The Black Cat


Originaltitel:
Il gatto nero
Jahr:
1981
Eingetragen:
10.06.2012
IMDB-Wertung:
5,8/10

Sehr viele von Edgar Allen Poes Kurzgeschichten beeindrucken weniger mit ausgefeilter Handlung. Teilweise existiert eine solche gar nicht, es gibt über die Grundsituation hinaus keine Handlungsentwicklung oder die Erzähler sind ohnehin verrückt und somit nicht vertrauenswürdig. In solchen Geschichten wird stattdessen üblicherweise eine Stimmung vermittelt, Emotionen sind ihr Kerninhalt. Was dazu führt, dass Versuche, diese Geschichten zu verfilmen, oberflächlig erstmal nicht sonderlich werkgetreu scheinen.

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Schwarze Katze = böse

So geschehen in zahllosen Fällen, da der Name Poes schon immer als möglicher Kassenmagnet gesehen wurde. Lucio Fulcis The Black Cat fügt sich nahtlos in die Reihe solcherlei „Verfilmungen“ ein. Prinzipiell sind nur drei Elemente aus Poes Geschichte übernommen: Das Bild einer erhängten Katze, eine Familie, die in ihrem eigenen Haus verbrennt und die Schlusswendung, in der das Katzengeschrei das Versteck einer Leiche verrät.

Drumherum wird eine Geschichte erfunden, die sich primär um Professor Robert Miles (Patrick Magee) dreht. Dieser steht in einer Art symbiotischer Verbindung mit einer schwarzen Katze. Er kann mittels Geisteskraft der Katze Befehle erteilen und in diesen Situationen durch ihre Augen und Ohren die Umgebung wahrnehmen. Diese Fähigkeit nutzt er… zum Mord. Doch die Katze und Miles hassen sich und stehen in einem permanenten geistigen Kampf, wer von beiden die Oberhand gewinnt. Und Miles entgleitet die Kontrolle langsam: Die Katze geht auf ihre eigenen Ausflüge, was zu noch weiteren Toten führt.

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Eines ihrer Opfer: Dagmar Lassander – doppelt so breit wie aus den 70ern gewohnt, aber trotzdem eigentlich noch etwas jung für die Rolle der Mutter einer erwachsenen Tochter

Die Polizei (David Warbeck, Al Cliver und Geoffrey Copleston) kommt bei den mysteriösen Todesfällen ermittlungstechnisch nicht weiter. Dafür kommt die Fotografin Jill Trevers (Mimsy Farmer), die übersinnlichen Themen gegenüber aufgeschlossener ist, schließlich hinter die Wahrheit. Doch vielleicht ist es schon zu spät.

Die Besetzung kann sich also sehen lassen, aber die Handlung ist für einen Spielfilm dünn und stellenweise wirr. Die entscheidende Frage ist jedoch eine andere: Wie sieht es mit der Poe'schen Stimmung aus? Wenn die stimmte, wären auch im Film die Schwächen der vordergründigen Handlung verzeihbar. Doch leider will sie nicht so recht aufkommen. Durch den – im Vergleich zur Vorlage – fehlenden Ich-Erzähler kommt dem Zuschauer Miles nicht (und auch keine der anderen Figuren) so nahe, dass man seinen Wahnsinn zu spühren oder zumindest seine Motivation adäquat vermittelt bekäme. Ebenso schwach bis nicht-existent die Charakterisierungen der anderen zentralen Figuren sowie der Opfer, für deren Schicksal man sich dadurch wirklich überhaupt nicht interessiert.

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Hinter den Katzenmorden steckt jedoch ein anderes Augenpaar

Stilistisch hält sich Fulci für seine Verhältnisse ungewöhnlich zurück. Gerade mal eine leicht verweste Leiche kommt kurz ins Bild, ein paar Mal ist sekundenweise eine blutige Hand nach einem Katzenangriff im Bild. Man könnte also behaupten, Fulci versuche sich bewusst an subtilerem, unterschwelligerem Grusel als sonst. Doch sollte dies der Fall sein, so zeigt The Black Cat leider vor Allem die Grenzen der Regisseurs auf. So effektvoll er in anderen Filmen teilweise laute, spektakuläre Szenen inszeniert, so versagt er bei dem leisen, schleichenden Horror, den ein solcher Stoff erfordert. Die Einzelszenen wollen sich einfach nicht zu einem Gesamtspannungsbogen zusammenfügen und ziehen so ineffektiv am Auge des Betrachters vorbei.

In der Originalgeschichte geht es um Schuld. Diesem Film fehlt wie dargestellt der klare zentrale Protagonist, bei dem dieser innere Konflikt sichbar entsteht. Stattdessen entwickelt sich die Handlung, soweit sie überhaupt nachvollziehbar ist, in eher uninteressante Gefilde des Kampfes „Gut gegen Böse“. Und selbst das ist noch der Höhepunkt der Erzählkunst dieses Films – wird aber erst ganz kurz vor Schluss überhaupt erwähnt. Also nicht nur Spannung, sondern auch interessante Handlung Fehlanzeige.

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Dem kommt ein anderes katzengleiches Auge auf die Schliche

Es ist wirklich traurig, dass ein Film, in dem man so viele bekannte Gesichter in den tragenden (oder sagen wir man „präsenten“, da „tragend“ eigentlich gar nichts ist) Rollen zu sehen sind, und den man deswegen wirklich mögen möchte, so völlig in den Untiefen des Desinteresses versinkt. Der Haupteindruck ist, das selbst die Beteiligten nicht daran interessiert waren, einen packenden Film zu machen. Weder inhaltlich, noch stilistisch (die immer wieder gleichen Kamerabewegungen und Zooms nutzen sich extremst schnell ab). So etwas spühren Zuschauer sehr schnell – und es ist dann das endgültige Todesurteil für The Black Cat.

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