julie nicht nach Belieben herumkommandiert) und Jean ist – und ob das für Julie, die ja eigentlich von genau diesem Leben wegkommen möchte, wirklich die richtige „Therapie“ ist.

Also insofern: klassisch spannend und stilistisch frisch – die Kombination gefällt!

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