Der schöne Körper der Deborah


Originaltitel:
Il dolce corpo di Deborah
Jahr:
1968
Eingetragen:
02.01.2013
Bearbeitet:
09.02.2014
IMDB-Wertung:
6/10

Deborah, gespielt von Carroll Baker und damit zweifellos attraktiv, ist eine reiche Amerikanerin. Sie ist frisch verheiratet mit Marcel (Jean Sorel). Die beiden befinden sich auf ihrer Hochzeitsreise durch Europa. Entsprechend oft ziehen sie sich in diverse angemietete, luxuriöse Schlafzimmer zurück. Den Titel kann man trotzdem nur als unseriös effektheischerisch bezeichnen, denn weder sind jene Szenen sonderlich explizit, noch spielt Deborahs Körper eine entscheidende (oder auch nur nebensächliche) Rolle in der Handlung; sie hätte beliebig anders aussehen können; Haut voller Warzen, ein Bein amputiert – keinerlei Anpassungen im Drehbuch notwendig deswegen!

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Körperbesitzerin Deborah spricht mit ihrer Mutter – Marcel ist genervt

Tja, wonach nun klar ist, worum es nicht geht… tatsächlich beschäftigt sich der klassische Krimi mit einem Geheimnis in Marcels Vergangenheit. Die erste Station der Hochzeitsreise ist nämlich seine Heimatstadt Genf, wo das erneute Zusammentreffen mit dem alten Bekannten Philip (Luigi Pistilli) unangenehmes zu Tage fördert. Vor seiner Zeit in den USA (wo er Deborah kennenlernte) war Marcel nämlich, so berichtet er, mit einer gewissen Suzanne (Ida Galli) liiert. Die sei, so Philips Meinung, über die Trennung von Marcel niemals hinweggekommen und habe deshalb vor einem Jahr Selbstmord begangen – weshalb Philip Marcel des Mordes beschuldigt. Es folgen anonyme Drohanrufe (man geht natürlich davon aus, dass Philip dahintersteckt, kann aber nichts beweisen) sowie andere seltsame Vorkommnisse. Auch durch Weiterreise in andere Städte scheint sich Philip nicht abschütteln zu lassen. Die Polizei ist hilflos, da ja streng genommen nichts vorgefallen sei, aber Deborahs Psyche leidet zusehends.

Soweit die Theorie. Tatsächlich plätschert der Film recht ziellos dahin, von Einzelereignis zu Einzelereignis ohne richtige Linie. Dazwischen wird viel zu viel Zeit mit nicht verwertbarem Füllmaterial verschwendet. Bis zum Ende… ja… das Ende, oder besser gesagt „die Enden“. Die man leider erstmal komplett verraten muss, um überhaupt etwas Fundiertes dazu sagen zu können.

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Alle folgenden Anrufe verheißen Böses

Dass ein Ehepartner tatsächlich den anderen aus Habgier um die Ecke bringen möchte, ist ja beileibe nichts Neues. Hundertmal gesehen. Doch hier wird noch einer draufgesetzt: Beide haben genau diesen Plan! Marcel inszeniert diese ganze Geschichte mit Philip und (der quicklebendigen) Suzanne, um schließlich den Selbstmord Deborahs glaubwürdig vortäuschen zu können. Das ergibt… überhaupt keinen Sinn! Erstens, weil all diese Psychospielchen doch primär auf ihn selbst abzielen, nicht auf Deborah, die das alles nur periphär betrifft. Da spekulieren die drei doch etwas zu sehr auf ihre Empathie. Zweitens stellt sich nachher heraus, dass Marcel, entgegen seiner eigenen Aussagen, überhaupt nie bei der Polizei gewesen ist. Wenn er jedoch die angebliche Paranoia seiner Frau niemals aktenkundig gemacht hat, hilft sie ihm doch nachher auch nicht, um den angeblichen Selbstmord glaubwürdig zu machen!

Doch auch, wenn Marcels Plan völliger Blödsinn ist, ist er immer noch besser als der Deborahs. Denn sie hat… überhaupt keinen! Sie hat, wie sich herausstellt, ebenfalls einen Komplizen, Robert (George Hilton), der nach zwei mysteriösen Auftritten vorher erst ganz am Schluss zum richtigen Einsatz kommt. Das ganze verläuft so: Während Marcel sich rar gemacht hat, dringen Philip und Suzanne in Deborahs angemietete Villa ein. Der Schock ihres Auftauchens (sie hält beide für tot, da Marcel Philip vorher in einer absurden Szene „in Notwehr“ erstochen hat, aber die beiden sich einig waren, nicht die Polizei zu benachrichtigen) lässt sie in Ohnmacht fallen. Die Eindringlinge flößen ihr einen Medikamentencocktail ein und ritzen an ihren Pulsadern herum, damit sie ausblutet. Als Marcel wie abgesprochen zurück nach Hause kommt, findet er in seinem Bett jedoch nicht Deborahs Leiche, sondern den lebendigen Robert, der per Telefon dafür sorgt, dass die Polizei Marcels Geständnis mitbekommt und ihn anschließend erschießt, so dass Deborah die Lebensversicherungssumme kassieren kann (denn, so sagt sie ganz am Ende, man könne schließlich nie genug Geld haben – eine der wenigen guten Dialogzeilen des Films).

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Was mag Deborah Geheimes mit Philip zu bereden haben?

Sollen wir als Zuschauer also glauben, dass Deborah und Robert die ganze Zeit von Marcels Plan wussten? Was hätten die beiden denn gemacht, wenn Marcel ein „normaler“, nicht mörderischer Ehemann gewesen wäre? Dann hätte man wohl nicht nur passiv abwarten können. Überhaupt geht Deborah, selbst unter der Annahme, dass sich Robert permanent versteckt in ihrer Nähe befindet, ein unkalkulierbares Risiko ein. Spätestens, als Philip ihr eine tödliche Dosis Gift einflößt und mit der Rasierklinge an ihr herummacht, wäre doch wohl jede theoretische Eingreifmöglichkeit nutzlos gewesen. Nein, damit noch nicht genug: Philip und Suzanne blieben noch zehn Minten bei ihr im Haus, um sicherzugehen, dass sie tatsächlich ausblutet! Von Robert keine Spur. Und was, wenn Marcel nicht versucht hätte, Robert zu erschießen, so dass dieser „geplant in Notwehr“ zurückschießen kann? Wie kommt die Polizei überhaupt dazu, einen scheinbar völlig Unbeteiligten (Robert) auf Marcel anzusetzen? Fragen über Fragen…

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„Warum hast du die böse Tyrannin gerettet nach all den schlimmen Dingen, die sie getan hat?“ – „Ein Engel hat kein Gedächtnis“ (Barbarella)

Handlungen mit solchen Schlusswendungen laden natürlich dazu ein, gewisse frühere Szenen nochmal in einem neuen Licht zu interpretieren. Einiges relativiert sich dadurch, wie beispielsweise die ungewöhnlich schlechte schauspielerische Leistung Carroll Bakers in einigen Szenen – ist wohl so gemeint, dass es dann jeweils Deborah ist, die etwas vorspielt. Die erste Szene, in der Robert (da noch namenlos) auftaucht ist im Rückblick ebenfalls gelungen: Schon da wurden einem als Zuschauer eher vermittelt, dass die beiden recht vertraut zu sein scheinen, obwohl Deborah betonte, sie kenne ihn nicht. Ihr zweite gemeinsame Szene dagegen… die beiden befinden sich allein (unbeobachtet) in der von Deborah angemieteten Villa. Was zum Teufel reden die da? Es ergibt einfach keinen Sinn vor dem Hintergrund der Auflösung!

Leider gibt es immer wieder solche Filme, die zwar ein ganz nettes, kleines Handlungsmotiv haben (zwei Mörder mit ähnlichen Methoden treffen aufeinander), dieses aber überhaupt nicht entwickeln. Es bleibt einfach der einzige wirklich gute Moment des Films, und selbst der ist aufgrund des fehlenden Sinns der gesamten Vorgeschichte sauer. Eine halbwegs originelle Idee trägt noch keinen Film. Deshalb gibt es beispielsweise auch Kurzgeschichten und nicht nur Romane.

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