Die Farben der Nacht


Originaltitel:
Tutti i colori del buio
Jahr:
1972
Eingetragen:
23.07.2012
IMDB-Wertung:
6,9/10

Seit Jane Harrison (Edwige Fenech) bei einem Autounfall ein ungeborenes Baby verloren hat, wird sie von Albträumen geplagt. In diesen verfolgt ein Mann mit unnatürlich blauen Augen (Ivan Rassimov) sie, um sie schließlich zu erstechen. Janes Schwester Barbara (Nieves Navarro) empfiehlt ein Gespräch mit dem Psychiater Dr. Burton (George Rigaud). Davon hält Janes Freund Richard (George Hilton) überhaupt nichts: Er vertraut eher auf die chemische Keule („Vitamine“).

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So richtig Leben ins Spiel kommt, als Jane ihre Nachbarin Mary (Marina Malfatti) kennenlernt. Die empfiehlt die äußerst befreiende Teilnahme an einer schwarzen Messe, die schon viele Traumata gelöst hätte (hä?). Das läuft so, dass ein Tier abgeschlachtet, Jane sein Blut verabreicht und sie anschließend von einem Dutzend anderen Anwesenden vergewaltigt wird – was sie alles wie betäubt über sich ergehen lässt. Diese Erfahrung scheint ihr tatsächlich erstmal geholfen zu haben (?), doch nun wird Jane immer tiefer in die satanistische Sekte reingezogen. Die Grenzen zwischen Realität und Traum verschwimmen und auch der Blauäugige taucht wieder auf…

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No Way Out

Das ist nun wirklich genau das, wodurch das italienische Kino seinen schlechten Ruf als reine „Kopierfabrik“ bekommen hat. Es ist allzu offensichtlich, dass man hierfür einfach das Drehbuch von Rosemary's Baby genommen. So findet man ein Kinderlied im „La-la-la“-Stil, einen Streit um die Medikamente einer Schwangeren (oder bis-vor-kurzem-Schwangeren), der Ehemann/Freund verschwindet nach der Hälfte der Laufzeit erstmal von der Bildfläche und macht sich nur noch durch schriftliche und telefonische Nachrichten bemerkbar, es stellt sich heraus, dass auch er satanistische Rituale studiert und natürlich nicht zuletzt gibt es satanistische Nachbarn.

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Doch, wie eben auch in Italien üblich, wollte man die Sache dann wohl „verbessern“, indem man sie „spektakulärer“ machte. Also einerseits einfach ein paar Nacktszenen, die nett anzusehen sind, aber im Großen und Ganzen nicht weiter auffallen. Völlig über Bord geht die Stimmung dann jedoch, als Die Farben der Nacht tatsächlich versucht, sich inhaltlich vom Vorbild abzuheben: Was noch Realität und was Albtraum ist, wird irgendwann sehr wirr und sie Interpretationen ändern sich mit einer allzu hohen Frequenz. Was interessant sein könnte, aber da es letztlich leider alles Selbstzweck ist, also nichts bedeutet, interessiert es irgendwann einfach nicht mehr.

Was nicht verhindert, dass der Film durchaus ein Grundmaß an Unterhaltung bietet. Als verfolgtes Opfer am Rande des Nervenzusammenbruchs macht sich Genre-Star Fenech gar nicht mal so schlecht. Ein verstörendes, surreales Element wie die Kontaktlines des stummen Bösewichts verfehlt seine Wirkung ebenfalls nicht und einige der Albträume sind ebenfalls gelungen. Nur die Subtilität des großen Vorbilds fehlt einfach.

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