Kein Koks für Sherlock Holmes


Originaltitel:
The Seven-Per-Cent Solution
Jahr:
1976
Eingetragen:
04.07.2012
IMDB-Wertung:
6,7/10

Dr. Watson (Robert Duvall) macht sich Sorgen um seinen Freund Sherlock Holmes (Nicol Williamson). Dessen Kokainsucht ist mittlerweile soweit fortgeschritten, dass Watson vom Tod innerhalb eines Jahres ausgeht. Neben den offensichtlichen körperlichen Auswirkungen ist Holmes völlig paranoid geworden. Er glaubt, ein gewisser Professor Moriarty (Laurence Olivier) stecke als „Evil Mastermind“ hinter praktisch allen Verbrechen.

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Eben jener Moriarty besucht Watson abends. Tatsächlich ist er der ältliche, völlig harmlose frühere Hauslehrer der Familie Holmes. Er beschwert sich, von Sherlock verfolgt und bedroht zu werden, möchte jedoch einen öffentlichen Skandal, der durch eine offizielle Anzeige entstünde, vermeiden. Gemeinsam mit Sherlocks Bruder Mycroft (Charles Gray) fassen die beiden einen Plan: Unter dem Vorwand eines Falles locken sie Sherlock nach Wien, wo er sich in die Behandlung Sigmund Freuds (Alan Arkin) begeben soll. Doch mitten in die Entzugsphase gesellt sich dann ein tatsächlicher Kriminalfall: Die ebenfalls drogenabhängige Opernsängerin Lola Deveraux (Vanessa Redgrave) wird entführt.

Besetzung, Inszenierung und Ausstattung sind über jeden Zweifel erhaben: erstklassig. Die Handlung dagegen… na ja, mindestens zweifelhaft. Der tatsächliche Kriminalfall beginnt überhaupt erst kurz vor Schluss und ist trivial. Vorher soll es einerseits um die Parallele der analytischen Methoden des fiktionalen Freuds und der Sherlock Holmes' gehen. Zweitens versucht sich Kein Koks… als Charakterstudie.

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Doch eben jene will sich nicht so recht in den Sherlock-Holmes-Mythos einfügen. Für dessen Charakterisierung bei Arthur Conan Doyle war gerade zentral, dass er aufgrund seiner hohen Intelligenz an Depressionen und Anfällen unglaublicher Langeweile wegen fehlender Herausforderungen litt. Dies wird als Grund seines Drogenkonsums genannt. Das ist deshalb interessant, weil es Sherlock Holmes zum Vorgänger der in unserer Zeit so beliebten Figuren unglaublicher Hochbegabung mit direkt daraus resultierenden psychologischen Problemen macht.

Eben jene These verneint dieser Film jedoch explizit: Da man schließlich Sigmund Freund eingebaut hat, muss hinter der Sache „mehr“ stecken. Jenes „Mehr“ stellt sich schließlich als unspektakulär-lächerliches freud'sches Trauma heraus, das sowohl den Eskapismus des Drogenkonsum, als auch den Verfolgungswahn der Hauptperson erklären soll. Das ist aber, wenn man denn unbedingt irgendeine Erklärung über die der Langeweile hinaus geben will, zu platt. Und man kann es nur wiederholen: Der reine Verweis auf die Langeweile eines extremst Hochbegabten wäre ohnehin viel stärker gewesen.

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