Central City ist ein Hort des organisierten Verbrechens. Oberboss „Octopus“ (
Samuel L. Jackson) ist auf der Suche nach dem Blut Herakles', das ihn unsterblich machen soll. Dieses befindet sich in einer Truhe auf dem Grund eines Sees. Direkt daneben liegt jedoch eine andere, exakt gleich aussehende Truhe, in der sich Jasons („amerikanisch“ ausgesprochen) goldenes Vlies befindet (so ein Zufall!). Auf jenes ist Juwelendiebin Sand Saref (
Eva Mendes) scharf. Natürlich werden die Truhen verwechselt und ein Austausch zwischen hochkarätigen Gangstern ist natürlich nicht so trivial.
Man sollte meinen, dass all das gar nicht illegal ist (was irgendwo rumliegt, gehört wohl kaum Jemandem…), aber trotzdem geraten die beiden dadurch ins Visier des Polizeichefs Dolan (
Dan Lauria) und seinem anonymen Helfer „The Spirit“ (
Gabriel Macht). Und so folgen zahlreiche zusammenhanglose Szenen, in denen Spirit sich abwechselnd mit Octopus oder seinen von Silken Floss (
Scarlett Johansson) geklonten Helfershelfern (
Louis Lombardi) prügelt oder mit irgendeiner gutaussehenden Frau „flirtet“ (
Jaime King,
Sarah Paulson,
Meeghan Holaway,
Paz Vega uva.).
Erstere Szenen sind an Albernheit kaum zu überbieten. In gleich der ersten schlagen beispielsweise Spirit und Octopus mit Toiletten aufeinander ein! Aus nicht weiter ausgeführten und handlungstechnisch nicht relevanten Gründen haben sie beide Superkräfte, die ihre Wunden praktisch sofort heilen lassen. Das hat irgendetwas mit den wissenschaftlichen Experimenten des Octopus zu tun und vielleicht spielt auch der personifizierte Tod (
Jaime King), der Spirit immer wieder zu „verführen“ versucht, irgendeine Rolle. Unklar, aber eben auch irrelevant.
Marginal besser gelungen sind die Frauenrollen, die ganz im Sinne der Vorlage entweder Spirit zu Füßen liegen oder in die Kategorie „Femme Fatale“ fallen. Was dann allerdings Anlass für
drei „perfect ass“-Scherze innerhalb
einer einzigen Minute ist. Und zu einer der plumpesten Rückblende der Filmgeschichte führt, in der die Darstellerin der jungen Sand Saref (
Seychelle Gabriel) dermaßen schrecklich agiert, dass das – so unglaublich es klingt – selbst Eva Mendes im direkten Vergleich wie eine gute Schauspielerin aussehen lässt!
Dazwischen muss man dann „verbindende“ Szenen ertragen, in denen Spirit meist ohne klares Ziel über Dächer rennt, schmerzhaft peinliche Monologe darüber hält, wie „seine Stadt“ zu ihm spreche usw. Kurzer Schnitt zu einer Katze (?) und dann noch mehr Herumgerenne auf Dächern.
Was hat das alles mit
Will Eisners „The Spirit“ zu tun? Überhaupt nichts! Es wirkt vielmehr so, als habe Neuregisseur
Frank Miller gar nicht Spirit, sondern
The Question verfilmen wollen. Das hätte das Herumlungern auf Dächern und die pseudophilosophischen inneren Monologe über die eingebildete oder echte Kommunikation mit „der Stadt“ erklärt. Allerdings wäre es immer noch eine sehr, sehr schlechte Verfilmung.
Da hilft es auch nichts, den Rotkanal aus den Bildern zu nehmen (das macht ohnehin heutzutage jeder zweite Film, der besonders „cool“ aussehen will) und einige Szenen dann silhouettenhaft zu überzeichnen. Letzteres mag manchmal ganz nett aussehen, aber es erfüllt eben
überhaupt keinen erzählerischen Sinn. Genau wie man aus Millers Historie erwarten konnte, zelebriert der gesamte Film den Grundsatz „Form über Inhalt“. Erzählerisch befindet er sich auf dem niedrigst vorstellbaren Niveau. Miller hat kein Gefühl für Charaktere, Beziehungen oder Spannung – all das bleibt völlig platt, so sehr er es uns mit dem Holzhammer zu vermitteln versucht. Doch das funktioniert eben nicht, wenn man beispielsweise den Zuschauern nur
sagt, dass zwischen der gesichtslosen Person A und der ebenso gesichtslosen Person B eine Beziehung besteht, und nicht
zeigt. Selbst der gescheiterte und extremst billige Fernsehfilm aus den 80ern ist dem – trotz all seiner mehr als offensichtlichen eigenen Verfehlungen – um Welten voraus! Schon alleine, weil dort niemand auf Dächern herumläuft.