Panik im Jahre Null


Originaltitel:
Panic in Year Zero!
Jahr:
1962
Eingetragen:
28.05.2012
IMDB-Wertung:
6,7/10

„Endlich“ ist es soweit: Der Atomkrieg hat begonnen. Genau wie zahlreiche andere Städte weltweit ist auch Los Angeles, die Heimat der Baldwins, zum Ziel solcher Angriffe geworden. Vater Harry (Ray Milland) weiß sofort, was zu tun ist: Der Wohnwagen wird vollgeladen mit Nahrungsvorräten, Werkzeugen und natürlich (?) Waffen. Die Bedenken seiner Frau Ann (Jean Hagen) wischt er beiseite: Er sei bereit, der Zivilisation „wieder beizutreten“, wenn die Sache überstanden sei. Nach einer chaotischen Fahrt verschanzen sie sich in einer Höhle: Harry und Sohn Rick (Frankie Avalon) gehen jagen, während sich Ann mit Tochter Karen (Mary Mitchel) um das Kochen kümmern.

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„Wenn er Bezahlung für seine Ware verlangt, erschieß' ihn!“

Das ist mal ein völlig misslungenes Machwerk! Wieso misslungen? Weil die Wirkung exakt entgegengesetzt der offensichtlichen Aussageintention läuft. Harry behauptet, nur das beste für seine Familie zu wollen. Am Ende, als in Form der Armee (musikalisch von der Nationalhymne begleitet) „die Zivilisation“ wieder einrückt, wird den Baldwins dann auch abschließend bescheinigt, zu „den Guten“ zu gehören. Doch wenn man mal selbst nachdenkt…

Harry tut all das, was er tut, aus panischer Angst vor „der Anarchie“. Doch tatsächlich ist er es, der fast alle gefährlichen, rücksichtslosen und unverhältnismäßigen Handlungen vornimmt. Er verhält sich also genau so, wie er es anderen unterstellt: Der erste Händler (O.Z. Whitehead), der von ihm nur finanziell übers Ohr gehauen wird, ist noch gut dran. Der zweite (Richard Garland) wird gleich bestohlen und mit einer Waffe bedroht (Harry weist Rick an, bei einer „falschen Bewegung“ sofort zu schießen), als er auf die gültigen Gesetze hinweist. Der dritte (Paul Gleason) wird verprügelt und ebenfalls bestohlen.

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Zivilisationsregeln: Männer rasieren sich täglich, Frauen waschen Wäsche…

Auf der Autobahn legt Harry mutwillig Feuer, um andere Mitmenschen am Weiterkommen zu hindern. Er versperrt öffentliche Wege, um Nachahmer abzuhalten, zerstört eine Brücke aus dem gleichen Grund und lehnt jeglichen freundlichen sozialen Kontakt mit anderen Flüchtlingen rigoros ab, da man niemandem trauen könne. Und als die Bürger eines kleinen Städtchens ihnen die „Einreise“ verwehren will, um sich vor weiteren Plünderungen zu schützen, durchbricht er selbstverständlich auch diese Straßensperre.

Das heißt: Alle diejenigen Menschen, die versuchen, ein normal geregeltes gesellschaftliches Leben aufrechtzuerhalten werden von Harry Baldwin missachtet, geschlagen, beklaut, betrogen usw. Er ist derjenige, der für ein Versinken ins Chaos sorgt – nicht die Leute, die er ansonsten trifft.

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…und natürlich immer ein Tischgebet!

Etwas abschwächen muss man diese Aussage einzig für die drei „Halbstarken“ (Richard Bakalyan, Rex Holman und Neil Nephew), die die Familie Baldwin in zwei Situationen tatsächlich bedrohen. Ebenso wie Harry setzen sie auf das Recht des Stärkeren. Als sie bei der zweiten Begegnung tatsächlich über Karen herfallen und sie vergewaltigen (oder es wohl zumindest versuchen – in den zehn Sekunden kann eigentlich nicht viel passiert sein), begeben Harry und Rick sich auf einen bewaffneten Rachefeldzug: Die wehrlosen Feinde werden gnadenlos abgeknallt. In diesem Kontext zeigt Harry sogar einmal kurzfristig Zweifel, doch Ann beruhigt ihn: Schließlich habe auch sie auf diese Männer geschossen, nur eben leider nicht getroffen. Der kleine, aber feine Unterschied, den der Film mal wieder unterschlägt: Ann schoss auf sie, als sie gerade akut ihre Tochter attackierten. Harry erschoss sie kaltblütig, geplant und ohne konkrete Bedrohung – weiter entfernt von Notwehr hätte es nicht sein können!

Da Hauptdarsteller Milland auch als Regisseur und Mitproduzent fungierte, muss man wohl davon ausgehen, dass dieses Drehbuch eine ihm persönlich naheliegende Aussage vertritt. Man kann sich glücklich schätzen, diesen Menschen nicht persönlich kennengelernt zu haben.

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