Graf Zaroff - Genie des Bösen


Originaltitel:
The Most Dangerous Game
Jahr:
1932
Eingetragen:
01.07.2010
IMDB-Wertung:
7,3/10


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Angenehmer Gastgeber
Robert Rainsford (Joel McCrea), begeisterter Jäger und Autor mehrerer Bücher zu diesem Thema, wird nach einem Schiffsunglück an der Küste einer auf allen Karten als unbewohnt verzeichneten Insel angespült. Hier fristet der russische Graf Zaroff (Leslie Banks) mit seinen Dienern ein Eremitendasein. Rainsford ist jedoch nicht der einzige Schiffbrüchige: Auf Zaroffs Burg haben auch Eve Trowbridge (Fay Wray) und ihr Bruder (Robert Armstrong) Unterschlupf gesucht.

Eve erzählt, dass bei ihrer Ankunft sogar noch weitere Personen anwesend gewesen seien, die jedoch nach wenigen Tagen unter mysteriösen Umständen verschwanden. Der Graf verwickelt Rainsford in Fachdiskussionen zum Thema Jagen und macht Andeutungen bezüglich seines besonderen Trophäenzimmers. Er habe sich auf diese Insel zurückgezogen, um das gefährlichste Raubtier der Welt zu jagen. Später stellt sich heraus, was er damit meint: den Menschen. In Rainsford glaubt er, einen Gleichgesinnten gefunden zu haben.

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Geschmackvolle Nachkolorierung
Graf Zaroff läuft fast exakt eine Stunde. Das bedeutet, dass schnell zur Sache gekommen wird. Bevor es ab in die Wildnis der Insel zur Jagd geht, gibt es nur zwei größere Szenen; in beiden wird die Hauptperson jeweils praktisch ohne weiteren Anlass auf ihre „Jagdphilosophie“ angesprochen. Im zweiten Fall ergibt das durchaus Sinn, da der Gegenüber (Zaroff) seine Bücher gelesen hat. In der ersten wirkt es dagegen genau danach, was es wahrscheinlich auch ist: eine Erklärung für den Zuschauer.

So kommen also manche Elemente organischer und manche gestelzter rüber und diese Aussage gilt nicht nur für diese beiden Szenen. Auf der positiven Seite kann der Film jedoch deutlich mehr verbuchen als umgekehrt. Zu erwähnen sind hier einerseits die schon damals klassischen Elemente wie z.B. der kultivierte und hochgebildete Bösewicht mit seinen stummen Handlangern, andererseits aber auch die Direktheit, mit der der Film seine unterschwelligen Themen kommuniziert.

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Gut und Böse sind klar erkennbar
Der Graf hat nämlich seine ganz eigenen Ansichten zur Jagd: Der Akt des Tötens erregt ihn sexuell. Er sieht ihn als Vorspiel zur „wahren sexuellen Erfüllung“. Sein Plan ist es, nach erfolgreicher Jagd gleich noch Fay Wray zu vernaschen (ob sie will oder nicht). Der Ironie, das eigentlich genau Zaroffs Theorie, dass der „Gewinner des Duells“ die Frau „als Preis“ bekommt, in der Schlussszene tatsächlich zutrifft (zumindest andeutungsweise), ist sich der Film dagegen wahrscheinlich noch nicht mal bewusst.

Etwas unspektakulär sind dagegen die Jagdszenen selbst geraten. So wird eingangs zwar von tödlichen Fallen überall auf der Insel geredet, aber man bekommt niemals auch nur eine einzige zu Gesicht. Tendenziell ungeklärt bleibt auch, warum der Graf, als er sein Opfer bereits praktisch eingekesselt hat, wieder abzieht und eine neue Waffe holt.

Dem durchweg positiven Gesamteindruck tut das jedoch keinen Abbruch. Graf Zaroff ist der vielleicht zweitbeste Film über Nekrophilie – sollte man gesehen haben.

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