Schach dem Roboter


Originaltitel:
Le collectionneur de cerveaux
Jahr:
1977
Eingetragen:
29.08.2012
IMDB-Wertung:
6,1/10

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Der Schachroboter erweist sich als unbezwingbar
Der Comte de Saint-Germain (André Reybaz) bewundert die Pianistin Penny Vanderwood (Claude Jade). Er selbst sieht sich ebenfalls als Künstler. Er baut technisch beeindruckende Roboter; sein letztes Werk: ein Schachspieler (Jean-Pierre Hercé), der spektakuläre Siege einfährt. Penny ist das unheimlich, sind doch solche künstlichen Intelligenzen bis dato unbekannt. Als der Roboter dann auch noch charakteristische Bewegungen und Spieltechniken zeigt, wie Pennys bei einem Autounfall verstorbener Verlobter Robert (Jean-Pierre Granet) sie auch benutzte, wird ihr die Sache endgültig unheimlich.

Roberts Freund und Konkurrent Lewis (François Dunoyer) bricht auf ihren Geheiß in die Gruft ein – Roberts Grab ist leer. Doch andererseits fördert eine Besichtigung der Innereien des Roboters tatsächlich nur Röhren und Kabel zu Tage. Lewis kommt schließlich zu dem Schluss, dass der Roboter einfach durch einen menschlichen Schachmeister ferngesteuert werde. Penny ist trotzdem noch davon überzeugt, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Roboter und dem Verschwinden Roberts bestehen muss. Mangels Alternativen lässt sie sich auf ein gefährliches Spiel ein: Sie geht auf die Einladung des Comtes ein, in seinem von der Zivilisation abgeschnittenen und von zahlreichen Roboterdienern bevölkerten Haus zu verweilen, damit er auf ihrem Vorbild einen Pianistenroboter bauen könne. Wenn sie allerdings Recht hat, könnte das für sie tödlich ausgehen…

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Der Comte plant bereits weitere Menschenmodelle
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Kann eine Maschine jemals die Qualität eines menschlichen Livevortrags erreichen?
Eine große Überraschung dürfte die Auflösung für heutige Zuschauer nicht mehr sein. Schon damals war das Motiv aus zahllosen Frankenstein-Filmen eigentlich altbekannt. Und obwohl der Film selbst ein unerwartet großes Aufheben darum macht, verrät der Originaltitel es ohnehin: Die Roboter sind zwar rein elekromechanisch gebaut, aber anstatt von Elektronengehirnen benutzt der Comte die besonders begabter Menschen.

Das ergibt wissenschaftlich gesehen sogar Sinn, denn es würde bedeuten, dass der Comte den schwierigsten Teil künstlicher Intelligenz, nämlich die Entscheidungsfindung, nicht nachzubilden braucht. Stattdessen muss er „nur“ die Ein- und Ausgabeimpulse des menschlichen Gehirns entschlüsseln. Was natürlich in Wirklichkeit auch noch Niemandem gelungen ist, aber es ist eben eher vorstellbar, als die Hirnfunktion selbst komplett nachzubauen. Völliger Blödsinn in diesem Zusammenhang ist jedoch natürlich, dass die Roboter dann manchmal plötzlich menschliche Züge zeigen und insbesondere der Robert-Roboter auch einige Handlungen vornimmt, die überhaupt nichts mit Schach zu tun haben. Warum solche Sinneseindrücke, die zu diesen unprogrammierten Ausbrüchen führen, überhaupt elektronisch verarbeitet werden, bleibt wohl für immer das Geheimnis des Comtes. Mit anderen Worten: Da fällt das Kartenhaus der wissenschaftlichen Glaubwürdigkeit in sich zusammen.

Die Drehbuchautoren waren also ganz sicher keine Kybernetiker. Doch das überrascht überhaupt nicht, denn schließlich befinden wir uns in französischen Gefilden. Dort ging es Filmschaffenden schon immer mehr um menschliche Befindlichkeiten als Wissenschaft. Solche bietet Schach dem Roboter im Übermaß. So viel, dass es teilweise etwas kitschig wird. Doch trotz kleinerer Schwächen kann man es sich durchaus angucken – unterhaltsames Mittelmaß.

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