In den 1980er und 1990er Jahren wuchs ein Kult um den bereits länger verstorbenen ehemaligen Regisseur
Edward D. Wood heran, als er in einer Umfrage zum schlechtesten Regisseur und sein Film
Plan 9 From Outer Space zum schlechtesten Film aller Zeiten gekührt wurden. Beides natürlich völliger Unsinn, aber nachvollziehbar ist die Wahl schon, denn immerhin sind die Filme aus Woods „bester Zeit“ sehr unterhaltsam – die
wirklich schlechtesten Filme sind einfach unanschaubar.
Auf diese berühmteste Schaffensperiode Woods, d.h. die 1950er Jahre, fokussiert sich dieser fiktiv-biographische Spielfilm von
Tim Burton. In dieser Zeit tat Wood (
Johnny Depp) sich mit dem völlig abgehalfterten und drogenabhängigen ehemaligen Horrorstar Bela Lugosi (
Martin Landau) zusammen. Für ein geringes Honorar übernahm Lugosi eine bizarre Gottesrolle in Woods ernstgemeinten Transvestitendrama
Glen or Glenda, es folgte der recht klassische Mad-Scientist-Film
Bride of the Monster (der wirklich weit entfernt davon ist, zu den schlechtesten Filmen aller Zeiten zu gehören – schon fast Durchschnitt!) und schließlich verwurstete Wood letzte Aufnahmen des mittlerweile verstorbenen Lugosi, die er privat gemacht hatte, in seinem legendären
Plan 9.
Burton stellt die Freundschaft der beiden schrägen Charaktere ins Zentrum seiner Geschichte. Wood ist der sympathische Held der Geschichte. Lugosi, der die Bewunderung Woods sichtlich genießt, aber dessen Gesundheitszustand nicht mehr umzudrehen ist, stellt die tragische Rolle dar. Dazu kommt Woods schwierige Beziehungen zu seinen Lebensgefährtinnen Dolores Fuller (
Sarah Jessica Parker), die sich schließlich aufgrund seines Transvestitusmus von ihm trennt, sowie Kathy O'Hara (
Patricia Arquette), die ihn schließlich „so akzeptiert, wie er ist“. Ebenso bizarr die weiteren (historischen) Charaktere, die Wood um sich versammelt: Wahrsager
Criswell (
Jeffrey Jones), der ehemalige Fernsehstar
Vampira (
Lisa Marie), Wrestler
Tor Johnson (
George Steele) und viele andere versuchen ebenso wie Wood selbst, in der Branche Fuß zu fassen (oder
wieder Fuß zu fassen) und ruinieren ihren Ruf natürlich mit der Zusammenarbeit mit ihm endgültig.
Doch
Ed Wood (der Film) macht – neben seinen anderen Qualitäten – eines richtig: Er macht sich niemals über die Beteiligten lustig. Woods überschwenglicher Enthusiasmus („Der schlechteste Film, den Sie jemals gesehen haben? Dann wird mein nächster bestimmt besser!“) ist so ansteckend, dass man als Zuschauer mitfiebert, dass er doch endlich
den ultimativen schlechten Film hinbekomme. Absolut amüsant die Szenen, in denen Woods (verbriefte) verrückte Finanzierungsbemühungen, Besetzungsentscheidungen und Ausstattungsklau gezeigt werden.
Plan 9 wird durch eine Szene, in der Wood sein Idol
Orson Welles (
Vincent D'Onofrio) trifft, zu seinem
Citizen Kane hochstilisiert. Und (trotz Lugosis Tod) so endet der Film versöhnlich, mit Woods großem Triumph bei der umjubelten Premiere.
Womit
Ed Wood natürlich reine Fiktion hinabsteigt. Tatsächlich endete der echte Ed Wood noch viel tragischer als Bela Lugosi: Er hielt sich mit Pornoromanen und entsprechend gelagerten Horrorfilmchen, in denen er teilweise gleich selbst die Hauptrollen übernahm, und die ganz sicher nicht „besser“ waren, als der angeblich „schlechteste Film aller Zeiten“, bis in die 70er Jahre mehr schlecht als recht über Wasser, bis er schließlich mit Mitte 50 verstarb. Davon ist allerdings in diesem Film nichts mehr zu sehen. Nur gut so, denn das hätte in den lustigen, vorsichtig nachdenklichen und eben hochsympathischen Tonfall überhaupt nicht mehr reingepasst.