An Enemy to Die For


Originaltitel:
En fiende att dö för
Jahr:
2012
Eingetragen:
07.10.2012
Bearbeitet:
07.04.2013
IMDB-Wertung:
5,8/10

Allzu häufig wähnen sich Wissenschaftler jenseits politischer oder sogar moralischer Fragen. Insbesondere technische und naturwissenschaftliche Erkenntnisse werden als „wertneutral“ und damit universell angesehen und bezeichnet. Erst die Anwendung der Technik sei schließlich moralisch zu bewerten. Manchmal ist das eine Schutzbehauptung zur Bemäntelung impliziter Absichten, häufig jedoch durchaus wahre Überzeugung. Doch dieser selbsterrichtete Elfenbeinturm zerbricht nur allzu schnell, sobald sich moralisch weniger zurückhaltende Kräfte Zugriff auf die verfügbaren Ressourcen verlangen.

Das muss auch eine Gruppe Wissenschaftler erfahren, die im August 1939 auf eine Expedition in Richtung Nordpol aufbricht. Eigentlich soll es darum gehen, die Theorie Alfred Wegeners zur Kontinentalverschiebung zu bestätigen. Doch am 1. September erklärt das Deutsche Reich, nicht unerwartet, Polen den Krieg; und als zwei Tage später die Kriegserklärung Großbritanniens und Frankreichs an Deutschland folgt, können auch die deutschen Expeditionsleiter (Axel Prahl und Jeanette Hain) nicht mehr mit gutem Gewissen behaupten, es handele sich um eine „interne Angelegenheit“.

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Noch verläuft die Expedition harmonisch und man ist guter Dinge

Während die britischen (Allan Corduner und Tom Burke) und schwedischen (Richard Ulfsäter) Wissenschaftler sowie der norwegische Kapitän (Sven Nordin) noch mit ihren Loyalitäten hadern und die russische Besatzung sich teilweise um in Polen ansässige Verwandte sorgt, bekommen die Deutschen einen verschlüsselten Befehl vom Kriegsministerium zugestellt: Sie sollen die an Bord verfügbaren Explosivkörper einsetzen, um ein unbewaffnetes deutsches Transportschiff (und damit die darauf befindlichen Menschen) vor dem Zugriff der britischen Marine zu retten. Leben zu retten, das erscheint manchen vorstellbar, auch wenn es natürlich streng genommen ein Kriegsakt wäre. Doch haben sie tatsächlich alle Informationen? Eine Person an Bord weiß tatsächlich mehr, und es ist nicht diejenige, von der man es erwartet hätte…

Schade eigentlich, dass da anscheinend der Mut fehlte, den Film komplett auf leisem Boden zu Ende zu bringen; stattdessen bewegt man sich immer mehr in Richtung James-Bond-Abenteuer, inklusive der entsprechenden Bösewichtsklasse.

Das ist zweifellos spannend, im Rahmen der zur Verfügung stehenden technischen und finanziellen Möglichkeiten sehr intelligent inszeniert (die Einschränkung auf den Handlungsraum des kleinen Schiffes wäre da primär zu nennen) und die Charaktere (abgesehen von dem Bösewicht) erhalten sich trotzdem ihre dreidimensionale Menschlichkeit. Nur tritt letzterer Aspekt der realistischen Grauzeichnung eher in den Hintergrund, wenn sich der nun auserkohrene „Held“ mal eben im eiskalten Wasser nicht nur an einer Leine des fahrenden Schiffes festhalten, sondern auch noch an ihr hochziehen kann und der Plan des Bösewichts so einfach überhaupt keinen Sinn ergeben will: Was sollte bitte die Motivation des „guten“ Schweden sein, die Sprengladungen im Sinne der Bösewichte verteilen?

So ist An Enemy to Die For ein unterhaltsamer Film, der zweifellos immer noch tiefergehende Fragen stellt, als der meiste Kram, der einem so im Kino vorgesetzt wird, aber es wäre doch auch noch viel mehr drin gewesen.

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