Ben Hur


Originaltitel:
Ben Hur: A Tale of the Christ
Jahr:
1959
Eingetragen:
23.09.2012
IMDB-Wertung:
8,1/10

In den 50er Jahren war eine neue Welle der „Monumentalfilme“ angebrochen. Diese waren üblicherweise entweder biblisch, durch Kriege oder Abenteuerromane motiviert. Ben Hur verbindet diese Quellen: Einerseits geht es, wenn auch nur in wenigen Szenen explizit, um das Leben und Wirken Jesus (Claude Heater), andererseits wird vordergründig aber eine großangelegte Rachegeschichte erzählt, die den Protagonisten Judah Ben-Hur (Charlton Heston) durch beinahe die gesamte am Anfang unserer Zeitrechnung bekannte Welt führt.

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Die beidseitige Freude über das Wiedersehen hält beidseitig nur kurz

Erzählerisch hält man sich dabei größtenteils an das aus der 30 Jahre älteren Verfilmung Bekannte: Der Römer Messala (Stephen Boyd), ein Jugendfreund Ben-Hurs, kehrt als Nachfolger des alten Tribuns (André Morell) nach Jerusalem zurück, doch die beiden leben nun in unterschiedlichen Welten und trotz ihrer Versuche, die alte Freundschaft wiederaufleben zu lassen, kommt es zum unausweichlichen Konflikt, als Messala von Ben-Hur erwartet, dass dieser ihm die Namen jüdischer Verschwörer nennt. Einen Unfall, bei dem der römische Statthalter beinahe verwundet wurde, nimmt Messala zum Anlass, den unliebsam gewordenen jüdischen Prinzen loszuwerden.

Sein Hass auf Messala hält Ben-Hur jedoch auch in seiner neuen Existenz als Galeerensklave am Leben. Als er in einer Schlacht mit Seeräubern dem Befehlshaber Quintus Arrius (Hugh Griffith) das Leben rettet, wird er zu „Quintus Arrius dem Jüngeren“ und so in den römischen Adel eingeführt. Hier macht er sich schnell einen Namen als Rennfahrer im Zirkus.

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Epische Schlachtszenen

Doch weder sein tiefer Respekt für seinen Adoptivvater, der ja immerhin Römer ist, noch sein Starruhm können sein Verlangen nach Rache nicht überschatten. So kehrt Ben-Hur schließlich in sein Heimatland zurück. Dort hat Messala einen ganz ähnlichen Ruhm erworben. Unter der Annahme, dass seine Mutter (Martha Scott) und Schwester (Cathy O'Donnell) in den römischen Kerkern verreckt sind, will Ben-Hur den Römer in der Arena besiegen und demütigen. Das gelingt sogar besser, als er es sich jemals erträumt hat: Beim Anblick des von Pferdehufen zertrampelten, sterbenden Körpers seines früheren Freundes verfliegt Ben-Hurs Durst nach Rache.

Doch Messala hat noch ein As im Ärmel: Er eröffnet Ben-Hur, dass dessen Familie doch noch am Leben ist – sie befänden sich, da an Lepra erkrankt, im Tal der Aussätzigen…

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Für Messala gibt es in der Arena keine Regeln

Seltsam. Obwohl die Geschichte eigentlich sogar insofern gestrafft wurde, dass im Vergleich zur vorigen Verfilmung einige Aspekte komplett gestrichen wurde (so beispielsweise Ben-Hurs Versuch, seine Identität nach seiner Rückkehr so lange wie möglich geheim zu halten oder auch die Aufstellung der jüdischen Armee zum Aufstand gegen die Römer), hat man bei der Laufzeit nochmal eine gute Stunde draufgelegt, so dass die Zuschauer nun einen 3,5-stündigen Schinken verdauen müssen. Das ist natürlich primär darauf zurückzuführen, dass man mittlerweile auch Dialoge jenseits einzelner Texttafeln einbauen konnte. Hier drei Minuten, dort fünf Minuten geredet, und so summiert sich das.

Die von Pathos triefenden Dialoge sind dann ehrlich gesagt auch das, was die beiden Versionen (über die erste Verfilmung breiten wir mal den Mantel des Schweigens…) primär unterscheidet. Sowohl was Akzente, als auch Wortwahl und Satzbau angeht, hat man sich wohl einige Gedanken gemacht. So wirkt Vieles der Zeit, in der die Geschichte spielen soll, angemessen fremd und anachronistisch und es wird implizit eine weitere Ebene genutzt, den Graben zwischen Herrschern und Beherrschten zu zeigen.

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Pontius Pilatus (Frank Thring) wäscht seine Hände in Unschuld

Inhaltlich hat dieses Remake dagegen kaum etwas Neues zu sagen, hinzuzufügen oder anders zu interpretieren. Sicher, Seeschlacht und Wagenrennen sind zweifelsohne nochmal eine Stufe aufwändiger geworden und in Super-Breitbild und Technicolor prächtig anzusehen – doch bei solch geklotzten Szenen nagt langsam im Hinterkopf die Erkenntnis, dass das eigentlich keine Kunst ist, sondern eben „nur“ das Vorhandensein schier endloser Produktionsressourcen und eben das Fehlen inszenatorischer Fehler zeigt. So ist dieser Ben Hur zugegeben (wenn man die Zeit hat) auf einer absoluten Skala gemessen der Beste, aber die relativen Verdienste des Vorgängers bleiben unerreicht.

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