Zardoz


Originaltitel:
Zardoz
Alternativtitel:
Ultramann
Jahr:
1974
Eingetragen:
01.05.2012
IMDB-Wertung:
5,9/10

Zardoz ist ein Gott. Zumindest glaubt das das barbarische Volk Zeds (Sean Connery), das auf Befehl eben jenes Zardoz auf die Jagd nach anderen Menschen geht, sie umbringt oder versklavt. Zardoz kommt in Form eines riesigen fliegenden Steinkopfes einmal im Monat vorbei, um die Ernte abzugreifen und im Gegenzug neue Waffen zu liefern.

Zed schleicht sich an Bord und findet sich nach der Landung in einer ihm völlig fremden Welt wieder: Das „Vortex“ ist bevölkert von hochentwickelten, gebildeten, friedlichen Menschen. Sie sind dank einer Erfindung, dem „Tabernakel“ unsterblich und darüber hinaus telepatisch veranlagt. Das Eindringen des „Wilden“ in ihre scheinbar perfekte Welt löst einige Konflikte aus: Consuella (Charlotte Rampling) plädiert dafür, ihn sofort zu vernichten, bevor er Schaden anrichten kann. Schließlich setzen sich jedoch die Wissenschaftlerin May (Sara Kestelman) und ihr Vertrauter Friend (John Alderton) durch, die Zed „studieren“ wollen. Was jedoch noch keiner ahnt: Zed ist lange nicht so hilflos gegenüber den mentalen Kräften der hiesigen Menschen wie erhofft…

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Zardoz!

Eine Zukunftsvision, die praktisch die Gegenthese zu Wells Was kommen wird darstellt: Die menschliche Elite, d.h. die Wissenschaftler, haben sich vom Rest der Menschheit isoliert und ihre eigene Gesellschaft rein auf den Gesetzen der Logik und völliger Gleichheit aufgebaut. Doch all der Luxus und insbesondere die praktische Unsterblichkeit hat nicht zu utopischen Zuständen, sondern Beliebigkeit und Belanglosigkeit geführt: Das Leben ist unendlich langweilig, nichts hat mehr eine Bedeutung. So haben sich neben den „regulären“ Bewohnern des Vortex zwei weitere, schnell wachsende Gruppen gebildet: Die Abweichler, die zu starke Vorbehalte gegen die Gesellschaftsform äußern oder zeigen, werden künstlich gealtert, bis sie „senil“ werden und geistig verwirrt unter ihresgleichen bleiben. Noch problematischer sind jedoch diejenigen Menschen, die in völlige Apathie verfallen.

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Zed kommt gut an

Von der Idee her also gar nicht mal so übel, aber Zardoz versucht zu viel auf einmal. Einmal ist es zu sehr in seiner Zeit verhaftet: Anstatt explizit eine aktuelle gesellschaftliche Gruppe in ihrer überspitzten ultimativen Entwicklung zu zeigen, wie es beispielsweise Wells in Die Zeitmaschine tut, sind die Bewohner des Vortex ein wilder Mix aus Wissenschaftlern und Hippies. Dazu kommt eine matriachalische Gesellschaftsstruktur. Zu viele Ziele gleichzeitig aufs Korn zu nehmen verwässert die Aussage bis zur Unkenntlichkeit. Der erstorbene Sexualtrieb, der zu einer völligen Impotenz der Männer geführt hat, passt in die rein auf Logik aufgebaute Gesellschaft der Wissenschaftler und auch, wenn man Consuellas Ausführungen zu diesem Thema zuhört, in die feministische Theorie. Mit „freier Liebe“ und „Generation Pille“ lässt es sich dagegen überhaupt nicht vereinbaren! Meditationsriten passen zu Hippies, aber nicht zu dem Cliché der Naturwissenschaftler. Einzig die generellen Friedens- und Gleichheitgrundsätze bleiben als verbindendes Element. Eventuelle, aber trotzdem nicht rettende Erklärung (da im Film zu wenig explizit formuliert): Bei den Bewohnern des Vortex handelt es sich größtenteils um die Generation der Kinder der Wissenschaftler, die all dies aufgebaut haben. Man könnte es also mit viel gutem Willen so interpretieren, dass dies tatsächlich nur noch „die Hippies“ sind: Die gut genährten, in Luxus schwelgenden Abkömmlinge einer gutsituierten bürgerlichen Schicht, denen selbst das philosophieren über eine bessere Welt langweilig geworden ist.

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May und Consuella graben in seinen Erinnerungen

Dazu kommt eine Umsetzung, die sich größtenteils zwischen „misslungen“, „platt“ und „Fremdschämen“ bewegt. Dass die Vortexianer erstmal begeistert sind von der Abwechslung, die Zed in ihr Leben bringt, sich seine Erinnerungen über Jagd, Mord und Vergewaltigung wie aufregende Actionfilme begeistert angucken, mag ja noch passen. Dass aber ein einziger seiner Schweißtropfen apathische Menschen „wiedererweckt“, er selbst unglaubliche mentale Kräfte entwickelt und am Ende zu Jesus, Moses und Adam wird, ist dann um mehrere Ebenen zu dick aufgetragen!

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Hä?

Dass Connery die meiste Zeit in einer roten Windel herumläuft, sich zwischendurch in ein Brautkleid zwängen und am Ende in einer pseudoanspruchsvollen und möchtegernbedeutsamen Szene uninspiriert durch ein paar bis auf wenige Spiegel leere Räume rennen und ziel- sowie sinnlos herumballern muss, stimmt die Zuschauer nicht unbedingt gnädiger. Ganz zu schweigen von diversen Szenen, die wohl Facetten der Vortex-Gesellschaft zeigen sollen, jedoch ohne Kontext und Erklärung bleiben, und so höchstens eine Stimmung, jedoch keine Aussage vermitteln.

Filmhistorisch ist das alles zugegebenermaßen hochinteressant. Zu behaupten, Zardoz sei ein guter Film, wäre jedoch zutiefst vermessen. Interessante Beobachtung am Rande: The Wizard of Mars ist thematisch und motivisch sehr ähnlich – wenn auch bei Weitem nicht so ambitioniert. Wer also eine „Light“-Variante des gleichen Stoffs sucht…

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