Straße der Versuchung


Originaltitel:
Scarlet Street
Jahr:
1945
Eingetragen:
19.07.2012
IMDB-Wertung:
7,8/10


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Ein Maler bei der Arbeit
Nachdem der erste Versuch (Gefährliche Begegnung) leider eher in die Hose gegangen war, versuchte sich Fritz Lang nochmal an einer ganz ähnlichen Personenkonstellation und einem ähnlichen Thema und setzte dies sogar mit den gleichen Kerndarstellern um: Christopher „Chris“ Cross (Edward G. Robinson) ist seit 25 Jahren als Kassierer in einer Bank tätig. Keine aufregende Aufgabe, aber er hat damit sein bescheidenes Auskommen. Seine Ehe mit Adele (Rosalind Ivan) ist jedoch völlig lieblos, sie schwärmt immer noch von ihrem angeblich heldenhaften ersten Mann, einen Polizisten, der bei einem Einsatz ums Leben gekommen ist.

So ist Chris sehr zugänglich, als er die junge Katherine „Kitty“ March (Joan Bennett) kennenlernt. Seine ihm zum Dienstjubiläum verliehene goldene Uhr und sein Wissen über Malerei verleitet Kitty zu der Annahme, er sei ein wohlhabender Künstler. Das wiederum bringt Johnny (Dan Duryea), Kitty Freund (und eventuell Zuhälter) auf den Plan: Aus diesem naiven mittelalten Mann müsste doch etwas rauszuquetschen sein! Das gelingt – Johnny verschuldet sich, um für Kitty eine Wohnung zu mieten, die er selbst ebenfalls für seine Amateurmalerei nutzen kann. Johnny wird ihm als „Freund einer guten Freundin“ vorgestellt, der ab und zu zu Besuch kommt.

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„Selbstportrait“
Doch Johnnys Pläne gehen noch weiter. Er versucht, einige von Chris' Bildern zu verkaufen und tatsächlich zeigt sich ein einflussreicher Kunstkritiker (Jess Barker) begeistert. Johnny stellt ihm Kitty als die Urheberin der Bilder vor. Selbst als Chris durch eine Ausstellung dahinter kommt, dass seine Bilder hinter seinem Rücken verkauft wurden, ist er schließlich sogar froh – er willigt ein, weiterzumalen und Kitty die Werke als „Ghostwriterin“ an den Mann bringen zu lassen (wobei der Profit komplett Kitty und damit in Konsequenz Johnny zu Gute kommt). Die Situation eskaliert erst, als Adeles erster Ehemann (Charles Kemper) wieder auftaucht: Chris will Kitty nun beim Wort nehmen und sie heiraten – ein Vorschlag, für den diese natürlich nur Hohn und Spott übrig hat…

Na also, es geht doch! Auch wenn Kitty natürlich immer noch nicht die archetypische „Femme Fatal“ ist (da ja hinter ihr noch Johnny die Strippen zieht), aber das Thema ist genau richtig: Die Ausnutzung und schleichende Demütigung des Chris', der als sympathischer Verlierer charakterisiert wird und entsprechend als Identifikationsfigur dient. Und obwohl die „Bösewichte“ am Ende „bestraft“ werden, ist auch Chris' Schicksal dermaßen bitterböse, das es weder unrealistisch, noch aufgesetzt wirkt. Faszinierend, wie man in so kurzer Abfolge, mit gleichen Mitteln und dermaßen ähnlichen Themen zwei grundverschiedene Filme machen kann!

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