Ben Hur


Originaltitel:
Ben Hur: A Tale of The Christ
Jahr:
1925
Eingetragen:
23.09.2012
IMDB-Wertung:
7,8/10

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Kein Kleckern: „Bedeutsame“ Szenen…
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…wurden in Farbe gedreht.
Um das Jahr Null herum unterdrücken die fiesen römischen Besatzer die geknechtete jüdische Bevölkerung. Man hofft auf den göttlich angekündigten Erlöser. Judah Ben-Hur (Ramon Novarro) begrüßt seinen Kindheitsfreund, den Römer Messala (Francis X. Bushman) in seinem Haus. Doch er muss feststellen, dass von ihrer Freundschaft nichts mehr übrig ist: In seiner neuen Rolle als Zenturio ist Messala primär Herrscher und Ben-Hur Beherrschter. Als bei der Parade des neuen Statthalters durch Jerusalem ein Ziegel vom Balkon Ben-Hurs fällt, nutzt Messala dies, um den unliebsamen einflussreichen Juden loszuwerden: Er legt den Unfall als Attentatsversuch aus und sorgt dafür, dass Ben-Hur als Sklave auf römischen Galeeren den Rest seines Lebens verbringen wird.

Während Ben-Hurs Familie (Claire McDowell und Kathleen Key) in den römischen Kerkern schmoren und sein Sklave Simonides (Nigel De Brulier) gefoltert wird, um den Aufbewahrungsort des Familienvermögens zu erfahren, bewahrt sich Ben-Hur selbst an eine Ruderbank gekettet seinen Stolz. Das fällt auch dem römischen Befehlshaber Quintus Arrius (Frank Currier) auf, der Interesse an dem ungewöhnlichen Sklaven zeigt. In einer chaotischen Seeschlacht rettet Ben-Hur ihm schließlich sogar das Leben.

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Unmenschliche Zustände in der Galeere
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Doch auch draußen sieht es nicht viel besser aus
Zum Dank adoptiert Arrius den ehemaligen Sklaven. In der römischen Gesellschaft macht dieser sich schnell einen Namen als erfolgreicher Rennfahrer von Streitwagen. Doch das Schicksal seiner eigentlichen Familie lässt ihn nicht los und so kehrt er schließlich zurück in sein Heimatland. Dort trifft es sich gut, dass Scheich Ilderim (Mitchell Lewis) gerade einen Fahrer für seinen mit arabischen Hengsten ausgestatteten Wagen sucht und der Hauptgegner im anstehenden Rennen Messala persönlich sein wird – Ben-Hur sieht die Stunde seiner Rache gekommen und am Ende des Rennens ist es trotz unfairer Tricks tatsächlich Messalas Körper, der nach einem Sturz zerstört auf dem Boden der Arena liegt.

Von der Pflicht der persönlichen Rache befreit, wendet sich Ben-Hur nun größeren Dingen zu: Simonides hat das Vermögen der Familie nicht nur vor den Römern retten, sondern in der Zwischenzeit vervielfachen können. Diesen Reichtum möchte Ben-Hur nun in den Dienst des „Königs der Juden“, von dem das Volk begeistert redet, stellen. Er beginnt mit der Rekrutierung einer eigenen Armee, mit der er die römischen Besatzer zu vertreiben gedenkt. Als ihn die Nachricht erreicht, dass dieser König von den Römern verhaftet und verurteilt wurde, ist er bereit zum Sturm auf die römische Garnison… doch die Worte Jesus' auf seinem Weg zur Kreuzigung lassen seinen Hass verfliegen.

Die erste urheberrechtlich autorisierte Verfilmung des in den USA sehr erfolgreichen, gleichnamigen Romans gibt sich getreu dem in der Zeit entstehenden Genremotto „episch“: 2,5 Stunden nimmt man sich Zeit, den plötzlichen Fall, die langsame Wiederkehr, die Rache und schließlich die Läuterung Judah Ben-Hurs zu erzählen. Davon gehen allerdings gleich am Anfang schonmal zwanzig Minuten für die inhaltlich generische Nacherzählung der biblischen Geschichte der Geburt Jesus' drauf. Doch diese Anfangsszenen setzen immerhin technisch die Latte für den Rest des Films hoch: Massenszenen voller professioneller Kostüme und nicht zuletzt teilweise sogar sensationelle Farbaufnahmen!

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Ben-Hur und Messala treffen sich zum Showdown
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Ersterer hat selbstverständlich schneeweiße Pferde
Danach geht es dann sogar mit einem ziemlich hohen Erzähltempo voran. Kaum haben Ben-Hur und Messala sich wiedergetroffen, haben sie sich auch schon zerstritten und schwupps findet ersterer sich auf den Galeeren wieder. Alles spitzt sich natürlich auf die zentralen Actionszenen zu: Der Seeschlacht und dem große Wagenrennen wird ausladende Laufzeit eingeräum und der Aufwand der Inszenierung ist in beiden Fällen über jeden Zweifel erhaben.

Dafür bleibt bei den Charakteren und der erzählerischen Dramaturgie ein wenig auf der Strecke. Das Schicksal Ben-Hurs und seiner Familie wird zu einem runden, kitschigen Ende gebracht. Doch was ist eigentlich mit dem Konflikt um Simonides, Sklave der Familie, der seiner Tochter Esther (Lay McAvoy) zu Liebe zwischendurch nicht eingestehen wollte, dass der „junge Arrius“ in Wahrheit sein Herr Ben-Hur sei? Er gibt seine freie Existenz als geschätzter Händler schließlich aus Pflichtbewusstsein auf und verschwindet damit aus der Geschichte, während Esther noch als generischer Love-Interest ansonsten funktionslos rumhängen darf (wie praktisch, da sie ja ohnehin Ben-Hurs „Besitz“ ist). Da solcherlei Nebenschauplätze, wie auch die Rolle der Prostituierten, die Messala zwischendurch auf Ben-Hur ansetzt, zu keinem Abschluss kommen, muss man sich fragen, warum sie überhaupt im Film berücksichtigt wurden.

Doch auf derlei Kleinigkeiten darf man wohl in einer Geschichte, die sich schließlich angeblich um den Messias und damit eigentlich das Schicksal der gesamten Menschheit drehen soll, wohl nicht zu sehr rumhacken. Über die zweifelsfreie Intention der christlichen Propaganda mag man sich eine eigene Meinung bilden. Filmtechnisch wurden hier allerdings völlig objektiv Maßstäbe gesetzt.

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