Die Brücke am Kwai


Originaltitel:
The Bridge on the River Kwai
Jahr:
1957
Eingetragen:
24.09.2012
IMDB-Wertung:
8,1/10

Der zweite Weltkrieg in Ostasien: Nach der Kapitulation von Saigon geraten zahllose britische Soldaten in japanische Gefangenschaft. Colonel Nicholson (Alec Guinness) und seine Truppe sollen mitten im Dschungel eine strategisch wichtige Brücke bauen. Lagerkommandant Colonel Saito (Sessue Hayakawa) hat seine persönliche Ehre darauf gesetzt, die Brücke bis zum 14. Mai fertigzustellen.

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Ein Gefangenencamp im Nirgendwo

Entsprechend hart springt er mit den Gefangenen um. Dass in der Genfer Konvention festgeschrieben ist, dass gefangene Offiziere keine körperliche Arbeit leisten dürfen, ist ihm gleichgültig. Damit gerät er mit dem Regelfanatiker Nicholson aneinander. Trotz Todesdrohungen und wochenlanger Folter steht Nicholson mit eiserner Disziplin zu seinen Grundsätzen. Gleichzeitig gehen die durch die gemeinen Soldaten durchgeführten Arbeiten nicht zufriedenstellend voran. Saito muss, nur noch sehr schwach sein Gesicht wahrend, nachgeben.

Bald erkennt er jedoch, was er an Nicholson hat: Selbst den Gedanken an Fluchtpläne verbietet der pflichtbewusste Brite seinen Leuten. Und was die Brücke angeht, stellt er sogar die planerischen Fähigkeiten seiner ingenieurtechnisch bewanderten Offiziere nun ganz in den Dienst der Sache. Die Arbeit geht nun besser voran, als jemals erträumt, Nicholson selbst ist es, der Arbeitszeiten und -quoten erhöht und sogar das Lazarett „plündert“. Die weitere Demütigung Saitos, dass Nicholson irgendwann sogar de facto die Einsatzplanung der japanischen Soldaten übernimmt, muss dieser über sich ergehen lassen, da dies die einzige Möglichkeit, den Zeitplan doch noch zu halten, zu sein scheint.

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Ganz bestimmt nicht vereinbar mit der Genfer Konvention: Isolierhaft in glühender Hitze im Metallkäfig

Was Nicholson jedoch auch nicht ahnt: Der britische Colonel Green (André Morell) hat einen kleinen Kommandotrupp, bestehen aus Major Warden (Jack Hawkins), Commander Shears (William Holden) und Lieutenant Joyce (Geoffrey Horne) in den Dschungel geschickt, um eben jene Brücke sofort nach Fertigstellung wieder zu sprengen, da sie einen befürchteten großangelegten japanischen Angriff auf Britisch-Indien begünstigen würde…

Auch, wenn tatsächlich viele Personen auftreten und auch zeitlich gesehen große Rollen einnehmen, ist Die Brücke am Kwai doch primär ein Psychogramm des besessenen Colonel Nicholson. Erst erscheint er als großer Held, der für die Prinzipien des „geregelten Krieges“ eintritt, die eigene Qual und sogar ernste Todesgefahr in Kauf nimmt, um sich für seine Männer einzusetzen. Diese feiern ihn für diese Charakterstärke – zu Recht.

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Unter Nicholsons Leitung geht der Brückenbau gut voran

Doch seine Pflichterfüllung geht eben nicht nur in die Richtung, seinen Gegner an dessen Pflichten zu erinnern. Auch seinen eigenen Leuten gegenüber fordert er die gleiche Disziplin ein. Während diese, eigentlich ganz nachvollziehbar, die von den Japanern aufgetragenen Aufgaben nur so erfüllen zu gedenken, wie es gerade notwendig ist, und jede Gelegenheit nutzen, den Bau selbst unauffällig zu sabotieren, appelliert Nicholson an die „britische Ehre“: Für ihn gehört es auch dazu, sich an die Regeln für Kriegsgefangene zu halten, und zwar exaktestens nach den Buchstaben des „Gesetzes“.

Im Laufe der Zeit wird ihm sogar klar, dass diese Brücke einen nicht zu verachtenden Prestigewert haben wird. Er sieht in ihr also die Chance, sich selbst in diesem Teil der Welt zu verewigen. Und treibt seine Leute deshalb zu sogar noch besserer Arbeit an – selbst, wenn sie dem Kriegsgegner zu Gute kommt. Von außen betrachtet, also aus Perspektive des heranrückenden alliierten Kommandotrupps, ist dies eine völlige Verblendung. Der für sie wahnsinnig wirkende Nicholson versucht am Ende sogar, die Sabotageaktion auffliegen zu lassen und eigenhändig zu verhindern.

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Nicholson findet ein Sprengkabel – und kann es nicht fassen

Doch so seltsam das aus Beobachtersicht wirken mag, ergibt es menschlich gesehen trotzdem Sinn: Eingesperrt in einem Mikrokosmos fallen Menschen schnell auf völlig andere Denkmuster und Prioritäten zurück; die „globale Sicht“, um die man sich ansonsten bemüht, geht verloren. Für Nicholson zählt in diesem Moment nur noch „sein“ Werk, und dass Jemand dieses zerstören will, ist für ihn eine inakzeptable und nicht nachvollziehbare Vorstellung. Und das sagt mehr über Menschen und sogar den Krieg aus, als jede endlose Inszenierung blutiger Schlachten.

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