12 Uhr mittags


Originaltitel:
High Noon
Alternativtitel:
Zwölf Uhr mittags
Jahr:
1952
Eingetragen:
02.09.2012
IMDB-Wertung:
7,9/10

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Der Richter macht sich davon
Ein ruhiges Städtchen im Westen: Vor einigen Jahren sah das noch ganz anders aus, als der Gangster Frank Miller (Ian MacDonald) mit seiner Bande sein Unwesen trieb. Sheriff Will Kane (Gary Cooper) sammelte seinerzeit die Bevölkerung hinter sich und… machte Miller nicht etwa den Gar aus, sondern brachte ihn vor Gericht. Nun hat dieser jedoch seine Strafe abgesessen und es erreicht Kane die Nachricht, Miller sei auf dem Weg in die Stadt und sei auf Rache aus. Er werde mit dem Zug um 12 Uhr mittags ankommen.

Fuer Kane könnte das nicht ungünstiger kommen. Gerade an diesem Tag wollte er Amy (Grace Kelly) heiraten, eine Quäkerin, die aus relgiösen Gründen jegliche Gewaltanwendung, selbst zur Selbstverteidigung, strikt ablehnt. Er wollte ihr zu Liebe seinen Posten aufgeben. Nun droht sie, ihn mit dem gleichen Zug zu verlassen, mit dem Frank ankommen würde, so er nicht vorher mit ihr aus der Stadt verschwinden wolle. Doch er ahnt, dass Weglaufen nichts brächte, da Frank ihn überall hin verfolgen würde.

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Schließlich trifft der heiß erwartete Mittagszug ein
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Ganz allein auf weiter Flur
Seine Ehe aufs Spiel setzend will er also wieder Freiwillige als Helfer verpflichten – doch diesmal treten ihm seine „Freunde“ und Mitbürger ganz anders gegenüber: Jeder hat eine Ausrede; manche haben einfach Angst, doch teilweise stecken auch ganz egoistische Motive dahinter, wie im Fall von Hilfssheriff Harvey Pell (Lloyd Bridges), der sich durch Kanes Empfehlung bezüglich seiner Nachfolge übergangen fühlt. Doch hinter vorgehaltener Hand kommt es sogar noch perfider: Man munkelt, der berüchtigte Frank könne die örtliche Wirtschaft beleben. Anscheinend ist Ruhe und Ordnung doch nicht alles. Während der Mittag immer näher rückt, wird für Kane langsam klar, dass er völlig allein dasteht gegen Frank und seine ganze Bande…

Häufig wird 12 Uhr mittags als Western für Leute, die sonst keine Western gucken, bezeichnet. Das kann man einerseits nachvollziehen, andererseits aber auch nicht. Ein Grundmaß zumindest der Kenntnis der Konventionen des Genres ist schon notwendig, sonst gibt einem die Parade der verlogenen Kleinstädter, die so überhaupt nicht aufrecht sind und gerecht denken, wenig. Ebenso muss man bei einer solchen Einordnung die (erst später entstandenen) Italo-Western, die einen ganz anderen Wertekanon und Antiheldentypen zelebrierten, ausklammern. Zu dem Ruf den „Anti-Westerns“ ist allerdings anzumerken, dass der Film den Überhelden des Genres, John Wayne, zu wahren Hasstiraden reizte – so falsch kann Regisseur Fred Zinnemann es also gar nicht gemacht haben.

Unabhängig davon ist jedoch sicher: Die Inszenierung dieser Posse (die beinahe in „Echtzeit“ geschieht) ist erstklassig! Treffender wurde menschliche Verlogenheit und Doppelmoral selten karikiert. Der „Endkampf“ ist dann auch alles andere als „aufrecht“, „fair“ oder „ruhmreich“. Und das Verhalten der Bewohner, die, als einer der Kontrahenten schließlich am Boden liegt, wieder aus ihren Häusern ströhmen, setzt dem Ganzen die Krone auf.

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