Bewegliche Ziele


Originaltitel:
Targets
Jahr:
1968
Eingetragen:
02.06.2012
IMDB-Wertung:
7,4/10

Der Gesamtverdienst Roger Cormans für die Filmindustrie ist unermesslich. Nicht nur war er einer der ersten Regisseure, der mit seinen Filmen überhaupt neue Zielgruppen ansprach. Als er nach seinem Bruch in American International Pictures selbst zum Produzenten wurde, gab er vielen anderen Nachwuchstalenten eine Chance und gab ihnen nicht zuletzt häufig absolute künstlerische Freiheit.

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So geschehen mit Regisseur/Autor/Darsteller Peter Bogdanovich. Cormans Vorgaben für dessen ersten Film waren folgende: Boris Karloff sollte die zwei Drehtage, die er Corman noch schuldete, ableisten und außerdem sollten Aufnahmen mit Karloff aus Cormans eigenem Film The Terror, der schon selbst eine Zweitverwertung aus übrigen Drehtagen von Der Rabe gewesen war, eingebaut werden. Ansonsten war eigentlich alles erlaubt, was sich irgendwie verkaufen ließ.

Herausgekommen ist Bewegliche Ziele – ein wahrscheinlich sehr anderer Film, als sich Corman ursprünglich ausgemalt hatte. Statt, wie es nahegelegen hätte, ein paar weitere Kostümszenen grob in der napoleonischen Zeit anzusiedeln, um sich an The Terror anzupassen, und einen entsprechenden Gruselfilm zusammenzustückeln, werden die Szenen des früheren Films einfach zu einem Film im Film. Und in den neugedrehten Szenen ist Karloff der Schauspieler Byron Orlok.

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Jener Orlok ist ein Altstar des Horrorgenres, der allerdings über die Jahrzehnte müde geworden ist. Er sieht sich als lebenden Anachronismus und möchte sich aus dem Filmgeschäft zurückziehen. Sein Agent (Arthur Peterson), seine Sekretärin (Nancy Hsueh) und Drehbuchschreiber Sammy Michaels (Bogdanovich) sind entsetzt, hängt doch ihre Existenz auch von Byrons Aktivität ab. Immerhin lässt sich Byron zu einem letzten Auftritt in einem Autokino, wo einer seiner letzten Filme gezeigt wird, überreden.

Währenddessen deckt sich Bobby Thompson (Tim O'Kelly) mit immer mehr Schusswaffen ein. Zwar lebt er scheinbar ein völlig normales Leben, doch eines Morgens erschießt er unvermittelt seine Frau (Tanya Morgan) und seine Mutter (Mary Jackson), legt sich daraufhin an einer Autobahn auf die Lauer und schießt wahllos auf vorbeikommende Autos. Auf der Flucht vor der Polizei führt es ihn schließlich in das gleiche Autokino, in dem gerade The Terror vorgeführt wird, und wo er von hinter der Leinwand sein blutiges Spiel weitertreibt.

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Es geht also um drei große Erzählebenen: Erstens die halbbiographische, nostalgische und wehmütige, aber nicht verklärende Rolle Orloks/Karloffs, zweitens die Konfrontation der Welt des „alten“ Horrors (verkörpert eben durch Karloff und sichtbar gemacht durch The Terror) mit realistischeren Schrecken der modernen Welt. Letztere sind jedoch (drittens) gar nicht so völlig unerklärlich, wie man erstmal denkt: Die Kommunikationslosigkeit beherrscht das glattgebügelte, aber ereignislose Leben Bobbys und seiner Familie, ob sie nun alle abends gemeinsam vorm Fernseher sitzen oder er mit seinem Vater auf Blechbüchsen schießen geht. Seine psychologischen Probleme versucht er gegenüber seiner Frau anzusprechen, aber eine ernsthafte Unterhaltung ist unmöglich.

Doch nicht nur die Natur des modernen Horrors ist diametral anders als die des klassischen: Waren es in den klassischen Gruselgeschichten häufig mächtige Geister und Dämonen, die für Schrecken sorgten, ist Bobby eben ein ganz armes Würstchen und entsprechend endet er: In einer spektakulären Szene kommt sowohl der echte Orlok an seinem Gehstock auf ihn zugehumpelt, als auch der Film-Orlok auf der Leinwand. Bobby verliert endgültig den Sinn für die Realität und feuert wild auf beide – und so wird der junge Mann von einem 80-jährigen Halbkrüppel überwältigt und er sackt wie ein Häufchen Elend in sich zusammen. So macht man großes Kino, selbst ohne großes Budget!

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