Masters of the Universe

Poster
Originaltitel:
Masters of the Universe
Jahr:
1987
Eingetragen:
23.06.2012
Bearbeitet:
01.11.2012
IMDB-Wertung:
5,4/10
TMDB-Wertung:
5,6/10


Hannes schreibt:

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Einmarsch in Castle Grayskull
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Die letzten Helden (und Gwildor) rotten sich zusammen
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Wer sind diese Typen und was machen sie in dem Masters-Film?
In den 80er Jahren waren Comic- und Spielzeugverfilmungen noch weit davon entfernt, das Mainstreamactionkino praktisch zu übernehmen. Mochten auch He-Man und Konsorten dem Hersteller Mattel noch so viele Milliarden eingebracht haben, so waren sie damit doch nur Kandidat für einen B-Film. Was allerdings zu Beginn der Planung weder sie selbst, noch Produktionsstudio Cannon ahnen konnte, war, dass während der Produktionsphase der Markt völlig zusammenbrechen würde: Vor lauter Übersättigung angesichts inflationärer neuer Actionfiguren lagen die riesigen Produktionsmengen plötzlich wie Blei in den Regalen. So wurde aus Gary Goddards anstatt des schnell heruntergedrehten sicheren Geldmachers die hochstilisierte letzte Hoffnung der Spielzeugreihe auf eine Wiederauferstehung – unerwartete Verantwortung. Auf Mattels gesteigerte Erwartungshaltung war natürlich niemand bei Cannon vorbereitet; weder Drehbuch, noch Ausstattung, Finanzierung oder Besetzung waren auf irgendetwas als eine Billigproduktion, die bescheidenem Profit machen sollte, ausgerichtet.

Fangen wir mit dem Drehbuch an: Bösewicht Skeletor (Frank Langella) hat es endlich geschafft – die mystische Burg Grayskull ist erobert. Dazu bediente er sich einen „Kosmischen Schlüssel“, den seine Mitstreiterin Evil-Lyn (Meg Foster) dem zwergenwüchsigen Erfinder Gwildor (Billy Barty) abgeluchst hat. Nur noch bis Sonnenuntergang, dann wird Skeletor die gesamte Macht Grayskulls in sein Wesen aufgesogen haben. Die Verteidiger des Guten, He-Man (Dolph Lundgren), Man-at-Arms (Jon Cypher) und Teela (Chelsea Fields) befinden sich auf der Flucht vor Skeletors Robotertruppen. Gwildor hat noch einen zweiten Schlüssel. Diesen benutzt er, um mit seinen Freunden schnell in eine andere Dimension zu entkommen. So finden sich die Helden auf der Erde wieder, allerdings ist der Schlüssel vorerst verloren gegangen.

Letzteren gabeln die Teenager Julie (Courtney Cox) und Kevin (Robert Duncan McNeill) auf. Sie halten das „coole Sounds“ produzierende und blinkende Etwas für einen Synthesizer (wir befinden uns tief in den 80ern…). Diese unbewusste Aktivierung des Schlüssels werden jedoch von Skeletors Truppen detektiert. Der Herr des Bösen schickt seine besten Männer (Anthony De Longis, Robert Towers, Tony Carroll und Pons Maar) sowie Evil-Lyn ebenfalls zur Erde. Die beiden Menschen finden sich unversehends mitten in einem kosmischen Konflikt wieder…

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Jeder fängt man klein an… und manche bleiben dann auch auf diesem Niveau
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He-Man will ein Keyboard stehlen: Das gibt Ärger mit der irdischen Polizei
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Skeletor am Ziel: He-Man und das Zauberschwert in seiner Hand
Mit anderen Worten: Aus Kostengründen spielt ein Großteil der Handlung auf der Erde anstatt auf Eternia. Die Grayskull-Kulisse ist durchaus passabel, doch darüber hinaus sieht man am Anfang nur kurz ein bisschen Wüste. Die Anfangsszene ist sogar wirklich gut gemacht: Skeletor hat einen großen Auftritt als Eroberer Grayskulls, die Hintergrundmusik verschwimmt mit den Soundeffekten und Evil-Lyn erstattet ihm (und damit den Zuschauern) Bericht, was hier gerade vor sich geht. So hätte es qualitativ weitergehen können. Doch dann wurde später in Turnhallen und auf im Studio nachgebauten Hinterhöfen gedreht. Vom Zauber einer fremden Welt kann also keine Rede sein.

Ähnlich sieht es mit den Charakteren aus. Von den bekannten Personen tauchen kaum welche auf; stattdessen müssen fast ausschließlich neue Bösewichte (deren „Spezialfähigkeiten“ teilweise völlig im Dunkeln bleiben, da sie niemals etwas machen) und austauschbare Roboter als Kanonenfutter herhalten. Von denjenigen Charaktere, die man dem Namen nach kennt, ist etwa die Hälfte optisch nicht wiederzuerkennen. Skeletor leidet unter schlechtem Makeup, ist aber natürlich trotzdem noch eine der wenigen positiven Ausnamen (Langella macht die Sache genau richtig: „Overacting“ bis zum Letzten). Lundgren als He-Man ist ebenfalls passabel (hölzern und vielkritisiert, aber wer hätte es denn sonst bitte machen sollen?): Sein geändertes Kostüm ist sogar weniger peinlich als das originale. Doch danach wird's düster… Man-at-Arms hat einen Schnurrbart und einen Helm; Teela und Evil-Lynn haben mit ihren Vorlagen überhaupt nichts zu tun; Beast Man könnte vielleicht als Grizzlor (ein anderer, nicht unähnlicher Charakter der Vorlage) durchgehen.

In Deutschland stellte sich darüber hinaus ein weiteres Problem ein: Die FSK gab den Film erst ab 12 Jahren frei. Damit war der Großteil der Zielgruppe ohnehin ausgeschlossen. Was im Vergleich zu anderen Actionfilmen der Zeit jedoch auch durchaus angemessen ist: Zielgruppe des Films scheinen junge, männliche Teenager zu sein (anstatt jungen, männlichen Kindern).

Versucht man das verwirrende Geschehen von seiner Vorlage losgelöst zu betrachten, es also als normalen Science-Fiction/Fantasyfilm zu betrachten, funktioniert er jedoch auch nicht sonderlich gut. Denn auch ohne die Enttäuschung über die fehlenden oder nicht erkennbaren Charaktere bleibt der Schwachsinn mit der Erde. Die beiden blöden Teenager sind natürlich handlungstechnisch notwendig, wenn man denn zur Erde geht. Das ändert aber nichts daran, dass sie zu uninteressant sind und diese Reise nicht ausreichend motivieren, d.h. den Spannungsbogen, der am Anfang nicht schlecht definiert war, zu halten.

Schaut man sich die ersten 15 Minuten sowie das Finale an, sieht man einen Film, der für Liebhaber trashiger Fantasyfilme absolut geeignet wäre. Doch mit einer verschwendeten Stunde in der Mitte bekommt man natürlich keine guten Kritiken.

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