Der Todesengel


Originaltitel:
La vittima designata
Jahr:
1971
Eingetragen:
12.06.2012
IMDB-Wertung:
6,8/10

Im Urlaub mit seiner Geliebten Fabienne (Katia Christine) lernt Stefano (Tomas Milian) den jungen, wohlhabenden und extremst von Leben gelangweilten Matteo (Pierre Clémenti) kennen. Was für Stefano eine flüchtige Bekanntschaft ist, die er mit Ende der Reise nicht mehr weiterzuführen gedenkt, geht für Matteo tiefer. Schließlich vertraut er Stefano so weit, dass er ihm einen Vorschlag macht: Matteo werde Luisa (Marisa Bartoli), Stefanos reiche Frau, aus dem weg schaffen, wenn Stefano im Gegenzug Matteos Bruder umbringe.

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Zwei Fremde in der Gondel

Stefano denkt natürlich gar nicht daran, hält das Ganze eher für einen schlechten Scherz. Luisas Fängen entfliehen will er aber doch: Er plant durch Fälschung ihrer Unterschrift an ihr Geld zu kommen und sich anschließend nach Südamerika abzusetzen. Dazu kommt es jedoch nicht mehr, da Matteo seinen Teil des Plans in die Tat umsetzt und Luisa mit einem Strumpf erdrosselt. Das Perfide: Stefano hatte für diese Nacht zwar ein Alibi (er war mit einer anderen Frau (Alessandra Cardini) zusammen), kann dies jedoch aufgrund verschwundener Parktickets und Zeugin nicht beweisen. Tatsächlich steckt auch hierhinter Matteo, der das ganze haarklein arrangiert hat: Nun setzt er Stefano mit den Indizien unter Druck, auch seinen Teil der „Abmachung“ umzusetzen. Als Kommissar Finzi (Luigi Casellato) einer Verhaftung Stefanos wegen dem Mord an seiner Frau immer näher kommt, sieht dieser keine andere Wahl mehr: Er macht sich auf nach Venedig, um Matteos Bruder am geplanten Ort zur geplanten Zeit und mit dem bereitgestellten Gewehr zu erledigen. Doch es kommt nicht so, wie er sich das vorgestellt hat…

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Der talentierte Mr. Argenti

Zwei Fremde im Zug (ohne den Zug) ist hier das große Vorbild. Doch damit nicht genug Patricia Highsmith: Wenn Stefano versucht, Luisas Unterschrift einzustudieren, erinnert das doch stark an Der talentierte Mr. Ripley (oder genauer gesagt dessen Verfilmung, Nur die Sonne war Zeuge). Auch an Hitchcock, der ersteren Roman unter dem Titel Der Fremde im Zug verfilmt hatte, finden sich weitere Anklänge – man denke nur an den Würgeangriff per Strumpfhose in Bei Anruf Mord.

Doch es finden sich immer noch weitere Bezüge. Der Titelsong, der auch im Film nochmal vorkommt, zitiert Hamlet (wenn auch in der Wortwahl leicht modernisiert): „To die, to sleep, maybe to dream…“. Auch das ist natürlich kein Zufall und deutet (im Rückblick gesehen) das artifizielle, aber doch wirksame Ende voraus. Auch vorher ist der Aufbau des Films an (Alp-) Traumstrukturen orientiert. Matteo ist in seiner betäubten Art entweder solchen Gefilden entsprungen oder aber Stefano ist in solche übergetreten. Andererseits könnte dieser Eindruck auf an der zweifelhaften Schauspielfähigkeit Clémentis liegen. Immerhin kommt er jedoch im Highsmith'schen Sinne adäquat affektiert-homosexuell rüber.

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Stefano macht sich zum unfreiwilligen Mord bereit

Das Problem ist allerdings, dass Der Todesengel dabei kaum ein Eigenleben entwickelt. Den Klassikern, auf die es Bezug nimmt, hat es nicht viel hinzuzufügen. Dazu kommen die leider uninspiriert handelnden Darsteller, die die teilweise im Skript vorhandenen Längen nicht zu überspielen wissen. Es ist schön, die Kombination dieser bekannten Elemente zu analysieren, aber groß spannend ist es nicht. Stefano ist ausreichend charakterisiert, das man sich für sein Schicksal interessiert, aber nicht so tief, dass man als Zuschauer wirklich mitfiebern oder -fühlen würde. Der Kopf sagt, dass dies ein guter Film ist; der Bauch sagt zwar nicht das Gegenteil, stimmt aber auch nicht zu.

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