Der aus dem Regen kam


Originaltitel:
Le passager de la pluie
Jahr:
1970
Eingetragen:
28.08.2012
IMDB-Wertung:
6,9/10

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Meli (Marlène Jobert) ist oft allein, da ihr Mann Tony (Gabriele Tinti) als Linienpilot in der Welt unterwegs ist. Eines Tages heftet sich ein Fremder (Marc Mazza), der gerade frisch mit dem Bus ins Dorf gekommen ist, an ihre Fersen. Abends, als sie bereits zu Bett gegangen ist, dringt er in ihr Haus ein und vergewaltigt sie. Meli meldet das nicht der Polizei (oder erzählt es sonst Jemandem). Stattdessen erschießt sie den Mann und wirft seine Leiche ins Meer.

Damit findet die Sache jedoch kein Ende. Kurz darauf taucht der Amerikaner Harry Dobbs (Charles Bronson) auf. Der weiß anscheinend genauestens über die Vorkommnisse des betreffenden Abends bescheid und setzt Meli unter Druck, ihm auch die letzten Details zu verraten. Doch sie hält, trotz Drohungen und massig eingeflößtem Alkohol, dicht.

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Es kristallisiert sich heraus, dass Harry hinter der roten Tasche des Toten, in der er gestohlenes Geld transportiert haben soll, interessiert ist. An diese kann Meli sich tatsächlich nicht erinnern. Selbst Andeutungen, Tony könne in Schmuggelgeschäfte verwickelt und deshalb in Lebensgefahr sein, bringen sie nicht zum Reden. Erst, als die Leiche wieder am Strand angespühlt und eine andere Frau (Ellen Bahl) des Mordes verdächtigt wird, meldet sich Melis Gewissen...

Die Relevanz des beschriebenen Kriminalfalls lässt sich bestens durch den Namen des Vergewaltigers zeigen, der erst gegen Ende des Films enthüllt wird: MacGuffin. Was jedoch nicht verhindert, dass sich das Mysterium um dessen Identität und Harrys Interesse an der Sache trotzdem sehr gut spannungsfördernd macht.

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Eigentlich dienen die Vorkommnisse als Katalysator für das überfällige Erwachsenwerden „Melis“ (auch der verniedlichende Kosename spricht ja schon Bände). Die schwierige Beziehung zu ihrer Mutter und die ungleiche Rollenverteilung mit Ehemann Tony (der in seinen wenigen Szenen als heißer Anwärter auf den Titel des unsympathischsten Ehemannes der Filmgeschichte gelten darf) haben es bislang verhindert oder zumindest unnötig gemacht, dass sie Jemals Verantwortung für irgendetwas übernehmen musste.

So ist es auch gar nicht ihr Verlangen nach Rache, die sie den Mann umbringen lässt, als sich die Gelegenheit bietet. Ebensowenig ist es ihre Loyalität zu Tony, Harry gegenüber nichts zu verraten. Es ist schlicht und einfach so, dass sie über den Vorfall gar nicht reden kann.

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Diese Kleinkindrolle spiegelt sich in ihrem Haus und ihren Kostümen: Mit ihrer „Love-Love“-Schürze wirkt sie in ihrer sterilen Küche wie die Bewohnerin eines Puppenhauses. Die Auswahl der deutschen Synchronstimme, die den Kleinmädchentonfall bestens drauf hat, tut ihr Übriges (apropos Synchronisation: Bronson wird ein undefinierbarer Akzent verpasst – ob das auch etwas bedeuten soll, ist leider unklar).

Die strukturell und handlungstechnisch ungewöhnliche Art, sich einem solchen Thema zu nähern, macht die Sache erst richtig interessant. Man hätte das als bedeutungsschwangeres, deprimierendes und entsprechend sperriges Drama abhandeln können. Stattdessen gibt es Spannung und sogar Humor, ohne dabei albern oder geschmacklos zu werden, und sogar das Ende ist relativ versöhnlich. Sehr empfehlenswert!

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