Lucky Luke: Daisy Town


Originaltitel:
Lucky Luke
Jahr:
1971
Eingetragen:
08.09.2012
IMDB-Wertung:
7/10

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Ungute Elemente halten Einzug in Daisy Town
Daisy Town, eine abgelegene Kleinstadt im amerikanischen Westen, versinkt im Chaos. Die Stadtverwaltung hat der unkontrolliert um sich greifenden Gesetzlosigkeit nichts entgegenzusetzen. Doch, wie es der typische Westernmythos so will, reitet unvermittelt ein schweigsamer Fremder in die Stadt, dessen Schnelligkeit mit dem Colt niemand gewachsen ist: Lucky Luke (Lukas Ammann). Begeistert ernennt der Bürgermeister (Wolfgang Völz) ihn zum neuen Sheriff.

Doch der Frieden hält nicht lange und die nächste Bedrohung lässt sich nicht mit ein paar gezielten Schüssen abwenden. Die Daltons – Joe (Franz Nicklisch), William (Dieter Kursawe), Jack (Jochen Schröder) und Averell (Hans Schwarz) – verbreiten auf eine ganz andere Art Angst und Schrecken. Man kann ihnen kein Verbrechen nachweisen und ihre Opfer sind dermaßen eingeschüchtert, dass sie keine Anzeige erstatten wollen. Als Joe, William und Jack sich sogar in die drei höchsten Ämter der Stadt – Bürgermeister, Richter und Sheriff – wählen lassen wollen, schlägt Luke ebenso trickreich zurück: Er flüstert Averell ein, seine Brüder würden ihn nur ausnutzen und entlarvt so die vier, so dass die Einwohner sie schließlich doch wieder aus der Stadt vertreiben.

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Joe Dalton kann es nicht fassen: Die Indianer wollen ihn an die Behörden ausliefern
Natürlich sinnen die Daltons nun auf Rache und hetzt einen friedlichen Indianerstamm gegen die Siedler auf. Zwar erfährt Lucky Luke von deren Angriffsplan, jedoch zu spät, um noch eine Nachricht an die Kavallerie loszusenden: Die Stadt ist bereits umstellt und jeder Ausbruchsversuch muss als geprügelter Hund oder mit gerupften Federn wieder umkehren. Die Belagerung dauert an, die Vorräte werden knapp – schließlich bleibt doch nur der verzweifelte Ausbruch aus der Stadt. Es kommt zu einer großen, wenn auch überraschenderweise völlig untödlichen Entscheidungsschlacht…

Für die erste Verfilmung des erfolgreichen belgischen Comichelden Lucky Luke bediente man sich nicht explizit bei den bereits veröffentlichten Alben. Diverse Handlungsmotive und sogar komplette Szenen kommen dem geneigten Leser trotzdem bekannt vor: Bereits in den 50er Jahren ließ sich beispielsweise Bösewicht Joss Jamon zum Bürgermeister eines Städtchens und seine Kumpanen in andere Ämter der Exekutive und Judikative wählen.

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Ein weiteres Abenteuer geht zu Ende
Dass sich die, grob gesprochen, drei Episoden (die sogar jeweils explizit mit einer wiederkehrenden Tanzveranstaltung zur Feier des wiedergewonnenen Friedens abgeschlossen werden) trotzdem zu einem sehr stimmigen Gesamtbild fügen, ist jedoch kein Wunder: All dies sind bekannte Clichés des Westerngenres, eben von der verschlafenen Wüstenstadt über die klar typisierten Charaktere bis hin zum Indianerkrieg. Das ist jedoch positiv zu sehen, denn Lucky Luke ist schließlich, in seinen besten Momenten, eine hintersinnige (aber niemals fiese) Satire auf das Genre, lebt also von Anspielungen auf das Bekannte.

Am meisten Spaß hat man mit Daisy Town natürlich, wenn man auch die Selbstbezüge auf die Lucky-Luke-Reihe versteht. Jedoch ist das keine notwendige Voraussetzung: Wenn die Konfrontation zwischen Siedlern, Indianern und Kavallerie zum Zirkus mit verteilten Rollen und die parabolische Konstruktion, in der sich Lukes Anstrengungen zur Rettung der Stadt schließlich zwar als erfolgreich, aber trotzdem nutzlos und ungedankt erweisen, die menschliche Natur entlarvt, dann trifft das humoristisch ins Schwarze. Luke selbst nimmt das mit dem für ihn typischen Gleichmut. Er reitet bereits neuen Abenteuern entgegen.

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