Der zerrissene Vorhang


Originaltitel:
Torn Curtain
Jahr:
1966
Eingetragen:
17.05.2012
IMDB-Wertung:
6,7/10

Professor Michael Armstrong (Paul Newman) nutzt eine wissenschaftliche Konferenz in Kopenhagen, um mit Hilfe Professor Manfreds (Günter Strack) in die DDR überzulaufen. Sein Raketenabwehrprojekt in den USA war eingestellt worden und nun hofft er seine Arbeit jenseits des „eisernen Vorhangs“ fortführen zu können. Doch nicht alles läuft nach Plan: Armstrongs Assistentin/Verlobte Sarah Sherman (Julie Andrews), die von nichts wissen sollte, ist ihm gefolgt.

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DDR-Kader

In Ostberlin angekommen stellt Stasi-Offizier Heinrich Gerhard (Hansjörg Felmy) Armstrong den Aufpasser Gromek (Wolfgang Kieling) zur Seite. Zu Recht, wie sich herausstellt, denn tatsächlich sind Armstrongs Motive alles andere als freundlich gegenüber dem Ostblock: Da seine eigenen Forschungen in eine Sackgasse geführt haben, will er entsprechende Informationen von seinem Konkurrenten/Kollegen Professor Lindt (Ludwig Donath), der an der Universität Leipzip forscht, stehlen und zurück in die USA schaffen. Und nun klebt ihm Sarah an den Hacken, was die Flucht deutlich schwieriger gestalten wird…

Mit dem zerrissenen Vorhang hat sich Regisseur Alfred Hitchcock keinen Gefallen getan. Dabei ist der Film zweifellos nicht schlecht; für einige spannende Szenen sorgt er allemal. Doch das Niveau, für das Hitchcocks Name beispielsweise in den 50er Jahren stand, ist in weite Ferne gerückt.

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Nonsens-Formel

Das liegt zum einen an der Besetzung. Paul Newman ist einfach nicht der Typ Mensch, den man sich unter einem Wissenschaftler vorstellt. Julie Andrews als Verkörperung der Aufrichtigkeit bekommt überhaupt nichts zu tun.

Ebenso blass bleiben praktisch alle anderen Charaktere, da ihnen einfach keine Zeit eingeräumt wird, sich überhaupt zu entfalten. Einzig Gromek lernt man noch oberflächlig ein wenig kennen und so geht sein Tod, der in quälender Langsamkeit inszeniert wird (eine der stärksten Szenen des Films), auch nahe. Doch Alles in Allem werden zu viele Charaktere einfach nur für zu kurze Zeit überhaupt eingeführt und verschwinden auch ebenso schnell wieder. Manchmal ist sogar unklar, welchen Sinn sie überhaupt erfüllen: humoristische Auflockerung oder tragische Schicksale?

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Was soll uns diese Aufname denn jetzt bitte sagen?

Apropos tragische Schicksale: Die größte Verfehlung des Films ist sicherlich, dass Hitchcock es sich nicht verkneifen konnte, tumbe politische Propaganda einzubauen. So wird die DDR als ein Land dargestellt, aus dem eigentlich alle Menschen „flüchten“ wollen, in dem es den Menschen schrecklich geht, so dass sie sämtlich verzweifeln und die wirtschaftliche Not treibt sie sogar zu Straßenräuberei. Das Schöne und Zeitlose an seinen besten Thrillern war doch immer, dass trotz der scheinbar spektakulären inhaltlichen Hintergründe es völlig gleichgültig war, was nun den Aufhänger darstellte. Hier gerät er ins Predigen, drückt peinlichst auf die Tränendrüse – das nervt!

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