Sein oder Nichtsein

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Originaltitel:
To Be or Not to Be
Jahr:
1942
Eingetragen:
25.11.2012
IMDB-Wertung:
8,2/10

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„Sein oder Nichtsein“
August 1939: Das Warschauer Staatstheater bereitet eine Nazi-Farce vor, in der sogar Hitler persönlich auf die Schippe genommen werden soll. Das Außenministerium verbietet jedoch die Aufführung, um den aggressiven Nachbarn nicht zu verärgern. So läuft stattdessen weiter „Hamlet“; in der Hauptrolle: Joseph Tura (Jack Benny). Dessen Ego wird wiederholt dadurch verletzt, dass ausgerechnet, wenn er zu seinem Monolog ansetzt („Sein oder Nichtsein“), regelmäßig der junge Bomberpilot Sobinski (Robert Stack) sich von seinem Platz erhebt und den Saal verlässt. Was Tura in seiner egozentrischen Art nicht ahnt ist, dass Sobinski immer das gleiche Ziel hat: Er trifft sich während der langen Szene mit Maria Tura (Carole Lombard), Josephs Ehefrau, in deren Garderobe!

Dann bricht der Krieg aus, die polnische Armee wird überrannt und Sobinski flieht ins englische Exil. Das Theater wird geschlossen, doch bald bekommen das nun arbeitslose Ensemble eine neue Aufgabe: Professor Alexander Siletsky (Stanley Ridges), ebenfalls Exilpole, kehrt auf Geheimmission nach Warschau zurück. Sobinski hat entdeckt, dass der Professor als Doppelagent mit den Nazis kollaboriert. Es muss verhindert werden, dass er seine Informationen über den polnischen Widerstand der Gestapo um Gruppenführer Ehrhardt (Sig Ruman) zuspielen kann. So holt die Truppe um Tura ihre schon eingemotteten Naziuniformen aus den Schränken und es beginnt ein ausgefuchstes Verwirrspiel um Identitäten…

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Wer sind nun die echten Nazis?
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„Springen Sie!“
Nach dem Krieg eine solche Nazi-Farce zu inszenieren wäre mehr als gefällig gewesen. Während des Krieges trauten sich das dagegen nur wenige. Regisseur Ernst Lubitsch zieht ohne Rücksicht auf Verluste alle Register mit einer Subversivität, die selbst heute kaum jemals mehr erreicht wurde.

So wählt er eine Methode, die in dem Sinne ungewöhnlich ist, dass sie leider nur selten angewendet wurde, sich aber als desto wirkungsvoller erweist: Anstatt die Bösewichte als unmenschliche Monster zu charakterisieren, werden sie zu allzu menschlichen Witzfiguren. Ehrhardt, als primärer Repräsentant, ist ein der Inbegriff des schwächlichen und unfähigen Mittelmaßes; ein Bürokrat, der versucht Karriere zu machen, aber bei seinen Anbiederungsversuchen in jedes erdenkliche Fettnäpfchen tritt. Professor Siletsky ist da schon ein ernstzunehmenderer Gegner, doch auch er hat seine menschlichen Schwächen. In seinem Fall sind es die Frauen, so dass auch Marias Schauspieltalent ausgiebig zum Einsatz kommt. Für das Nazitum allgemein hat Lubitsch nur den Kommentar übrig, dass man sich ihnen gegenüber aus jeder verzwickten Situation retten kann, indem man anlasslos einfach „Heil Hitler“ brüllt.

Dadurch werden diese Figuren und der Humor schon recht zeitlos, da es trotz des plakativen Nazihintergrunds primär um karikaturell überzogene typische Charakterzüge geht. Endgültig zum Klassiker, den man sich auch in Jahrzehnten noch ansehen können wird, wird Sein oder Nichtsein jedoch dadurch, dass auch die vordergründigen „Guten“ nicht ausgespart werden: Joseph Turas Arroganz und Eifersucht bringen mehrfach die Mission in Gefahr, andere seiner Kollegen streiten sich um die besten „Rollen“ usw. Auch sie sind Menschen und das macht sie nur sympatischer. Wer will schon endlosen Pathos und aalglatte Heldenfiguren?

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