The Dark is Death's Friend


Originaltitel:
L'assassino è costretto ad uccidere ancora
Alternativtitel:
The Killer Must Kill Again
Jahr:
1975
Eingetragen:
05.01.2013
Bearbeitet:
06.01.2013
IMDB-Wertung:
6,6/10

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Der Eindruck täuscht: Giorgio und Norma haben sich nichts mehr zu sagen
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Mit dem Killer heckt Giorgio den Tod seiner Frau aus
Manchmal entstehen an den „historischen“ Übergängen zwischen stilistischen Trends interessante Mischwerke, die inkompatibel angenommenes nahtlos zu vereinen wissen. Doch meist gehen solche Sachen in die Hose – wie in diesem Fall. Der spezielle Grund: Das „alte“ und das „neue“ greift einfach überhaupt nicht ineinander; beide Ebenen existieren nebeneinander und können so ins der Gesamtheit weder Fans der einen, noch der anderen Richtung überzeugen.

Das „alte“ ist in diesem Fall Hitchcocks Bei Anruf Mord: Aus finanziellen Gründen möchte Giorgio (George Hilton) seine Frau Norma (Tere Veláquez) um die Ecke bringen. Da trifft es sich gut, dass er eines Abends auf dem Weg zu seiner Geliebten beobachtet, wie ein irrer Killer (Antoine Saint-John) sein letztes Opfer mitsamt Auto im Hafen versenkt. Er bringt dessen Feuerzeug an sich (Der Fremde im Zug) und gibt dem Unbekannten nun zwei Optionen: Entweder, Giorgio geht zur Polizei oder der Mörder nimmt sich seinem Problem an – und erhält noch einen kleinen Teil der Versicherungssumme obendrauf.

Während Giorgio sich auf einer Party ein wasserdichtes Alibi verschafft führt der Killer sein Werk (in Ermangelung eines Seidenstrumpfes) mit einem Telefonkabel durch. Er lädt die Leiche zum Abtransport in den Kofferraum, geht kurz zurück, um noch etwas in der Wohnung zu richten und… das Auto ist verschwunden! Ein junges Pärchen (Alessio Oranio und Christina Galbó) hat den Wagen einfach mal aus Spaß für eine kleine Spritztour geklaut. Der Killer heftet sich an ihre Fersen, während der ebenfalls verblüffte Giorgio mangels Nachricht von seinem Komplizen erstmal nichts anderes übrig bleibt, als der Polizei gegenüber von Entführung zu sprechen.

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Die Quintessenz der Rolle Femi Benussis
Nun folgt erstmal gut 20 Minuten… nichts! Die Jugendlichen fahren in der Dunkelheit herum, während sich der vorher recht schweigsame Killer als abgeklärter erweist als gedacht: Immer wieder bekommt er ohne Verdacht zu erregen an die Informationen, wo die beiden langgefahren sind. Eine ganz netter Suspenseszene, in der die Polizei die beiden aufgrund eines defekten Scheinwerfers anhält, stimmt immerhin einigermaßen versöhnlich.

Doch gedacht ist dieser Akt als Übergang in die Moderne: den Slasherfilm. Die Jugendlichen kommen schließlich in einem heruntergekommenen Strandhaus an, der Killer ebenfalls und es beginnt das aus diesem aufkommenden Genre bekannte Spielchen von ängstlichen Blicken, beidseitigem Herumgeschleiche und natürlich bewahrheitet sich auch die Formel, dass wer Sex hat, bald gemeuchelt wird, einmal mehr. Da man wohl zwei Opfer für nicht ausreichend hielt, wird noch Femi Benussi zwischendurch aufgegabelt, zieht sich keine zwei Minuten nach ihrem Auftauchen auf dem Rücksitz aus und… na ja, der Rest sollte vorhersehbar sein: Sie ist damit als nächstes Opfer gebrandmarkt.

Dann erwischt es nach viel weiterem Geschleiche jedoch den Killer… und der Film schwenkt wieder um auf den am Anfang behandelten Plotstrang. Aus irgendeinem Grund weiß die Polizei, dass Giorgio in die Sache verwickelt war (woher zum Teufel?). Um ihm eine Falle zu stellen (???), platzieren sie das Auto mit der Leiche seiner Frau immer noch im Kofferraum (!!!) vor seiner Haustür. Giorgio gerät in Panik, will das Auto ebenfalls im Hafen versenken (Wieso? Frau tot, er selbst offensichtlich nicht als direkter Täter überführbar – wo ist das Problem?), wird da aber natürlich von der Polizei erwartet. Die Verhaftung verläuft, ganz in der Tradition von Bei Anruf Mord auf nonchalante Weise.

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Ab hier wird's laaaaangweilig…
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Gähn…
In die Mitte der einen Geschichte hat man also ohne Sinn und Verstand einfach eine zweite gepropft. Von den handelnden Personen wird gerade mal eine einzige auf beiden Ebenen verwendet (der Killer), jedoch beinahe schon in einem Maße umcharakterisiert, dass einen der Verdacht beschleicht, in den ehemals zwei Skripten seien es unterschiedliche Personen gewesen. Während des Slasheraktes wird zwei oder dreimal zurück zu Giorgio und der Polizei geschnitten – wiederum sinnlos, denn jedes Mal gibt es dort einfach „nichts Neues“. Dieser Handlungsstrang ist einfach pausiert. Und dan man dann ja keine Zeit mehr hatte, sich ein logisches Ende für Giorgios Schicksal zu überlegen, hängt man einfach ein paar absolute Schwachsinnsszenen hinten dran, weil Bei Anruf Mord schließlich einen Trick seitens der Polizei zur Überführung des Anstifters verlangt – auch, wenn es wirklich überhaupt keinen Sinn ergibt.

Filmisch gibt es ebenfalls keine Glanzstücke zu vermelden, aber immerhin solide Arbeit. Beide inhaltlichen Teile sind auch formell adäquat mit den jeweiligen Stilmitteln umgesetzt. Zweimal versucht man mit parallelen Montagen wohl emotionale Reaktionen beim Zuschauer auszulösen: Während des Mordes an Norma sieht man immer wieder Giorgio auf der Party lachen und scherzen, später finden zwei Sexszenen, eine freiwillige, eine unfreiwillige, gleichzeitig statt. Funktioniert nur bedingt, da die emotionale Bindung – die Identifikation mit den Figuren – niemals geschehen ist. Was einem bei solch schwachsinnig angelegten Charakteren wie dem Femi Benussis (ihre Rolle bekommt noch nicht mal einen Namen!) allerdings auch schwer fallen dürfte.

Einziger richtiger Lichtblick ist somit Saint-John, der nicht nur furchterregend aussieht, sondern auch beide seiner Rollen (sein wir ehrlich…) sehr überzeugend meistert. Ein interessanterer Film wäre es zweifellos geworden, wenn man seiner Rolle mehr Raum zur Entfaltung gegeben hätte. Die Anfangsszene, in der er seinen ersten Mord begeht und gleich mal deutlich nekrophile Tendenzen zeigt, hätte da schon den Weg weisen können.

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