Dead Angel - Einbahnstraße in den Tod


Originaltitel:
Una gota de sangre para morir amando
Alternativtitel:
Murder in a Blue World
Jahr:
1973
Eingetragen:
31.12.2012
IMDB-Wertung:
5,7/10

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Soweit, so unoriginell
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Der schönste Moment seines Lebens (bis zum Skalpell)
Eines kann man der spanisch-italienischen Filmkopierfabrik verganener Jahrzehnte nicht absprechen: Mut. Mit Dead Angel, im englischsprachigen Raum passend als Murder in a Blue World vermarktet, versuchte man sich tatsächlich an Kubricks Uhrwerk Orange: Hier wie dort treiben gewalttätige Jugendbanden (Antonio del Real, Christopher Mitchum und Ramón Fernández Tejela) ihr Unwesen in einer nahen Zukunft (eine der ersten Szenen, in der eine solche in das Haus eines gutbetuchten Ehepaars eindringt, kommt einem doch verdammt bekannt vor), während die Wissenschaft im Auftrag der korrupten Staatsgewalt an unfehlbaren Umkonditionierungsmethoden arbeitet.

Führend auf letzterem Gebiet ist Dr. Victor Sender (Jean Sorel). Doch als die eigentliche Protagonistin stellt sich seine Freundin Ana Vernia (Sue Lyon), die unauffällige Krankenschwester heraus: Diese setzt sich aufopferungsvoll für ihre Patienten ein, hat aber noch eine geheime Nebenbeschäftigung. Nachts geht sie aus, lacht sich Männer an, nimmt sie mit nach Hause und ermordet sie mit einem Seziermesser.

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Dr. Sender ist stolz auf seine Fortschritte in der Anti-Aggressionstherapie
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Doch auch Ana arbeitet in dieser Klinik
Ihr Weltbild, dass das motiviert: In dieser „perfekten“, aber eben völlig gleichgeschalteten (und damit mittelmäßig-langweiligen) Welt bereite sie diesen Männern die schönsten Momente ihres Lebens. Was drehbuchtechnisch gar keine schlechte Idee ist: Anas gewalttätige Psychose ist nichts als die Reaktion auf die von höchster Stelle betriebenen Versuche der gesellschaftlichen Gleichmacherei. Was hier in einer eigenen Variation dargestellt wird, ist also motivisch durchaus im Kubrick'schen Sinne: ein Plädoyer für den Individualismus.

Sue Lyon als unschuldig anmutenden, blonden Todesengel (oder laut deutschem Titel ein – innerlich – „toter Engel“) zu inszenieren ist bestens geglückt. Traumwandlerisch stolziert sie durch die Szenen, in denen sie in ihrem „eigentlichen“ Leben aufblüht, während sie sich sonst eben besonders klein und unauffällig im Hintergrund aufhält und den von sich selbst überzeugten Herren die Bühne überlässt. Bemerkenswert auch ihr Hang zu übertriebenen Verkleidungen (motivisch: die fehlende eigene Identität). Mögen auch einige Dinge sehr dreist geklaut sein, so ist das Schöne an solchen Imitaten früherer Zeiten doch, dass sie immerhin nicht nur den Mindestanstand, sondern auch das notwendige Maß an Kreativität hatten, eine in der Summe eigene Vision aufzubauen.

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