Der Kuss vor dem Tode


Originaltitel:
A Kiss Before Dying
Jahr:
1991
Eingetragen:
31.12.2012
Bearbeitet:
30.03.2013
IMDB-Wertung:
5,7/10

Ira Levins Romane waren für Hollywood eigentlich immer eine sichere Bank. Sein Debüt Der Kuss vor dem Tode war bereits in den 50er Jahren verfilmt worden. 35 Jahre später gönnte man sich ein Remake… das nicht einhellig positiv aufgenommen wurde, aber ohne eine völlige Katastrophe zu sein.

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Früher Abgang des ersten Zwillings

Eine mindestens kontroverse Entscheidung: Die Geschichte wurde in die Gegenwart verlegt. Das ist schwierig, da die Geschichte auf moralischen Wertvorstellungen der 50er Jahre fußt: Jonathan Corliss (Matt Dillon) will schnell und unkompliziert zu Geld kommen und gedenkt dies durch eine finanziell vorteilhafte Heirat zu verwirklichen. Er scheint seinem Ziel bereits sehr nahe, denn Dorothy (Sean Young) ist nicht nur heiratswillig, sondern auch Erbin eines Großindustriellen (Max von Sydow). Doch der, und damit verabschiedet sich die Handlung eigentlich wieder aus den 90er Jahren, hat beinahe altertümliche Ansichten, so dass Jonathan fürchtet, dass wenn die Sache mit Dorothys Schwangerschaft (unverheiratet!) herauskommt, sie enterbt werden könne. So bringt er sie um. Praktischerweise hatten die beiden ihre Beziehung völlig geheim gehalten, so dass keinerlei Verdacht auf ihn fällt.

Anschließend bandelt Jonathan, der sich jetzt „Jay“ nennt, mit Zwillingsschwester Ellen an. Diesmal läuft die Sache besser, es kommt zur Hochzeit und Jonathan macht Karriere in der Firma seines Schwiegervaters – was allerdings die Beziehung mit Ellen sehr belastet. Diese hat ohnehin noch nicht mit dem angeblichen Selbstmord ihrer Schwester abgeschlossen und stellt eigene Ermittlungen an. Tatsächlich melden sich einige Zeugen, die die Identität Dorothys mysteriösen Freundes aufdecken könnten. Jonathan muss auch sie beseitigen, doch wie lange kann das noch gutgehen?

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Der Feind in meinem Bett

Aber: Wie zum Teufel kommt es überhaupt zu all diesen Verwicklungen? Nur durch die absurde Annahme der angeblich bevorstehenden Enterbung. Die wird jedoch kaum bis überhaupt nicht motiviert. So dass man sich die Frage stellt: Wieso hat man die Handlung nicht einfach in den 50er Jahren belassen? Schon wäre das kein Problem mehr gewesen!

Ansonsten ist die Inszenierung solide gelungen. So richtig gut will sie aber auch nicht werden. Klassische Suspensesequenzen werden einfach verschenkt: Als Jonathan beispielsweise eine Leiche in einem Koffer aus einem Hotel abtransportieren will, drängt sich ihm ein Trinkgeld erhoffender Page auf. Sehr unangenehm angesichts des Inhalts des schweren Koffers. Wieso wird eine solche Szene nicht ausgespielt, sondern dauert nur 20 Sekunden?

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Zweifellos hat auch Vertigo ein Doppelgängermotiv und einen scheinbaren Selbstmord, aber in dem Vergleich kommt Der Kuss vor dem Tode nicht gut weg

Dann ist da die Sache mit den Darstellern. Außer Dillon und Young ist keine Rolle bedeutend genug, überhaupt im Gesamtbild relevant zu wirken. Dillon ist akzeptabel, aber gewohnt blass. Young… tja, die war noch nie eine gute Schauspielerin. Ihr Gesichtsausdruck in der obligatorischen „Frau muss Sex mit Ehemann, von dessen Verbrechen sie bereits weiß, haben, damit er keinen Verdacht schöpft“ ist schon (im unfreiwillig komischen Sinne) sehenswert. Andererseits muss man die doppelte Vergabe der goldenden Himbeere (als Dorothy und Ellen) zweifellos schon politisch interpretieren: Sie wurde zu der Zeit immer noch als Star gehandelt, da macht die Häme natürlich mehr Spaß als bei kleineren, aber objektiv noch viel schlechteren Produktionen.

Alles in Allem also ein Film, den man sich bei Langeweile im Fernsehen ruhig mal anschauen kann, von dem man aber nicht allzu viel erwarten sollte.

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