Reise in die Urwelt


Originaltitel:
Cesta do Praveku
Alternativtitel:
Journey to the Beginning of Time
Jahr:
1955
Eingetragen:
29.09.2012
IMDB-Wertung:
7,5/10

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Ein nicht geringer Anteil derjenigen Filme, die es überhaupt aus dem „Ostblock“ in die USA schafften, wurden dort nicht nur umsynchronisiert, sondern sogar umgeschnitten. Teilweise bis zur Unkenntlichkeit, so dass streng genommen komplett neue Filme aus dem Rohmaterial entstanden. Der Übergang von der geringen Bearbeitung zur kompletten Neugestaltung ist jedoch natürlich fließend.

Die US-Version in diesem Fall nennt sich Journey to the Beginning of Time. Offensichtlich wurden für diese Fassung ein neuer Anfang und ein neues Ende gedreht. Sehr auffällig sind die (anderen) Darsteller in diesen Szenen immer nur von hinten zu sehen. Das Ende geht so weit, eine christliche Interpretation dranzupappen, die im tschechischen Original, das wissenschaftlich korrekt die Evolution des Lebens zum Thema hat, überhaupt die vorkommt. Solche „Ketzerei“ konnte man amerikanischen Kindern wohl nicht zumuten. Der Hauptteil des Films scheint jedoch intakt geblieben zu sein.

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Der dreht sich um vier geschichtsbegeisterte Jungen (Josef Lukáš, Petr Herrmann, Zdeněk Husták und Vladimír Bejval) mit ausgeprägtem Interesse an Fossilien, die bei einem Bootsausflug in eine mysteriöse Höhle rudern und sich auf der anderen Seite plötzlich in einer Urwelt wiederfinden. Sie treffen auf prähistorische Tiere, wie Mammuts und Säbelzahntiger. Auch Spuren eines Urmenschen (eine Steinaxt, Höhlenzeichnungen eines Wisents) finden sich. Je weiter die vier auf dem Fluss reisen, desto weiter scheinen sie in der Zeit zurückzureisen. So laufen ihnen schließlich sogar Dinosaurier über den Weg und die Reise endet schließlich dort, wo alles Leben einmal begann: am (im) Meer.

Beiden Versionen ist gemein, dass die Rahmenhandlung als Motivation sehr schwach ist und eine Erklärung, warum wie es zu dieser Reise kommt, überhaupt nicht erst versucht wird. Die Originalversion ist in diesem Zusammenhang immerhin „rund“, da es motivationstechnisch mit der Frage der Entstehung eines Fossils losgeht, zu dem dann am Ende das Original gefunden wird. Über das schwachsinnige Geschwurbel der geänderten Fassung breitet man dagegen lieber den Mantel des Schweigens.

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Doch so unvermittelt die eigentliche Geschichte der Reise dann losgeht, so zieht sich der fehlende Spannungsbogen durch den Rest des Films. Das Vierergespann trifft eben immer wieder weitere Tiere, zu denen der Schlaumeier der Truppe dann belehrende Erklärungen aus dem Off abgibt. Manchmal sind die Tiere aus dem sicheren Abstand des Boots aus zu sehen, manchmal gibt es kleine Gefahrensituationen, in denen einer einer oder mehrere verfolgt oder sonstwie bedroht werden. Ein ernsthaft aufgebauter übergreifender Spannungsbogen ist einfach nicht zu erkennen.

Da es sich inhaltlich also eher um einern nur gering getarnten „Lehrfilm“ für Kinder handelt, der abgesehen davon, dass es in früheren Epochen der Erdgeschichte mal leicht anders aussehende Tiere gab, keine Einblicke bietet, muss man eigentlich nur noch über die Aufmachung sprechen. Die Tiertrickaufnahmen sind größtenteils ganz kompetent und charmant gemacht. Einzig die Alligatoren fallen raus; sie erinnern unangenehm an Frau Mahlzahn aus der Augsburger Puppenkiste. Ansonsten kann man sich nicht groß beschweren – aber wer kein oder wenig Interesse an nostalgischer Tricktechnik hat, ob jung oder alt, wird sich langweilen, denn das, was inhaltlich geboten wird, weiß heutzutag eh jedes Kind (es sei denn, es wächst in den USA auf…).

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