Die Zeitmaschine


Originaltitel:
The Time Machine
Jahr:
1960
Eingetragen:
21.06.2010
Bearbeitet:
02.06.2012
IMDB-Wertung:
7,6/10

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Auf geht's!
Der Erfinder George (Rod Taylor) eröffnet seinen engsten Bekannten am Silvesterabend des Jahres 1899 seine neueste Theorie: Neben den räumlichen drei Dimensionen gebe es eine vierte, die Zeit. Er habe eine Maschine gebaut, mit der man nach Belieben in die Vergangenheit und die Zukunft reisen könne. Er versucht das Prinzip anhand eines Modells zu demonstrieren. Tatsächlich verschwindet die Miniatur – wie George behauptet – in die Zukunft. Seine Freunde bleiben jedoch skeptisch (verständlicherweise, denn mehr als sein Wort, dass das Ganze kein Scherz ist, haben sie nicht).

Enttäuscht von so wenig Vertrauen schmeißt George alle raus, begibt sich in sein Labor und setzt sich dort ans Steuer der wirklichen Zeitmaschine. Vorsichtig reist er in die Zukunft; um ihn herum scheint die Zeit schneller zu vergehen. Zuerst ist er fasziniert, doch die nahe Zukunft ist nicht das, was er sich selbst erhofft hat: Im dritten kurz aufeinanderfolgenden Krieg wird seine Maschine nach einer Atomexplosion von glühender Lava, die sich zu hartem Gestein abkühlt, eingeschlossen. Erst viele Jahrtausende später sieht George wieder das Tageslicht. Im Jahr 802701 hält er schließlich an.

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Ein Tischgespräch findet nicht statt
Hier trifft er auf die friedlichen Eloi, die sich den ganzen Tag nur des Lebens zu freuen scheinen. Die Natur scheint sie reichhaltig mit Nahrung zu versorgen. Die Kehrseite der Medaille allerdings: Die Eloi leben nur in den Tag hinein, wissenschaftliche und gesellschaftliche Erkenntnisse sind über die Jahrhunderte völlig verloren gegangen. Darüber hinaus lassen sie jegliche Empathie vermissen; so rührt niemand einen einzigen Finger, als die junge Weena (Yvette Mimieux) kurz vorm Ertrinken ist. George rettet sie und erfährt durch sie somit zumindest ein wenig über die Geschichte der Eloi... und über ihr Schicksal: Sie werden von einer zweiten menschlichen Rasse, den Morlocks, zwar mit allem, was sie zum Leben brauchen, versorgt, dienen denen dafür allerdings als Nahrung. Wie gedankenloses Vieh bewegen sich die Eloi bei Ertönen einer Luftschutzsirene in Richtung des Eingangs in die unterirdischen Morlock-Katakomben. Das kann George natürlich nicht geschehen lassen...

Die Zeitmaschine weiß rundherum zu gefallen. Von den originellen Spezialeffekten, um die Zeitreise darzustellen, bis zu der farbenprächtigen Zukunft, die in vielen Details tatsächlich „fremd“ wirkt. Befremdlich (auf positive Weise) beispielsweise die Szenen, in denen George versucht, die völlig uninteressierten Eloi auszufragen. Köstlich die Szenen, in denen die Morlocks bekämpft werden.

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Weena zeigt George Morlockbauwerke
Der gesamte Film ist dabei durchdrungen vom (natürlich etwas naiven) Fortschrittsglauben der viktorianischen Zeit. Nur ein einziges Mal klingt an, dass eine Gesellschaft wie die der Eloi (abgesehen von der Morlockbedrohung natürlich) vielleicht gar nicht so schlecht sein könnte. Dies wird aber sofort wieder verworfen, sobald klar wird, dass sie unverschämterweise nicht daran interessiert sind, Wissen aus Selbstzweck anzuhäufen. Wissenschaft und Forschung werden als positiver Wert für sich selbst dargestellt.

Ebenso vertritt der Film eine absolute Moral: George Selbstsicherheit, mit der er glaubt, sofort „gut“ und „böse“ in einer Zeit erkennen zu können, die mit seiner auch noch nicht mal mehr ansatzweise etwas zu tun hat, könnte man als kritischer Zuschauer auch als Arroganz bezeichnen. Doch für solche subtilen Zwischentöne bleibt keine Zeit, ebensowenig, wie die Fragen beantwortet werden, wieso die Menschen nach so langer Zeit immer noch die gleiche Sprache sprechen und wie die Zeitmaschine überhaupt „entscheidet“, welche Personen oder Gegenstände in ihrer Umgebung mitgenommen werden auf der Reise (eine physikalische Trennung gibt es nicht). All das passiert also ganz im Sinne des ausklingenden 19. Jahrhunderts.

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Fleischfressende Morlocks!
Aus der Entstehungszeit des Films dagegen stammen augenscheinlich die kritischen Zwischentöne, die die andere Seite des technischen Fortschritts zeigen: Die Entwicklung immer neuer, immer tödlicherer Waffen und die absolute Bereitschaft, diese auch einzusetzen. Dieser Aspekt hat aus heutiger Sicht sogar noch eine neue Dimension gewonnen: Die Darstellung ist ebenfalls schon wieder fast naiv; beispielsweise die Vorstellung, dass ein weltweiter atomar geführter Krieg prinzipiell schon überlebbar wäre und außerdem mehrere Jahrhunderte dauern würde (wäre der „Kalte Krieg“ tatsächlich „heiß“ geworden, wäre er wohl innerhalb weniger Tage oder sogar Stunden auch beendet gewesen).

Kommentare

Swiffer25 (10.07.2019 05:38)

>>wie die Zeitmaschine überhaupt „entscheidet“, welche Personen oder Gegenstände in ihrer Umgebung mitgenommen werden auf der Reise<<

Ja das, ist wirklich interessant bzw. Höhenunterschiede und Umgebungsverhältnisse im Fall der Fälle bei solch einer "Reise".

Aber wer weiss das schon, ich träume solange weiter :)


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