Mord à la Carte


Originaltitel:
Thirteen at Dinner
Jahr:
1985
Eingetragen:
14.07.2012
IMDB-Wertung:
6,3/10

Hercule Poirot (Peter Ustinov), verpflanzt in die 80er Jahre, ist in einer Talkshow bei David Frost zu Gast. Dort trifft er auf Schauspieler Bryan Martin (Lee Jorsley), erfolgreicher Filmdetektiv, und den Überraschungsgast, eine Doppelgängerin von Martins Filmpartnerin Jane Wilkinson namens Carlotta Adams (beide Faye Dunaway).

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So sieht Detektivarbeit nur im Fernsehen aus
Nach der Sendung zieht es alle (inkl. Poirots Freund Hastings (Jonathan Cecil)) zu einem Abendessen zur echten Carlotta Adams. Die bittet um Poirots Unterstützung in einer delikaten Angelegenheit: Sie möchte sich von ihrem Ehemann Lord Edgeware (John Barron) scheiden lassen, doch jener willige nicht ein. Poirot lässt sich breitschlagen, mit ihm am nächsten Tag zu reden. Doch das läuft anders als erwartet – der Lord hat überhaupt nichts gegen eine Scheidung!

Desto überraschender, als das er einen Tag später ermordet aufgefunden wird. Inspektor Japp (David Suchet) hat bereits die Zeugen befragt: Jane Wilkinson hatte ihren Mann an dem fraglichen Abend besucht. Doch warum hätte sie ihn umbringen sollen, da ihr Problem doch gar nicht mehr bestand (und Poirot ihr das auch mitgeteilt hatte)? Oder stecken vielleicht Edgewares Tochter Geraldine Marsh (Amanda Pays), die keinen Hehl aus ihrem Hass gegen ihren Vater macht, oder Ronald Marsh (Bill Nighy), dem „neuen Lord Edgeware“, der nebenbei auch mit Carlotta Adams gut bekannt war. Denn dass Carlotta Adams irgendwie involviert war, ist Poirot klar – doch sie kann, tot in ihrem Bett liegend, nichts mehr erzählen.

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Die Realität ist unspektakulärer
In den drei Poirot-Fernsehproduktionen muss man gegenüber den aufwändigen Kinofilmen insbesondere der 70er Jahre natürlich Abstriche machen. Ebenfalls Peter Ustinov in der Titelrolle zu verpflichten ist natürlich ein Clou und mit Faye Dunaway ist immerhin ein bekannter weiterer Kinostar dabei. Davon abgesehen muss man sich mit soliden Fernsehgesichtern und -ausstattung zufrieden geben. Was aber, ebenso wie die Verlegung in die Gegenwart, gar nicht mal so viel ausmacht. Darstellerisch ist es überraschenderweise ausgerechnet Ustinov, der extrem demotiviert agiert, als sei all dies unter seinem Niveau.

Das größere (aber auch nicht fatale) Problem ist vielmehr der fehlende Fokus des Skripts. Die Adaption des Romans ist routiniert, aber eher einfallslos gestaltet. Vor allem fehlt die eigentlich für einen Spielfilm notwendige Zuspitzung aufs Wesentliche: Charaktere, die nicht ausreichend pointiert (und damit einprägsam) sind, tauchen auf; und obwohl es doch wohl von Anfang an offensichtlich ist, dass Carlotta eine zentrale Rolle in dem Verbrechen einnimmt, fasert der gesamte Mittelteil von dieser Verbindung weg und man schlägt sich stattdessen zu sehr mit den Alibis der Beteiligten herum.

Es ist natürlich primär ein Problem der Erwartungen. Dem Vergleich mit den mondänen Kinoproduktionen hält diese solide Fernsehkost nicht statt. Doch wenn man sich von diesen Ansprüchen befreit, es für sich sieht, kann man ganz gut unterhalten werden – auch wenn es natürlich vielmehr Klientelprogramm als absolut massentauglich ist.

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