Man hätte meinen sollen, dass der zwar ganz amüsante, aber insgesamt nicht überzeugende Vorgängerfilm keiner Fortsetzung bedurft hätte. Doch wenn Produktionsentscheidungen von persönlichem Enthusiasmus an Stelle von angeblichen Marktforschungserkenntnissen getroffen werden, dann passieren manchmal die komischsten Dinge. Und das Schönste daran ist, dass dadurch dann eben auch mal
unerwartete Produktionen entstehen. Nicht nur unerwartet bezüglich ihrer Existenz an sich, sondern auch qualitative Abweichungen von der Massenproduktionsnorm sind drin. So geschehen bei
Dorkness Rising.
Die Geschichte dreht sich diesmal um eine andere Rollenspielgruppe. Hier ist „Lodge“ (
Nathan Rice) der Spielleiter (sein Vorname ist Kevin, was allerdings keiner seiner langjährigen Mitspieler überhaupt weiß) und man trifft sich einmal in der Woche im Hinterzimmer des Rollenspielladens von Leo (
Scott C. Brown). Mit von der Partie sind außerdem Cass (
Brian Lewis), Gary (
Christian Doyle) sowie, neu hinzugekommen als Verstärkung für die Gruppe, Cass' Ex-Freundin Joanna (
Carol Roscoe).
Diese Verstärkung war notwendig geworden, da die Gruppe bereits zweimal an Lodges neuestem Abenteuer gescheitert ist. Das letzte Mal war man bis zum Oberbösewicht Mort Kemnon (
Geoff Gibbs) vorgedrungen, war dort aber abgeschlachtet worden. Das geht jedoch gegen Cass' Spielerehre: Er will seinen Ruf wahren, jedes Abenteuer gewinnen zu können.
Durch das Ableben ihrer alten Charaktere haben alle Teilnehmer der Spielrunde neue Figuren ausgewürfelt. Joanna spielt „Daphne“, eine Kämpferin – die entgegen des Protests ihrer Mitspieler weder eine Bikinirüstung trägt, noch ein Breitschwert („Broadsword“) benutzt. Cass möchte sein Alter Ego als fernöstlichen Kampfmönch auslegen, zum Entsetzen Lodges, der seine Geschichte in einer mittelalterlichen westlichen Welt sieht. Man einigt sich auf „Brother Silence“, einen westlichen Mönch, der immerhin einige kämpferische Fähigkeiten hat. Leo will statt seines üblichen Kämpfers mal etwas Neues ausprobieren und spielt den Barden „Flynn“. Gary setzt dem Ganzen die Krone auf und übernimmt die Rolle der Magierin „Luster“, die seiner Mathematiklehrerin (
Jennifer Page) nachempfunden ist. Als weitere Verstärkung stellt Lodge der Gruppe noch den von ihm selbst gespielten Paladin „Sir Osric“ zur Seite, was die drei Veteranen jedoch als Bevormundung empfinden („Babysitter“).
Gemeinsam begeben sie sich wieder auf die Mission, den bösen Totenbeschwörer Mort Kemnon mit seiner magischen Maske des Bösen zu besiegen. Nun ist die Situation jedoch so, dass drei der Spieler zumindest den Beginn dieses Abenteuers bereits zweimal hinter sich gebracht haben, und über entsprechend viel Vorwissen verfügen. Wie Lodge jedoch immer wieder betont, ist das
Spielerwissen, nicht
Charakterwissen. Während Joanna die rollenspielerischen Aspekte ernst nimmt, vergnügt sich Gary solange damit, ihm scheinbar unwichtige und hilflose NPCs mit Feuerbällen zu rösten. Leo muss feststellen, dass das Spielen von Barden viel mehr Geschick erfordert, als das von Kämpfern: Permanent stirbt er und muss wiederbelebt werden. Dafür sind jedoch seine Verführungskünste so ausgeprägt, dass er selbst Priesterinnen, die ein Keuschheitsgelübde abgelegt haben, rumkriegt. Cass verbringt derweil die meiste Zeit damit, spitzfindige Regelauslegungen zu finden, die es ihm erlauben sollen, abseitige Aktionen durchzuführen oder Gegenstände zu benutzen.
Wie bereits im Vorgängerfilm übernehmen die Darsteller sowohl die Rollen der Spieler, als auch der Charaktere. Eine Ausnahme stellt Gary/Luster dar: Als Magierin ist Doyle nur dann zu sehen, wenn er mal wieder vorübergehend vergisst, dass er ja eine Frau spielt. In einer Szene übernimmt dann logischerweise noch Rice die Rolle von „Brother Silence“: Aufgrund unglaublichen Würfelpechs muss Cass die Kontrolle seines Charakters zeitweise an den Spielleiter abgeben. Dies war bereits vorher eine der besten Ideen der
Gamers. In diesem zweiten Teil ist es jedoch noch viel effektiver umgesetzt, indem die Grenzen zwischen den Spielern und Gespielten noch weiter verschwimmen. Mit Osric ist beispielsweise ja auch der Spielleiter dabei, der in manchen Situationen plötzlich aus der Rolle des Paladins fällt, um den Mitstreitern Nachhilfe in Regeln oder Hinweise zu geben.
Was jedoch am Meisten (positiv) überrascht, ist, dass sowohl Darsteller, als auch Drehbuch um Klassen besser sind, als im Vorgänger. Hauptdarsteller Rice beispielsweise bestritt seine Rolle in der ersten
Gamers-Gruppe mit exakt
einem Gesichtsausdruck. Hier spielt er tatsächlich eine Figur, die tatsächlich wie ein glaubwürdiger Mensch wirkt. Was dem zu Gute kommt ist, dass eben das Skript seinen Figuren auch mehr Raum (oder
überhaupt Raum) zugesteht. Beide Handlungsebenen, also die der Spieler, als auch die im Spiel, sind diesmal von Interesse. Letztere entspricht durchschnittlicher Fantasykost, ohne riesige Überraschungen, aber durch passende fiese und ebenfalls gut gespielte Charaktere als Bösewichter adäquat. Und zum ersten Mal kann man überhaupt davon sprechen, dass eine Handlung auf der Ebene der Spieler überhaupt existiert: Der Eindruck, Personen vor sich zu haben, die in Beziehungen untereinander stehen, hilft dem Spannungsbogen ungemein.
Technik und Ausstattung sind ebenfalls lobenswert. Die Kostüme sind gut, die Kulissen mit einigem Aufwand gestaltet. Einmal muss das Innere einer Turnhalle als Tempel herhalten, doch auch dort ist immerhin Bemühen erkennbar. Ein paar Lichteffekte aus dem Computer sowie klassische Filmtechnik (Zeitraffer) tauchen an passenden Stellen auf, werden aber nicht überstrapaziert.
Was soll man also sagen? Es gibt wirklich überhaupt nichts zu Meckern!
Genau so sollte ein Spielfilm ohne Budget aussehen! Geschrieben mit einem Anfang, einem Ende und einem Spannungsbogen, der aus einer nachvollziehbaren Problematik resultiert. Amüsant, ohne sich
völlig in Insiderscherzen zu verlieren. Gespielt nicht nur mit dem Herzblut von Fans, sondern auch mit Kompetenz. Gefilmt, so dass es offensichtlich wird, dass nicht jeder „erster Take“ direkt genommen wurde. Und schließlich geschnitten und produziert mit einem Gefühl für Timing, Komik und Dramatik. Das ist ein hoher Standard, an denen sich selbst die meisten viel professionelleren Produktionen die Zähne ausbeißen!