Die Nadel


Originaltitel:
Eye of the Needle
Jahr:
1981
Eingetragen:
14.05.2012
Bearbeitet:
16.05.2012
IMDB-Wertung:
7,1/10

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„Die Nadel“ tötet bevorzugt mit einem Stilett
Die Geschicke der am zweiten Weltkrieg beteiligten Parteien haben sich gewendet. Die Allierten bereiten die Invasion des immer noch durch die Nazis besetzten europäischen Festlands von Großbritannien aus vor. Hierfür gibt es mehrere mögliche Anlandepunkte: Neben der Normandie kommt auch Calais in Frage. Der deutsche Agent Heinrich Faber (Donald Sutherland) hat letztere „Invasionstruppen“ jedoch als Attrappen enttarnt. Nun muss er diese eventuell kriegsentscheidende Information ins „Vaterland“ bringen. Zu diesem Zweck soll er vor der schottischen Küste von einem deutschen U-Boot abgeholt werden. Doch Faber gerät mit seinem Fischerboot in einen Sturm, kentert und wird auf einer kleinen Insel vor der Küste angeschwemmt.

Hier leben nur vier Menschen: Der an den Rollstuhl gefesselte ehemalige Soldat David Rose (Christopher Cazenove), seine Frau Lucy (Kate Nelligan), Joe (Jonathan Haley und Nicholas Haley) (der Sohn der beiden) sowie der Leuchtturmwärter Tom (Alex McCrindle), mit dem sich David bevorzugt jeden Abend betrinkt. Faber kommt im Haus der Roses als gekenterter Landsmann unter. Ein Schiff, das alle paar Wochen Versorgungsgüter bringt, steht nicht in baldiger Erwartung. So muss Faber versuchen, mittels des im Leuchtturm bereitstehenden Funkgeräts Kontakt zu seinen Leuten aufzunehmen.

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Zwei unglaublich einsame Menschen
Viel wichtiger als der vordergründige Spionageplot wird mit der Laufzeit jedoch die Darstellung der beiden zentralen Charaktere: Faber und Lucy. Beide befinden sich in gespiegelten Lebenssituationen; ihre Leben sind große unausgesprochene Lügen. Bei Faber ist dies offensichtlich – er lebt unter falscher Identität in England und spioniert. Doch Lucy befindet sich tatsächlich in einer recht ähnlichen Situation: Von ihrem Mann hat sie sich längst entfremdet (oder er von ihr), da er aus dem Autounfall nicht nur als körperlicher, sondern auch seelischer Krüppel hervorgegangen ist. Beide Charaktere sind in ihrer Umwelt isoliert, haben keinerlei tiefere Bindungen.

Während sich das bei Faber erstmal in zynischer Weltsicht und scheinbar kaltblütigen Taten (wie dem Mord an seinem Kollegen oder seiner Vermieterin) mündet, ist es bei Lucy die clichéhaft weibliche unterdrückte Sexualität, die sich schließlich in einer kurzen, aber heftigen Affäre mit Faber entlädt. So sehr Faber wiederum versucht, weiter seine „professionelle“, kühle Fassade aufrechtzuerhalten, so nah geht es ihm schließlich doch, eine scheinbar ebenso verletzte und verwandte Seele gefunden zu haben: Im Gegensatz zu den anderen ihm im Weg stehenden Personen zögert er, Lucy aus dem Weg zu räumen, als er die Gelegenheit hat. Was wiederum das Ende doppelt emotional macht, da Lucy in den entgegengesetzten (oder gleichen) inneren Konflikt zwischen ihren Loyalitäten gebracht wird, als sie erkennt, wer Faber wirklich ist. Mit einfachen Mitteln, aber einem sehr guten Gespür für Emotionen und Dramaturgie inszeniert, und somit wirklich gelungen.

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