Die Brut des Bösen

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Originaltitel:
Embryo
Jahr:
1976
Eingetragen:
30.05.2012
IMDB-Wertung:
5/10


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Na klar doch!
Als Dr. Paul Holliston (Rock Hudson) nachts einen schwangeren Hund anfährt, stellt das für ihn eine unerwartete Gelegenheit dar: Für die Mutter besteht zwar letztlich keine Überlebenschance, aber er hält sie trotzdem noch so lange wie möglich am Leben und verabreicht währenddessen den noch nicht sonderlich weit entwickelten Embryonen spezielle Wachstumshormone. So kann er zumindest einen der Embryonen retten: „Nummer 1“ entwickelt sich entsprechend schnell zum ausgewachsenen Hund und zeigt eine außergewöhnliche Intelligenz. Aufgrund dieses Erfolges wagt Paul ein nächstes Experiment mit einem „organisierten“ menschlichen Fötus, der eigentlich noch nicht außerhalb des Mutterleibs lebensfähig wäre. Auch dies gelingt, allerdings mit der Einschränkung, dass das beschleunigte Wachstum erst zu spät wieder eingedämmt werden kann: Nachdem „Victoria“ zeitweise bis zu ein Jahr täglich alterte, kann Paul dies auf ein Normalmaß zurückfahren, als sie bereits zur jungen Erwachsenen geworden ist.

Auch Victoria (Barbara Carrera) zeigt sich hochintelligent und kann das durch ihre fehlende Kindheit und Jugend entstandenen Bildungsdefizit in kürzester Zeit aufholen – und mehr. In ihrer Wissbegierigkeit saugt sie selbst komplexe wissenschaftliche Fachgebiete schnell auf. Schließlich stellt Paul sie der Welt als seine neue Assistentin vor – wodurch er sich allerdings die Eifersucht der Schwester (Diane Ladd) seiner früheren, verstorbenen Frau einhandelt. Und was Victoria trotz aller Bildung und auch klugem Umgang mit anderen Menschen völlig abgeht, ist menschliche Moral – was zum Problem wird, als sich herausstellt, dass Victorias beschleunigter Alterungsprozess doch nicht aufgehalten ist und sie in Eigenregie herausfindet, dass es nur ein Heilmittel gibt, für dessen Herstellung sie einen weiteren ungebohrenen Fötus benötigt. Und Pauls Schwiegertochter (Anne Schedeen) ist zufällig gerade schwanger…

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Rapide verlaufende Kindheit unter Laborbedingungen
Eigentlich stimmt alles: Die frankenstein'sche Thematik des ungebremsten Forschungsdrangs mit hehren Zielen lässt ein „Monster“ auf die Welt los. Wobei eben jenes „Monster“ auch eine adäquat tragische Rolle bekommt: Sie kann schließlich eigentlich nichts dafür, was ihr für Probleme auferlegt werden und ihre Lösungsversuche kann man ihr ebenso kaum übel nehmen – ihr fehlt eben das moralische Grundgerüst. Dies wird auch gar nicht so ungeschickt in einer Szene ihres Vorgängers „Nummer 1“ vorausgedeutet, als dieser einen anderen kleinen Hund, der ihm auf die Nerven geht, einfach mal „entsorgt“. Nicht aus „bösen“ Motiven (wie der deutsche Titel eventuell unterstellen könnte), sondern weil auch ihm einfach die entsprechende Sozialisation fehlt.

Ein großes Problem liegt eher schon in der gegenteiligen Richtung: Victoria wird als zu gesellschaftsfähig gezeigt. Eine zweiwöchige Rundreise in der Begleitung Franks, die ihren ersten Kontakt mit anderen Menschen ausmacht, wird leider (man könnte vermuten aus Kostengründen) überhaupt nicht gezeigt. Stattdessen ist sie die ersten solchen Szenen, die man sieht (auf der Party) bereits besonders souverän in zwischenmenschlichen Dingen. Viel später wird dann eine einzige kleine Szene eingeschoben, in der Victoria kurz ihre übersprungene Kindheit „nachholt“, aber solche Aspekte kommen einfach viel zu kurz! Entsprechend unverständlich und den Konflikt eher schwächend ist ihr Verhalten gegen Ende, das sogar zu viele Gewissensbisse kommuniziert.

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Nummer 1 spühlt das Geschirr ab
Bei der Rolle Franks ist das genaue Gegenteil zu beobachten. Seine Rolle ist konsequenter geschrieben: Immer wieder werden seine guten Absichten deutlich gemacht, man kann ihm eigentlich nichts vorwerfen – aber trotzdem gerät ihm das Experiment außer Kontrolle. Er ist äußerst sympathisch und fähig, aber hat sich in seinem Ergeiz trotzdem überschätzt und muss nachher mit der Schuld und den düsteren weiteren Aussichten leben. Soweit zumindest die Theorie: Während Carrera trotz der nicht ganz wirkungsvoll angelegten Rolle ihre Sache wirklich gut macht, hat Hudson offensichtlich überhaupt keinen Bock.

Problematisch kommt hinzu, dass die Dramaturgie so ausgedünnt angelegt ist, dass die Dramatik häufig auf der Strecke bleibt. Einige Szenen erfüllen signifikante Zwecke (bspw. die zwischen den beiden Hunden), andere sind amüsant (Victorias Schachspiel gegen Roddy McDowall), aber viel Zeit wird auch damit gefüllt, einfach Hudson alleine in seinem Labor herumsitzen und reden zu sehen. Vorgeblich nimmt er seinen Fortschritt auf Tonband auf, doch tatsächlich geht es natürlich einfach darum, dem Zuschauer diese Informationen zu vermitteln – eine sehr schlechte Erzähltechnik, die wahrscheinlich wieder Budgetrestriktionen geschuldet ist.

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