Glen or Glenda?


Originaltitel:
Glen or Glenda?
Jahr:
1953
Eingetragen:
06.06.2012
IMDB-Wertung:
4,1/10


Edward D. Woods zur Legende erhobener Transvestitenfilm; er war mal in aller Munde, doch was ist eigentlich dran? Wie autobiographisch ist Woods erster „großer“ Spielfilm? Wie peinlich fällt das Machwerk in der Summe aus? Wie wirr ist Altstar Bela Lugosi integriert?

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Regisseur Wood als „Glenda“
Fangen wir mal mit Lugosi an: Er ist eine Art Erzähler, der eine Geschichte davon erzählt, wie Jemand anders Geschichten erzählt und in einer jener Geschichten erzählt dann nochmal eine der Figuren eine Geschichte. Dreifache erzählerische Rekursion – oje. Was Lugosi allerdings in der Geschichte soll, ist nicht so deutlich. Seine Rolle wird nur als „Wissenschaftler“ bezeichnet, jedoch scheint es sich eher um eine Gottesrolle zu handeln: Die beiden Hauptfiguren der dritten Erzählebene, beide Transvestiten, bitten ihn jeweils um eine Geschlechtsumwandlung (so scheint es), und er entscheidet nach Gutdünken, dies einem der beiden zu gewähren, während der andere so glücklich werden soll (und wird). Es ist wohl davon auszugehen, dass diese Rolle erst ins Drehbuch ergänzt wurde, als Lugosi verfügbar wurde – organisch ist seine Interaktion mit dem Rest des Films keineswegs.

Der eigentliche (wahrscheinlich ursprüngliche) Erzähler des Films ist der in der Rahmenhandlung auftretende Dr. Alton (Timothy Farrell). Dieser wird von Inspektor Warren (Lyle Talbot) konsultiert, der den Selbstmord eines Transvestiten untersucht. Zur Erläuterung dieses Phänomens berichtet Albot von zwei Fällen.

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Knieend vor seinem Idol
Glen (Ed Wood selbst) hätte kurz vor seiner Hochzeit mit Barbara (Dolores Fuller) gestanden. Seinen Hang, Frauenkleider zu tragen, hatte er bislang vor ihr verheimlicht. Sein guter Freund Johnny (Charles Crafts) war in der gleichen Situation gewesen und von seiner Frau, als sie es schließlich herausfand, verlassen worden. Nach Gewissensbissen und angsterfüllten Alpträumen „gestand“ Glen Barbara schließlich alles. Alton erläutert, dass Glen nun die Attribute, für die er „Glenda“ geschaffen hatte, nun auf Barbara übertragen könne und sein eigener Drang sich zu „verkleiden“ damit mittelfristig wahrscheinlich verschwinden werde.

Der zweite Fall liege jedoch anders. Bei Alan (Tommy Hayes) sei festgestellt worden, dass er tatsächlich ein Hermaphrodit sei. Er entschied sich für seine „weibliche Seite“ und wurde nach einer langwierigen Hormonbehandlung und chirurgischen Eingriffen wirklich zur Frau. Altons Moral also: Jeder Fall liege anders und das größte Problem sei die gesellschaftliche Verurteilung dieser Menschen.

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Was zum Teufel soll uns das denn jetzt sagen?
Ohne Lugosis Auftritt und seine wirren Reden würde sich natürlich niemand mehr für diesen Film interessieren. Darüber hinaus werden heutzutage häufig noch andere negative Qualitätsmerkmale genannt. Ja, natürlich sind die schauspielerischen Leistungen schwach – aber ganz ehrlich gesagt bewegen sie sich im normalen Rahmen. Ja, vielfach wirken die Dialoge gestelzt – aber sie sind auch bei Weitem nicht so bizarr schwachsinnig, wie es einem viele Kommentatoren Glauben machen wollen. Ja, es werden teilweise ohne Sinn und Verstand Archivaufnahmen hereingeschnitten (die Büffelherde…) – aber die Kriegsaufnahmen sind dagegen auch sinnvoll eingepasst. Am tatsächlich seltsamsten mutet noch Glens schier endloser Alptraum an, der mit recht naheliegender Symbolik beginnt (Hände greifen nach ihm, Gesichter starren ihn an), dann aber in völlig unzusammenhängenden Bildern von „Sex und Gewalt“ (oder was man Anfang der 50er Jahre dafür hielt) mündet. Damit driftet der Film wirklich in tiefste Gewässer des Schwachsinns ab, aber erklärbar ist es durchaus: Der Produzent wollte einen Exploitation-/Sensationsfilm.

Letzteres bedenkend kommt Glen or Glenda sogar sehr bemüht seriös rüber. Positiv anzumerken ist immerhin, dass man Wood die liberale Botschaft, die er in seinem Film zu vermitteln versucht, wirklich ernstzumeinen scheint. Gerade zu jener Zeit gab es allzu viele „Aufklärungs-“ oder auch „Empörungsfilme“, die sich versuchten einen dnnen seriösen Anstrich zu geben, tatsächlich aber rein auf voyeuristische Sensationsgier setzten. Dieser Verlogenheit erliegt Wood niemals. So dass man also zusammenfassend sagen kann: gut gemeint, natürlich nicht überzeugend, aber auch lange nicht so schlimm, wie immer behauptet. Ansehen lohnt sich eigentlich nicht.

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