Feuer und Eis


Originaltitel:
Fire and Ice
Jahr:
1983
Eingetragen:
14.06.2012
IMDB-Wertung:
6,7/10

Die böse Königin Juliana (Eileen O'Neill / Susan Tyrrell) hat ihren Sohn „Nekron“ (Sean Hannon / Stephen Mendel) genannt und damit seine Lebensaufgabe vorbestimmt: Als Erwachsener ist er zum mächtigen Magier geworden, der versucht, die Welt von seiner Eisfestung aus zu erobern. Dazu lässt er magisch Gletscher vorrücken, so dass die Lebensgrundlage für die meisten Menschen geschwächt oder zerstört wird, und anschließend erledigen seine „Untermenschen“ (oder „Höhlenmenschen“?) den Rest.

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Man glaubt es kaum: die Festung der Guten!
Als eines der letzten Reiche steht ihm noch das von König Jarol (Leo Gordon) entgegen. Nekron und Juliana schicken ein Angebot zur Unterwerfung, das für den stolzen Jarol und seinen hitzköpfigen Sohn Taro (William Ostrander) jedoch unannehmbar ist. Doch anstatt, wie es sich für Unterhändler gehört, friedlich wieder abzuziehen, enthführen Nekrons Abgesandte Jarols Tochter Teegra (Cynthia Leake / Maggie Roswell).

Weit von ihrer Heimatstadt entfernt kann sie ihren Häschern entkommen und sie trifft in einer Ruinenstadt auf Larn (Randy Norton / William Ostrander). Der ist der einzige Überlebende seines Dorfes, das durch einen Überfall von Nekrons Truppen komplett ausgelöscht wurde. Gemeinsam versuchen sie, wieder die Stadt des Feuers (Jarols Reich) zu erreichen, werden aber wieder getrennt; Teegra fällt wieder in die Hände der Bösewichte und sie wird an Nekrons Hof verschleppt.

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Willkommen in der Fantasiewelt kleiner Jungen
Larn tut sich derweil mit dem schweigsamen Krieger Darkwolf (Steve Sandor) zusammen, der aus persönlichen Gründen Nekron und Juliana im Alleingang zu besiegen gedenkt. Nachdem alle Verhandlungsversuche zwischen Taro und Nekron fehlgeschlagen sind und letzterer ersteren ermordet hat, schickt auch Jarol in einer verzweifelten Aktion seine fliegenden Drachenreiter ins Herz des Eislandes. Es kommt zum Endkampf.

Feuer und Eis ist der letzte Spielfilm der konsekutiv aktiven Periode Ralph Bakshis. Es folgte knapp zehn Jahre später nur noch das enttäuschende Cool World, das stilistisch und inhaltlich nicht mehr mit seinen früheren Filmen vergleichbar war.

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Kein Ringgeist, sondern Held Darkwolf
In den 70er Jahren hatte Bakshi begonnen, sogenannte „Rotoskopie“ einzusetzen. Diese Technik besteht darin, Szenen erst mit echten Schauspielern zu filmen und anschließend die Projektionen dieser Bildern „abzumalen“. Es ist also sinngemäß der Vorläufer zum heutigen „Motion Capturing“. In Feuer und Eis befindet sich Bakshi diesbezüglich auf dem absoluten Höhepunkt seines Schaffens: Die Bewegungen der Figuren wirken echt wie nie zuvor (oder danach) und insbesondere die Mimik ist viel subtiler und ausgeprägter, als von klassischen Zeichentrickfilmen gewohnt. Dies wirkt sich auch auf den Inhalt aus: Die Action allgemein und die Kämpfe im Speziellen wirken viel realistischer, sind lange nicht so übertrieben, wie es beispielsweise in japanischen Animationsfilmen bis zum Exzess zelebriert wird.

So ist der Film sehr schön anzugucken, doch inhaltlich bewegt er sich am unteren Rande des akzeptablen. Die Geschichte könnte generischer nicht sein: großer Kampf „Gut gegen Böse“, repräsentiert durch zwei „Elemente“ (Feuer und Eis), die jedoch nicht entscheidend in die Handlung eingebunden werden, dazu ordentlich Kämpfe mit Monstern usw. Die Figuren sind ebenso altbekannt und natürlich bewegt sich alles im üblichen hochreaktionären Bereich des Genres. Wobei der Sexismus immerhin „nur“ so weit geht, die permanent praktisch nackte Teegra immer und immer wieder in seltsamen Posen zu zeigen – ungewöhnlicherweise ist sie nicht abhängig von heroischen Rettern, sondern sie kann sich immer wieder aus eigener Kraft befreien (und holt sogar einmal den nutzlosen Larn aus seiner Zelle).

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Nekrons Magie scheint unüberwindlich
Worauf es sich zuspitzt ist nachher der Konflikt zwischen Nekron und Darkwolf. Die beiden sind noch die amüsantesten Figuren. Nekron ist das Cliché des gelangweilten Bösewichts, der eigentlich nur mit der Welt „spielt“, um ein wenig Unterhaltung zu bekommen, und der alle anderen Lebewesen als bedeutungslose Ameisen ansieht – passt. Über Darkwolfs Motive ist dagegen nur wenig erschließbar. Aus einem einzigen Nebensatz und ein paar im Hintergrund verschwommen zu sehenden Zeichnungsdetails in der verlassenen Stadt ist zu erkennen, dass er eher mit Juliana ein Problem hat als mit Nekron selbst. Man könnte das so interpretieren, dass er früher entweder der König oder der verehrte Beschützer der Ruinenstadt war. Diese ist jedoch nicht erst kürzlich von Nekrons Gletschern und Truppen vernichtet worden, sondern bereits gut mit Pflanzen überwuchert. Die Vorkommnisse, die dazu geführt haben, werden also schon einige Zeit zurückliegen und wurden wohl durch Juliana ausgelöst. Da es Darkwolf nachher (ohne explizite Erklärung) gelingt, Nekrons Magie (im Gegensatz zu Taro und Larn, die es beide ebenfalls versucht haben) zu widerstehen und den Bösewicht zu erschlagen, und eben aufgrund seiner Ausdrucksweise bzgl. Juliana könnte man zu dem Schluss kommen, dass Darkwolf von Juliana verführt wurde und so Nekrons Vater ist.

Doch das ist eben alles mehr als spekulativ. Den Charakter eher mysteriös zu halten, passt schon ins Gesamtschema, doch man kann es auch übertreiben; wenn man zu wenig erklärt und zu wenige Hinweise gibt, ist es für die Zuschauer eher frustrierend als faszinierend. Und so bleibt Feuer und Eis in allen Belangen ein reiner Klientelfilm, der Fans anzusprechen weiß, aber keinerlei Versuche unternimmt, für irgendjemand anderes als Leser von Barbarencomics interessant zu sein.

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