The Spirit


Originaltitel:
The Spirit
Jahr:
2008
Eingetragen:
30.04.2012
Bearbeitet:
09.06.2012
IMDB-Wertung:
4,8/10

Central City ist ein Hort des organisierten Verbrechens. Oberboss „Octopus“ (Samuel L. Jackson) ist auf der Suche nach dem Blut Herakles', das ihn unsterblich machen soll. Dieses befindet sich in einer Truhe auf dem Grund eines Sees. Direkt daneben liegt jedoch eine andere, exakt gleich aussehende Truhe, in der sich Jasons („amerikanisch“ ausgesprochen) goldenes Vlies befindet (so ein Zufall!). Auf jenes ist Juwelendiebin Sand Saref (Eva Mendes) scharf. Natürlich werden die Truhen verwechselt und ein Austausch zwischen hochkarätigen Gangstern ist natürlich nicht so trivial.

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Unterwegs auf einem Dach… (Standbild zum Glück ohne begleitenden Ton)

Man sollte meinen, dass all das gar nicht illegal ist (was irgendwo rumliegt, gehört wohl kaum Jemandem…), aber trotzdem geraten die beiden dadurch ins Visier des Polizeichefs Dolan (Dan Lauria) und seinem anonymen Helfer „The Spirit“ (Gabriel Macht). Und so folgen zahlreiche zusammenhanglose Szenen, in denen Spirit sich abwechselnd mit Octopus oder seinen von Silken Floss (Scarlett Johansson) geklonten Helfershelfern (Louis Lombardi) prügelt oder mit irgendeiner gutaussehenden Frau „flirtet“ (Jaime King, Sarah Paulson, Meeghan Holaway, Paz Vega uva.).

Erstere Szenen sind an Albernheit kaum zu überbieten. In gleich der ersten schlagen beispielsweise Spirit und Octopus mit Toiletten aufeinander ein! Aus nicht weiter ausgeführten und handlungstechnisch nicht relevanten Gründen haben sie beide Superkräfte, die ihre Wunden praktisch sofort heilen lassen. Das hat irgendetwas mit den wissenschaftlichen Experimenten des Octopus zu tun und vielleicht spielt auch der personifizierte Tod (Jaime King), der Spirit immer wieder zu „verführen“ versucht, irgendeine Rolle. Unklar, aber eben auch irrelevant.

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Octopus, von dem man im Comic nie mehr als einen Handschuh sieht, ist ein schwarzer Nazi (?)

Marginal besser gelungen sind die Frauenrollen, die ganz im Sinne der Vorlage entweder Spirit zu Füßen liegen oder in die Kategorie „Femme Fatale“ fallen. Was dann allerdings Anlass für drei „perfect ass“-Scherze innerhalb einer einzigen Minute ist. Und zu einer der plumpesten Rückblende der Filmgeschichte führt, in der die Darstellerin der jungen Sand Saref (Seychelle Gabriel) dermaßen schrecklich agiert, dass das – so unglaublich es klingt – selbst Eva Mendes im direkten Vergleich wie eine gute Schauspielerin aussehen lässt!

Dazwischen muss man dann „verbindende“ Szenen ertragen, in denen Spirit meist ohne klares Ziel über Dächer rennt, schmerzhaft peinliche Monologe darüber hält, wie „seine Stadt“ zu ihm spreche usw. Kurzer Schnitt zu einer Katze (?) und dann noch mehr Herumgerenne auf Dächern.

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Sand Saref liebt Juwelen (das hätte wohl eigentlich P'Gell sein sollen)

Was hat das alles mit Will Eisners „The Spirit“ zu tun? Überhaupt nichts! Es wirkt vielmehr so, als habe Neuregisseur Frank Miller gar nicht Spirit, sondern The Question verfilmen wollen. Das hätte das Herumlungern auf Dächern und die pseudophilosophischen inneren Monologe über die eingebildete oder echte Kommunikation mit „der Stadt“ erklärt. Allerdings wäre es immer noch eine sehr, sehr schlechte Verfilmung.

Da hilft es auch nichts, den Rotkanal aus den Bildern zu nehmen (das macht ohnehin heutzutage jeder zweite Film, der besonders „cool“ aussehen will) und einige Szenen dann silhouettenhaft zu überzeichnen. Letzteres mag manchmal ganz nett aussehen, aber es erfüllt eben überhaupt keinen erzählerischen Sinn. Genau wie man aus Millers Historie erwarten konnte, zelebriert der gesamte Film den Grundsatz „Form über Inhalt“. Erzählerisch befindet er sich auf dem niedrigst vorstellbaren Niveau. Miller hat kein Gefühl für Charaktere, Beziehungen oder Spannung – all das bleibt völlig platt, so sehr er es uns mit dem Holzhammer zu vermitteln versucht. Doch das funktioniert eben nicht, wenn man beispielsweise den Zuschauern nur sagt, dass zwischen der gesichtslosen Person A und der ebenso gesichtslosen Person B eine Beziehung besteht, und nicht zeigt. Selbst der gescheiterte und extremst billige Fernsehfilm aus den 80ern ist dem – trotz all seiner mehr als offensichtlichen eigenen Verfehlungen – um Welten voraus! Schon alleine, weil dort niemand auf Dächern herumläuft.

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