Draculas Hexenjagd


Originaltitel:
Twins of Evil
Jahr:
1971
Eingetragen:
05.06.2010
IMDB-Wertung:
6,6/10

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Verbrennt sie, verbrennt sie!
Nach dem Tod ihrer Eltern ziehen die Zwillinge Maria und Frieda (Madelaine und Mary Collinson) zu ihrem Onkel Gustav Weil (Peter Cushing) ins Dorf Karnstein. Hier läuft Einiges anders als im weltoffenen Venedig. Besonders tut sich Gustav selbst hervor: Er ist Anführer der puritanischen "Bruderschaft", die es sich zum Ziel gesetzt hat, Hexen zu jagen und zu verbrennen. Als Hexe gilt dabei jede unverheiratete Frau zwischen 20 und 40. Beweise, die über ein einfaches "ich habe gehört, dass" hinausgehen, sind unnötig.

Einzig Graf Karnstein (Damien Thomas), der in einem feudalen Schloss hoch über der Stadt haust, hat den Mut, sich der im besten Western-Stil herumgaloppierenden Hinrichtungstruppe entgegenzustellen. Das tut er allerdings auch weniger aus uneigennützigen Gründen: Er braucht dringend Abwechslung in seinem luxuriösen, aber eintönigen Leben, und vergnügt sich damit, satanistische Messen zu veranstalten, und braucht eben jene Zielgruppe als Opfer.

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Der gute und der böse Zwilling
Nach einem dieser Rituale bekommt der Graf Besuch von seiner Vorfahrin Mircalla. Diese macht ihn, nachdem der Graf dem Teufel seine Seele verspricht, zum Vampir.

Im Hause Weil stellt sich derweil schnell heraus, dass die Zwillinge sich nur äußerlich ähneln: Maria ist ruhig, nett und freundlich, während Frieda rebellisch und abenteuerlustig veranlagt ist. Schnell verfällt letztere der Ausstrahlung des Grafen, und sie macht sich zu Besuchen in dessen Schloss auf – mit absehbaren Folgen. Um das Böse endgültig zu besiegen, wird Gustav Weil nun also seine eigene Nichte hinrichten müssen. Doch auch Graf Karnstein hat noch ein paar Asse im Ärmel...

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Faire Verhandlung durch die Bruderschaft
Mit Dracula hat der Film herzlich wenig zu tun, und auch der Originaltitel "Twins of Evil" trifft den Inhalt (abgesehen vom zugegebenermaßen perfekt platzierten Ausspruch Weils: "The Devil has sent me... Twins of Evil!") nur bedingt – schließlich ist nur einer der Zwillinge "böse". Viel interessanter als die Betrachtung der "Bösen" stellt sich allerdings die Suche nach den "Guten" dar. Es gibt nämlich praktisch keine.

Auf der einen Seite hätten wir den Grafen, der aus purer Lust am Besonderen Menschen in pompösen Ritualen erdolcht, und sich das Schweigen der Hinterbliebenen mit seinem Vermögen erkauft. Ihm gegenüber steht eine Horde verblendeter Fundamentalisten, die im Endeffekt genau das selbe tut. Bei der hohen Aktivität beider überrascht es, dass überhaupt noch Frauen in der Gegend übrig sind, die noch nicht abgestochen oder verbrannt worden ist.

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Nette Inneneinrichtung
Bliebe noch der Schullehrer Anton (David Warbeck), der allerdings aus gutem Grund nicht in der Inhaltsangabe auftaucht: Er spielt keinerlei Rolle, sondern füllt nur manchmal das Bild mit seinem verständnislosen Blick. Eine ähnliche Rolle fällt Maria zu, die ähnlich wie ihre Schwester wohl kaum wegen ihrer schauspielerischen Qualitäten engagiert wurde. Die Zwillinge sind vielmehr dazu da, gut auszusehen, und möglichst oft die Kostüme zu wechseln. Wen stört es angesichts hauchdünner Nachthemden noch, dass sie überwiegend stocksteif und unnatürlich durch die Kulissen stolpern, und selbst in der englischen Version offensichtlich nachsynchronisiert sind?

Die Szenen, in denen ernsthafte Schauspielerei gefordert ist, bestreitet somit Peter Cushing ziemlich alleine, und er legt eine formidable Vorstellung als der kreuz- und fackelschwingende Gustav Weil, dem er im Laufe des Films trotz aller fragwürdiger Moral einige überraschend menschliche Züge verleiht, hin. Er trägt mit seiner Leistung den gesamten Film, denn der letzte übrige Hauptdarsteller, Thomas in der Rolle Karnsteins, bleibt trotz deutlichem "Overactings" und charakteristisch "bösen" Gesichtszügen eher blass.

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Zweitklassiger Vampir
Ein paar Storylöcher haben sich durchaus auch eingeschlichen. So ist es z.B. völlig ungeklärt, wer bereits vor Graf Karnsteins Verwandlung in einen Vampir eigentlich die Leute in der Umgebung aussaugt. Dass Frieda weiter bei Tageslicht zur Schule gehen kann, ist wohl der (sehr, sehr entfernten) Verwandtschaft zu "Carmilla" geschuldet, wird aber sicherlich viele Zuschauer verwirren. Angesichts der insgesamt recht dunklen Stimmung des Films treten diese jedoch in den Hintergrund, und man kann sich als Zuschauer mittreiben lassen vom schnell voranschreitenden Plot. Der einzige kleine Wermutstropfen ist somit, dass die letzten zehn Minuten doch etwas übermäßig blutig geraten sind. Doch auch das kann den überaus positiven Gesamteindruck bester Unterhaltung nicht mehr schmälern.

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