Ed Wood


Originaltitel:
Ed Wood
Jahr:
1994
Eingetragen:
03.06.2012
IMDB-Wertung:
7,9/10

In den 1980er und 1990er Jahren wuchs ein Kult um den bereits länger verstorbenen ehemaligen Regisseur Edward D. Wood heran, als er in einer Umfrage zum schlechtesten Regisseur und sein Film Plan 9 From Outer Space zum schlechtesten Film aller Zeiten gekührt wurden. Beides natürlich völliger Unsinn, aber nachvollziehbar ist die Wahl schon, denn immerhin sind die Filme aus Woods „bester Zeit“ sehr unterhaltsam – die wirklich schlechtesten Filme sind einfach unanschaubar.

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Auf diese berühmteste Schaffensperiode Woods, d.h. die 1950er Jahre, fokussiert sich dieser fiktiv-biographische Spielfilm von Tim Burton. In dieser Zeit tat Wood (Johnny Depp) sich mit dem völlig abgehalfterten und drogenabhängigen ehemaligen Horrorstar Bela Lugosi (Martin Landau) zusammen. Für ein geringes Honorar übernahm Lugosi eine bizarre Gottesrolle in Woods ernstgemeinten Transvestitendrama Glen or Glenda, es folgte der recht klassische Mad-Scientist-Film Bride of the Monster (der wirklich weit entfernt davon ist, zu den schlechtesten Filmen aller Zeiten zu gehören – schon fast Durchschnitt!) und schließlich verwurstete Wood letzte Aufnahmen des mittlerweile verstorbenen Lugosi, die er privat gemacht hatte, in seinem legendären Plan 9.

Burton stellt die Freundschaft der beiden schrägen Charaktere ins Zentrum seiner Geschichte. Wood ist der sympathische Held der Geschichte. Lugosi, der die Bewunderung Woods sichtlich genießt, aber dessen Gesundheitszustand nicht mehr umzudrehen ist, stellt die tragische Rolle dar. Dazu kommt Woods schwierige Beziehungen zu seinen Lebensgefährtinnen Dolores Fuller (Sarah Jessica Parker), die sich schließlich aufgrund seines Transvestitusmus von ihm trennt, sowie Kathy O'Hara (Patricia Arquette), die ihn schließlich „so akzeptiert, wie er ist“. Ebenso bizarr die weiteren (historischen) Charaktere, die Wood um sich versammelt: Wahrsager Criswell (Jeffrey Jones), der ehemalige Fernsehstar Vampira (Lisa Marie), Wrestler Tor Johnson (George Steele) und viele andere versuchen ebenso wie Wood selbst, in der Branche Fuß zu fassen (oder wieder Fuß zu fassen) und ruinieren ihren Ruf natürlich mit der Zusammenarbeit mit ihm endgültig.

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Doch Ed Wood (der Film) macht – neben seinen anderen Qualitäten – eines richtig: Er macht sich niemals über die Beteiligten lustig. Woods überschwenglicher Enthusiasmus („Der schlechteste Film, den Sie jemals gesehen haben? Dann wird mein nächster bestimmt besser!“) ist so ansteckend, dass man als Zuschauer mitfiebert, dass er doch endlich den ultimativen schlechten Film hinbekomme. Absolut amüsant die Szenen, in denen Woods (verbriefte) verrückte Finanzierungsbemühungen, Besetzungsentscheidungen und Ausstattungsklau gezeigt werden. Plan 9 wird durch eine Szene, in der Wood sein Idol Orson Welles (Vincent D'Onofrio) trifft, zu seinem Citizen Kane hochstilisiert. Und (trotz Lugosis Tod) so endet der Film versöhnlich, mit Woods großem Triumph bei der umjubelten Premiere.

Womit Ed Wood natürlich reine Fiktion hinabsteigt. Tatsächlich endete der echte Ed Wood noch viel tragischer als Bela Lugosi: Er hielt sich mit Pornoromanen und entsprechend gelagerten Horrorfilmchen, in denen er teilweise gleich selbst die Hauptrollen übernahm, und die ganz sicher nicht „besser“ waren, als der angeblich „schlechteste Film aller Zeiten“, bis in die 70er Jahre mehr schlecht als recht über Wasser, bis er schließlich mit Mitte 50 verstarb. Davon ist allerdings in diesem Film nichts mehr zu sehen. Nur gut so, denn das hätte in den lustigen, vorsichtig nachdenklichen und eben hochsympathischen Tonfall überhaupt nicht mehr reingepasst.

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