Eine Leiche zum Dessert


Originaltitel:
Murder by Death
Jahr:
1976
Eingetragen:
11.07.2012
IMDB-Wertung:
7,5/10

Was passiert, wenn man die berühmtesten Detektive der Welt für eine Nacht in eine Villa sperrt? Der exzentrische Millionär Lionel Twain (Truman Capote) ist frustriert über die Erzählweise der erfolgreichsten Kriminalschriftsteller und lädt deshalb jene Ermittler, die im Zentrum dieser Erzählungen stehen, ein. Er will beweisen, dass sie alle unfähige Betrüger sind, indem er einen Mord inszeniert, von dem er sich sicher ist, dass ihn keiner der Anwesenden aufklären kann. Das unerwartete Opfer: Twain selbst.

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Der Mörder muss unter den Gästen sein: Sidney Wang (Peter Sellers) ist mit seinem Adoptivsohn Willia (Richard Narita) angereist und gibt immer wieder schief formulierte angebliche chinesische Weisheiten von sich; Dick (David Niven) und Dora Charleston (Maggie Smith) sind vor Allem von dem nicht hochklassigen Ambiente schockiert; Milo Perrier (James Coco) und sein Chauffeur Marcel (James Cromwell) müssen immer wieder erklären, nicht Franzosen, sondern Belgier zu sein; Jessica Marbles (Elsa Lanchaster) gibt sich patent und tatkräftig, wird allerdings von ihrem Kindermädchen Miss Withers (Estelle Winwood), dessen Pflege sie mittlerweile übernommen hat, öfter etwas aufgehalten; und Sam Diamond (Peter Falk) traut ohnehin niemandem – inklusive seiner Sekretärin Tess (Eileen Brennan) und sich selbst.

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Autor Neil Simon zieht genüsslich, intelligent, aber niemals ernsthaft beleidigend die Eigenheiten des Krimigenres sowie bestimmter Figuren (und ihrer speziellen, typischen Geschichten) durch den Kakao. Als Grundlage dient die typische Kulisse des feudalen Landhauses mit knarrenden Treppenstufen, Geheimgängen und unzähligen Schlafzimmern während draußen natürlich Regen und Gewitter donnern (was allerdings vom Band kommt). Der Gastgeber, der seinen Gästen spezifische Vorwürfe macht („Anklagen“ verliest) und sichergestellt hat, dass niemand die Villa verlassen kann, bis sein Plan in die Tat umgesetzt ist, scheint direkt Agatha Christies Da waren's nur noch Neun nachempfunden.

Nur eben, dass diese Gäste allesamt Detektive sind, die sich nun gegenseitig in ihren Ermittlungsbemühungen auf die Füße treten und sich gegenseitig mit ihren Lösungstheorien zu überbieten versuchen. Von „der Butler war's“ (Alec Guiness ist als blinder Hausdiener die heimliche Hauptperson; den witzigsten „Gastauftritt“ hat allerdings Fay Wray als Türklingel) bis hin zu absurden Verwandtschaftsbeziehungen, Erpressungsversuchen oder sonstigen Schicksalen, die allesamt aus dem Nichts kommen, allen Anwensenden Motive verpassen und für die Zuschauer natürlich keinesfalls erschließ- oder vorhersehbar waren. Also ganz so, wie man es aus Genreromanen kennt.

Das ist so umfassend gelungen, dass man sich dem eigentlich kaum entziehen kann. Doch es gilt natürlich der Grundsatz des Genres: Je genauer man sich mit den Vorlagen auskennt, desto lustiger wird es!

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