Matinée


Originaltitel:
Matinee
Alternativtitel:
Matinee - Die Horrorpremiere
Jahr:
1993
Eingetragen:
03.06.2012
IMDB-Wertung:
6,7/10

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Woolsey weiß seine Zielgruppe zu beeindrucken
US-amerikanisches Provinzleben bei Ausbruch der Kubakrisa: Ein Grüppchen Teenager (Simon Fenton, Omri Katz, Lisa Jakub, Kellie Martin u.A.) hat eigentlich mit ihrem eigenen Heranwachsen genug zu tun, doch Schule (in Form einer Bombenalarmübung) und Eltern (die das gesamte gesellschaftliche und politische Spektrum von Soldaten bis gutbürgerlichen Friedensbewegten abdecken) lassen es sich nicht nehmen, die weltpolitischen Probleme auch auf ihre Kindergeneration zu projizieren. Zerstreuung verspricht dagegen die Premiere des neuen Horrorstreifens Mant! (halb Mensch, halb Ameise), zu der B-Regisseur Lawrence Woolsey (John Goodman) anreist.

Dieser weiß genau, wie man Aufmerksamkeit erregt: Religiös-moralisch motivierte Protestler (Dick Miller und John Sayles) gegen seinen Film bringt er gleich selbst mit (es sind natürlich Schauspieler), eine andere seiner Darstellerinnen (Cathy Moriarty) steckt er in ein Krankenschwesternkostüm und lässt sie angebliche Warnhinweise verteilen, das Studio übernehme keine Haftung bei Herzattacken der Zuschauer. Und während der Vorstellung soll ein älterer Schüler im Mant-Kostüm den Kinosaal stürmen und Panik verbreiten.

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Ameisenmann schnappt sich die widerwillige Krankenschwester – zur Freude der Zuschauer
Woolsey ist sichtbar William Castle nachempfunden: Der bewarb seine Monsterfilme in den 50er und 60er Jahren ebenso plakativ. So ist beispielsweise die Idee mit der Krankenschwester Macabre entnommen und in Schrei, wenn der Tingler kommt brachte Castle eine Szene unter, in der sein Monster in ein Kino eindringt – die echte Leinwand wird abgedunkelt und manche Sitze im echten Kino fingen an zu vibrieren, um die Illusion zu erzeugen, die Grenzen zwischen Film und Wirklichkeit würden verwischen. Krude, aber auf seine eigene Weise charmant.

Neben dieser Liebeserklärung an das B-Kino vergangener Jahrzehnte (womit Regisseur Joe Dante bei dieser bescheidenen Seite natürlich signifikant punkten kann) erzählt Matinée auf amüsante, aber sehr menschliche Weise eine kleine gesellschaftliche Momentaufnahme. Dies ist natürlich sehr US-amerikanisch geprägt und trifft deutsche Zuschauer insofern vielleicht nicht in allen Belangen. Doch für Filmnostalgiker, die simple Teenagerthematiken nicht völlig ablehnen, lohnt es sich Alles in Allem durchaus, denn jenes Filmgenre ist nun mal mit der erst entstehenden Jugendkultur untrennbar verbunden.

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